Gedenkfeier am Volkstrauertag: Eine Perspektive für die Zukunft aufzeigen

Von: Markus Bienwald
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Für die musikalische Gestaltung der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Geilenkirchen wurden Schüler des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula gewonnen. Foto: Markus Bienwald
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Regierungspräsidentin Gisela Walsken regte in ihrer Ansprache zum Nachdenken über den Respekt voreinander und den Frieden an.

Geilenkirchen. Bei der erstmals in Geilenkirchen statt wie sonst in Aachen oder in Köln ausgerichteten zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag gab es in allen Wortbeiträgen nicht nur den Blick zurück.

In der Aula des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Geilenkirchen weitete Regierungspräsidentin Gisela Walsken, die zugleich Vorsitzende des ausrichtenden Bezirksverbandes Aachen-Köln im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist, ihre Gedanken in die Gegenwart und Zukunft aus.

Vor dem Hintergrund, dass beispielsweise die Präsidentschaftswahlen mit ihrem Sieger Donald Trump die Nachrichten und Gespräche beherrschen, stellte sie die Frage, ob ein Volkstrauertag immer noch gebraucht werde. „Meine Antwort lautet ja“, so Walsken, die dem Ausrufezeichen hinter der Bejahung auch viele Gründe folgen ließ. Mit Bezug auf den Ausspruch des Nürnberger Publizisten Prof. Hermann Glaser, der einmal sagte „Wer in der Demokratie schläft, erwacht in der Diktatur“, regte sie an, einmal über die aktuellen politischen und gedanklichen Strömungen der Menschen nachzudenken.

„Achtung, der Respekt voreinander und aufeinander zugehen sind wichtige Botschafter für den Erhalt von Frieden und Freiheit“, so Walsken. Damit stellte sie sich ganz klar gegen den derzeit vor allem in sozialen Netzwerken vorherrschenden Trend von Ausgrenzung und Hassparolen. Dass die Hoffnung dabei auf den jungen Menschen ruht, sagte sie auch. Hier sah sie in den Schülern von St. Ursula, die ihre Freizeit für die musikalische Ausgestaltung und die Organisation der Feierstunde investiert hatten, durchaus als Vorbild an. So blieb ihr bei ihren vielen Touren durch den Regierungsbezirk Köln ein Graffiti besonders im Gedächtnis. „Vergangenheit hängt nicht mehr von uns ab, doch die Zukunft bestimmen wir“, stand auf einer Hauswand zu lesen.

„Lassen Sie die Zukunft in unserer Hand“, schloss sie mit der Zuversicht, dass Achtung vor dem anderen künftig bald wieder den Ton in Auseinandersetzungen beherrschen. Oberst i. G. Reinhard Jörß vom Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) weiß als Standortältester genau, welche Arbeit für den Frieden geleistet werden muss. Er erinnerte nicht nur daran, wie viele Aufträge das ZVBw in seiner nun 25-jährigen Geschichte für den Erhalt des Friedens ausführte. Mit den Worten „Es ist ein kostbarer Frieden, der seit 71 Jahren in Europa herrscht“, brachte er auch in Erinnerung, dass der von vielen Menschen scheinbar als selbstverständlich erachtete Frieden viel Arbeit beinhalte.

Für den Frieden einzustehen sei ein kostbares Gut, dazu brauche es Mut, den beispielsweise Soldaten der Bundeswehr täglich aufs Neue beweisen. Für Oberst Jörß war der Volkstrauertag ein guter Anlass, über die Folgen von Auseinandersetzungen, Gewalt und Krieg nachzudenken. „Tod und Trauer einen uns, aber wäre es nicht wunderbar, wenn uns das Leben in gleicher Weise einen könnte?“, fragte er abschließend.

Mit Zwischenspielen des Schulorchesters und des Jugend- und Kammerchores des Gymnasiums unter Leitung von Thomas Gottschalk war die Gedenkfeier auch musikalisch hervorragend besetzt. Stellvertretend für die Schüler, die Lehrer und die Schule dankte Schulleiter Jürgen Pallaske für die Chance, die Gedenkfeier auszurichten. Er betonte, dass gerade eine Schule der richtige Ort dafür sei, denn „es ist die Aufgabe der Schulen, unseren Kindern und Jugendlichen, ausgehend von der Erinnerung und dem Gedenken an die Vergangenheit, eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen und diese gemeinsam mit ihnen zu gestalten“.

Dem hatte auch Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz nicht mehr viel zuzufügen. Ihm wurde bei der Kranzniederlegung auf dem von den Angehörigen des Reservistenkameradschaft des Awacs-Verbandes liebevoll gepflegten Ehrenfriedhof von St. Marien die Ehre zuteil, das Totengedenken vor der Kranzniederlegung zu sprechen. „Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit sind niemals selbstverständlich“, so Schmitz, „sie müssen jeden Tag durch unser Handeln, durch unsere Taten neu erlebt und vermittelt werden.“

Und im Schein der Fackeln der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchens und begleitet von der Musik des Spielmannszuges Niederheid und des Musikvereins Prummern legten Bürgermeister Schmitz, Regierungspräsidentin Gisela Walsken, Landrat Stephan Pusch, Oberst Jörß und Lieutenant-Commander Kenneth-Narozanski von der in Geilenkirchen stationierten Unterstützungseinheit der kanadischen Streitkräfte in Europa Kränze im Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt nieder.

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