Gebrüder-Grimm-Schule: Spezialisiert auf Nachholbedarf bei Sprache

Von: Anna-Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
Viel Spaß hatten Schüler, Le
Viel Spaß hatten Schüler, Lehrer und Eltern auf dem Schulhof der Gebrüder-Grimm-Schule beim Pausen-Spiel-Tag, wie hier zum Beispiel beim „Schnibbeln”. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Gummitwist kennen viele Erwachsene noch aus ihrer Kindheit. An der Gebrüder-Grimm-Schule erlebte er eine Renaissance, denn es braucht keine großen Hilfsmittel, um die Pausen zwischen dem Unterricht aktiv und interessant zu verbringen.

Das haben Lehrer und engagierte Eltern den Schülern im Rahmen eines sogenannten Pausen-Spiel-Tages an insgesamt neun unterschiedlichen Spielstationen vermittelt.

Gummitwist - wie war das noch? Da wird ein etwa drei Meter langer Hosengummi zusammengeknotet und um die Füße von zwei Schülern gespannt. Ein Schüler hüpft in, auf oder zwischen diesem Gummiband in vorher verabredeten Figuren. Beliebt war auch das „Schnibbeln”: Jedes Kind oder Team erhält Pappkarten in einer Farbe. Von einer Linie aus werden die Karten jetzt nacheinander Richtung Wand „geschnibbelt”. Der Schüler, dessen Karte am nächsten an der Wand liegt, darf alle Karten einsammeln.

Seit dem Spieletag kommt ganz sicher keine Langeweile mehr auf in den Pausen der Förderschule. Sie hat den Förderschwerpunkt Sprache und seit nunmehr fünf Jahren an der Oberbrucher Straße in Heinsberg ihren Sitz, in den Räumen des ehemaligen Berufskollegs. Diese wurden für den neuen Zweck umgebaut und entsprechend eingerichtet, der Schulhof zudem in eine kindgerechte Spielfläche umgewandelt.

Zurzeit besuchen 128 Kinder diese Schule. Sie werden in elf Klassen von 18 Lehrern unterrichtet. Die Schule arbeitet nach den Richtlinien der Grundschule, berücksichtigt dabei aber auch die individuellen Sprachprobleme ihrer Schüler und ermöglicht ihnen so, ihre Fähigkeiten gut zu nutzen. „Wichtig hierfür sind kleine Klassen mit bis zu zwölf Kindern und fachlich ausgebildete Pädagogen, die eine möglichst spezielle Förderung der Kinder ermöglichen”, sagt Ralf Bönder, seit 1. März neuer Schulleiter. Konrektorin ist Hubertine Fabry.

Alle Kinder, die in die Gebrüder-Grimm-Schule gehen, haben ihre individuellen Probleme mit der Sprache: Sie sprechen zum Beispiel sehr wenig oder sehr hastig, sie sprechen Laute falsch aus oder vertauschen die Reihenfolge der Worte im Satz. Die meisten dieser Störungen kommen nicht isoliert vor, sondern in Kombination mit Wahrnehmungsstörungen, wenn Kinder etwa das, was sie gehört haben, nicht richtig zuordnen oder ähnlich klingende Wörter nicht unterscheiden können.

Eltern, die bei ihrem Kind sprachliche Probleme beobachten, können zusammen mit dem Kindergarten, der Grundschule oder einem eventuell bereits eingeschalteten Logopäden einen Antrag auf Überprüfung der Situation stellen. Im Schulamt wird entschieden, ob eine Überprüfung durch einen Sonderpädagogen erfolgen soll, der dann nach einer ausführlichen Diagnostik und einem Elterngespräch ein Gutachten erstellt. „Auf der Grundlage dieses Gutachtens wird im Schulamt eine Entscheidung getroffen, wobei der Elternwille vor dem Hintergrund der aktuellen gesetzlichen Grundlage maßgeblich ist”, so der Schulleiter. Kinder mit Sprachstörungen könnten in ihrem gesamten Verhalten beeinträchtigt sein, ergänzt er.

Die Förderschule versucht, die Sprachprobleme, aber auch die Störungen in der Wahrnehmung in Einzelförderung oder in Kleingruppen zu beheben. Darüber hinaus wird in jedem Unterricht Sprache geübt. Den Kindern wird ermöglicht, ihre Sprachfähigkeit anzuwenden und in einer überschaubaren Gruppe Sicherheit zu erlangen. Der Prozess des Lesenlernens erhält ebenfalls große Aufmerksamkeit.

Zusätzlich zur Grundschule hat die Gebrüder-Grimm-Schule eine Eingangsklasse, in der grundlegende Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Konzentrationsfähigkeit, Fein- und Grobmotorik, Selbstbewusstsein sowie Gruppenfähigkeit gefördert werden.

Kinder, die ihre Sprachstörungen weitgehend überwunden haben, können in ihre Heimatgrundschulen wechseln, meist nach dem zweiten Schuljahr. Dabei gibt es eine Probezeit von bis zu sechs Monaten, in der immer wieder Kontakte und bei Bedarf Hilfen erfolgen. „In nahezu allen Fällen verläuft die Probezeit erfolgreich, und das Kind bleibt an der Grundschule”, erklärt Hubertine Fabry.

Nach dem vierten Schuljahr stehen den Kindern grundsätzlich alle Möglichkeiten der Sekundarstufe I offen. Falls weiterhin erhebliche Sprachstörungen bestehen, gibt es die Möglichkeit, die Gutenbergschule in Stolberg zu besuchen, die Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache im Sekundarbereich unterrichtet, oder aber Förderung im gemeinsamen Unterricht zu beantragen.

Weitere Informationen gibt es unter Tel. 02452/210500 oder auf der Schul-Homepage.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert