Gasvorkommen: Dallas an der Rur wird es so schnell nicht geben

Von: Norbert F. Schuldei
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Hückelhoven. Das könnte ein Riesengeschäft werden: Unter den Kohlenflözen in Nordrhein-Westfalen lagern offenbar riesige Erdgasfelder. Die Firma Exxon Mobil Central Europe taxiert die schlummernde Menge an Gas auf 2100 Milliarden Kubikmeter - das wäre nach dem Inhalt des Erdgasvorkommens im niederländischen Groningen mit 2800 Kubikkilometern das zweitmächtigste Vorkommen an diesem Energieträger in Europa.

Im Kreis Minden/Lübbecke wurde bereits vor drei Jahren eine Erkundungsbohrung niedergebracht. Liegen möglicherweise im so genannten Aachener (Kohle-) Revier, also auch in Hückelhoven, Rohstoffe in der Tiefe, von denen man bisher nichts oder nur wenig ahnte? Wird in Hückelhoven möglicherweise bald der Gasrausch ausbrechen? Kann Hückelhoven zum Dallas Nordrhein-Westfalens werden?

„Wenn man das nüchtern betrachtet: Wohl kaum”, sagt Hückelhovens Technischer Beigeordneter Dr. Achim Ortmanns. Er hat sich nach den ersten euphorischen Meldungen über die gewaltigen Energiegasfelder im Münsterland bei der Bezirksregierung Arnsberg kundig gemacht.

Die Bezirksregierung Arnsberg mit der landesweit tätigen Abteilung Bergbau und Energie ist für alle Entscheidungen, die das Aufsuchen und Gewinnen von Bodenschätzen betrifft, die zuständige Behörde. Das gilt auch für mögliche Erdgasvorkommen. denn Erdgas zählt zu den Kohlenwasserstoffen und ist damit ein so genannter bergfreier Bodenschatz. „Bergfreie Bodenschätze sind nicht Bestandteil des Grundeigentums”, weiß Ortmanns, der vor seiner Zeit als Technischer Beigeordneter in der ehemaligen Kohlestadt Hückelhoven lange Jahre für den EBV tätig war.

„Die Kohlenflöze hier”, sagt Ortmanns, „sind sehr dünn, längst nicht so mächtig wie die im Ruhrgebiet”. Deshalb ist es „sehr unwahrscheinlich”, dass in diesen dünnen Flözen solche Mengen Gas eingelagert sind, dass es die mit erheblichem Aufwand verbundene Förderung lohnt.

„Wenn das tägliche Fördervolumen 500.000 Kubikmeter Erdgas übersteigt”, hat Ortmanns sich in bei der Bezirksregierung in Arnsberg aufklären lassen, „erfordert die Gewinnung von Erdgas zu gewerblichen Zwecken eine Umweltverträglichkeitsprüfung”. Aber auch wenn eine solche Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich sein sollte, werden, so verlangt es das Bundesberggesetz, „öffentliche Belange in die Entscheidung einbezogen”. Und das dauert, wie man weiß, oft Jahre.

Andererseits: Schon vor Jahren haben Konzerne wie Exxon Mobil und Halliburton in den USA so genannte unkonventionelle Fördermethoden angewendet, um auch verstreut im Gestein liegende Gasvorkommen anzuzapfen. Bei dieser Förderung wird eine Mischung aus Wasser, Sand und teils giftigen Chemikalien in das Gestein gepresst, es wird aufgesprengt und das Gas abgesaugt.

Gerade wegen dieses Verfahrens, so Ortmanns, habe die zuständige Bezirksregierung Arnsberg zusätzlich zum bergrechtlichen Verfahren der Firma Exxon Mobil auch das wasserrechtliche Verfahren verordnet. „Würde also hier im Kreis Heinsberg eine Probebohrung nach Gas runtergebracht werden, müsste auch der Kreis Heinsberg als Untere Wasserbehörde eingeschaltet werden,” sagt Ortmanns.

Und weiter: „Wenn konkret feststeht, dass diese Bohrung beispielsweise in Hückelhoven runtergebracht werden soll, dann müsste ein Sonderbetriebsplan erstellt werden. Und dabei hätte die Kommune, also die Stadt Hückelhoven, ein Mitspracherecht.”

Dann würden neben den Verwaltungsfachleuten auch die politischen Kräfte ein Wörtchen mitzureden haben. Und natürlich müssten auch die Bürger beteiligt werden. Das dauert. Bis die ersten Bohrtürme in Hückelhoven aufgebaut werden, fließt wohl noch viel Wasser die Rur runter. So schnell wird das nix mit Dallas im Kreis Heinsberg.
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