Geilenkirchen - Gastspiel: Der Rosshändler und die Irrtümer

Gastspiel: Der Rosshändler und die Irrtümer

Von: g.s.
Letzte Aktualisierung:
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Eindrucksvoll für die Realschüler in Geilenkirchen inszenierte das Westfälische Landestheater mit einem Darsteller die Kleist-Novelle vom Michael Kohlhaas, dem zunächst friedlichen Rosshändler, der sich betrogen sieht und „Amok” läuft. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Michael Kohlhaas ist ein geachteter Mann und Pferdehändler, eigentlich ein friedlicher Mensch. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und liebt seine Freiheit. Doch die Gesellschaft verändert ihn ins Gegenteil, bis er brandschatzend und mordend durch die Lande zieht.

Weil der Freiherr Wenzel von Tronka aus einer willkürlicher Machtdemonstration zwei der wertvollen Pferde des Michael Kohlhaas als Pfand einbehält, so der Inhalt der Kleistschen Novelle, strebt der Händler einen Prozess an, um zu seinem Recht zu kommen. Doch die Mächtigen in der Gesellschaft beugen das Recht nach Gutdünken. In Folge des Kampfes um Gerechtigkeit kommt sogar seine Frau ums Leben.

Kein allgemeines Recht

Kohlhaas erkennt, dass das Recht - bedingt durch Vetternwirtschaft, Willkür und Korruption der Obrigkeit - nicht mehr allgemeingültig ist. „Das ist der Beginn, an dem aus einem friedlichen Menschen ein Fanatiker wird. An dem ein Pazifist zur Waffe greift und andere umbringt, obwohl das eigentlich gar nicht seine Gesinnung ist”, sagt Regisseurin Yvonne Groneberg zu der Kohlhaas-Inszenierung von Marco Ballini und Remo Rostagno frei nach dem Original von Heinrich von Kleist.

Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel war mit dem Ein-Mann-Stück im Rahmen der Serie Theaterstarter in der Realschule Geilenkirchen zu Gast. So ist weiter zu erfahren, dass Kohlhaas nach all dem Erlebten seinerseits durch offene Rebellion versucht, gegen das Gesetz zu seinem Recht zu kommen.

Soziale Verwandlung

Er wandelt sich vom rechtschaffenen Rosshändler zum rücksichtslosen Mordbrenner. Hier kommt es zum Übergang in die Neuzeit und sogar zum Vergleich mit Amokläufen aus der jüngeren Vergangenheit. „Eigentlich ist Michael Kohlhaas jedermann, keine spezielle Figur, sondern eher ein Phänomen in uns”, erläuterte Yvonne Groneberg. Die Inszenierung nehme eine historische Geschichte von literarischer Bedeutung zum Anlass, hochaktuelle Fragen in zeitgenössischem Rahmen zu prüfen.

Auch Amokläufer wie Sebastian B. in Emsdetten im Jahr 2006 würden daran glauben, für ihre Gerechtigkeit bis zum blutigen Ende zu kämpfen. Sie seien nicht mehr bereit, in einer staatlichen Ordnung oder einem sozialen System zu leben, das sie durch Ausgrenzung, Leistungsdruck und vorgefertigten Hierarchien zu verschlingen droht und nicht mehr nach dem Individuum fragt. Das Scheitern an der Realität eskaliere schließlich in einem in Szene gesetzten Rachefeldzug, der zumeist mit der eigenen Hinrichtung - wie bei Michael Kohlhaas, ende.

Rund 50 Schülerinnen und Schüler verfolgten die erste von mehreren Vorstellungen dieser Inszenierung mir sehr großer Aufmerksamkeit. Darsteller Stefan Leonard zog bei dem Jugendstück sogar im Kampfanzug alle Register seines schauspielerischen Könnens. Er ist seit 13 Jahren Schauspieler und zieht seit einem Jahr mit seinem „Kohlhaas” über die Bühnen.

Diskussion mit Darsteller

„Hier wird ein wichtiges und kritisches Thema vermittelt, mit dem man sensibel umgehen muss”, sagt Schulleiter Peter Pauli zu dem Stück, bei dem es am Ende kein Überleben für Michael Kohlhaas gibt. Im Anschluss an die Aufführung bestand Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler, sich in eine Diskussion mit Stefan Leonard einzubringen.
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