Ganztag: Nachfrage nach Plätzen steigt

Von: Leandra Kubiak
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Einmal in der Woche wird an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule ein AG-Nachmittag angeboten. In der „Schmecklecker“-AG wird nicht nur lecker gekocht, sondern im Anschluss auch abgewaschen. Foto: Leandra Kubiak
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Auch eine „Tierpflege-AG“ gibt es an der Gesamtschule. Foto: Leandra Kubiak

Geilenkirchen. Gleiche Lernchancen für alle auf der einen, eine Entlastung für berufstätige Eltern auf der anderen Seite: Von der Ganztagsschule verspricht sich die Politik vieles und treibt den Ausbau dieser Schulform daher seit Jahren voran. Nach wie vor gibt es zwar viele Halbtagsschulen, diese bieten aber größtenteils Betreuungsangebote für den Nachmittag an.

Die Nachfrage nach Plätzen für den sogenannten Offenen Ganztag ist in den vergangenen Jahren in Geilenkirchen kontinuierlich gestiegen. „Die Tendenz ist an allen Schulen steigend“, sagt Kerstin Soudani, Koordinatorin des Offenen Ganztags der gemeinnützigen Malteser Werke GmbH, die einen Großteil der Schulen in Geilenkirchen betreuen. „Langfristig könnten die Schulen an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen stoßen“, befürchtet sie. Auch Themen wie Inklusion und Migration würden hierbei eine Rolle spielen, denn sie wirkten sich nicht nur auf den Unterricht, sondern auch auf den Ganztag aus, sagt Soudani. Möglich sei daher, dass in den kommenden Schuljahren Schüler für den Offenen Ganztag abgelehnt werden müssen, da es an Räumen fehlt.

Hälfte der Schüler wird betreut

An den Geilenkirchener Grundschulen nimmt im Durchschnitt fast die Hälfte der Schüler die Betreuung am Nachmittag wahr. 416 Kinder werden derzeit im Offenen Ganztag betreut, insgesamt sind rund 860 Kinder an den Grundschulen angemeldet (ausgenommen ist hier die Katholische Grundschule Immendorf, die keine Ganztagsbetreuung anbietet). An der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Geilenkirchen sind es aktuell 101 Kinder, an der Katholischen Grundschule (KGS) Geilenkirchen 161, an der KGS Teveren 39, an der KGS Würm 53 und an der GGS Gillrath 62, die betreut werden.

An den weiterführenden Schulen zeichnet sich ein anderes Verhältnis ab, was vor allem damit zusammenhängt, dass sich die Betreuung in erster Linie an Schüler der Klassen 5 bis 7 richtet. An der Städtischen Realschule werden derzeit 18 Schüler nachmittags betreut, am Bischöflichen Gymnasium St. Ursula nehmen 170 von insgesamt 1260 Schülern an einem Tutorium teil, und 500 Schüler besuchen nachmittags eine AG. An den Grundschulen und an der Realschule befindet sich das Angebot in der Trägerschaft der Malteser Werke. Das Gymnasium St. Ursula organisiert seinen Ganztag eigenständig.

Die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule ist die einzige sogenannte gebundene, also verpflichtende Ganztagsschule in Geilenkirchen. Hier findet auch nachmittags regulärer Unterricht statt. Der Schultag geht für die 950 Schüler in der Regel bis zur achten oder neunten Stunde, also bis 15.05 Uhr oder bis 15.55 Uhr. Anstelle einer sechsten Stunde findet eine Mittagspause statt, in der es ein warmes Essen gibt und den Schülern verschiedene Aktivitäten, zum Beispiel in einem Fitnessraum, freistehen.

Klassenarbeiten würden immer vormittags geschrieben, sagt Christel Wolter, Didaktische Leiterin der Schule. Und auch die Hauptfächer fänden am Vormittag statt. Dienstags endet der Unterricht, außer für die Oberstufe, bereits nach der sechsten Stunde. „Mittwochs ist bei uns AG-Nachmittag“, sagt Wolter. Die Schüler können dann in der siebten und achten Stunde zwischen verschiedenen Arbeitsgemeinschaften (AGs) wählen, müssen aber nicht teilnehmen. Auf dem Programm stehen unter anderem die „Schmecklecker“-AG, in der gekocht wird, „Chemie zum Anfassen“, eine Kletter-AG oder auch die Tierpflege-AG, in der zahlreiche Kleintiere wie Mäuse und Geckos von den Schülern versorgt werden. Betreut werden die Arbeitsgruppen von den Lehrkräften.

Auch am St. Ursula Gymnasium wird die Betreuung am Nachmittag von den Lehrern übernommen. Das Angebot besteht aus AGs und einem Tutorium, das täglich angeboten wird – hier liegt die Betreuung allerdings größtenteils in den Händen der Oberstufenschüler. „Unser Konzept bezeichnen wir als Halbtagsschule plus“, sagt Schulleiter Jürgen Pallaske. „Das Tutorium ist eine Kombination aus Hausaufgabenbetreuung und individueller Förderung.“ Der Regelunterricht für die Schüler der Klassen fünf bis neun endet zurzeit zwischen 13 Uhr und 14.40 Uhr, im Anschluss beginnt das Tutorium, in dem die Schüler zunächst gemeinsam etwas essen können. Ende ist um 15.15 Uhr.

„Der Bedarf ist gewachsen“, stellt Pallaske fest. Allerdings werde das Angebot, das kostenpflichtig ist, in erster Linie von den jüngeren Schülern in Anspruch genommen. Wie oft die Schüler die Betreuung pro Woche nutzen, können sie beziehungsweise ihre Eltern frei entscheiden. Für das kommende Schuljahr steht an dem Gymnasium eine Änderung an: Künftig soll es neben den Oberstufenschülern, die ohnehin teilweise Unterricht am Nachmittag haben, auch für die Schüler der Klassen acht und neun an zwei Tagen in der Woche Unterricht bis 14.55 Uhr geben. Die Fünft- bis Siebtklässler sollen einen solchen langen Tag einmal in der Woche bekommen. Die Änderung soll mit einer längeren Mittagspause und einem richtigen Mittagessen einhergehen.

Klar geregelt ist das Angebot für den Ganztag an den Grundschulen und an der Realschule: Eltern können hier entscheiden, ob ihre Kinder täglich bis 13.15 Uhr oder bis 15 beziehungsweise 16 Uhr betreut werden sollen. Eine Anmeldung gilt in der Regel für alle Wochentage und jeweils für ein gesamtes Schuljahr. Auch hier gibt es ein Mittagessen zu festen Zeiten, das Angebot zum Freispiel, eine Hausaufgabenbetreuung und unterschiedliche AGs sowie Sportangebote. Anders als an den Grundschulen gibt es an der Realschule eine feste Lernzeit, die von 14 Uhr bis 15.30 Uhr geht. Die Betreuung findet hier durch Mitarbeiter der Malteser Werke statt, die nicht zwingend eine spezifisch pädagogische Ausbildung haben – zwei Stunden pro Tag muss jedoch auch eine Lehrkraft dabei sein. 48 Mitarbeiter der Malteser Werke sind derzeit für die Betreuung der Schüler aller Schulen zuständig.

„Irgendwann betreuungsmüde“

Die Vorgabe sei, dass auf 25 Schüler jeweils zwei Mitarbeiter kommen, sagt Soudani. „Es wäre natürlich wünschenswert, wenn mehr Personal zur Verfügung gestellt würde“, so die Erzieherin. Dafür fehle aber das Geld vom Land NRW. Kerstin Soudani leitet den Offenen Ganztag an der GGS Geilenkirchen bereits seit neun Jahren.

Einige Kinder begleitet sie über Jahre hinweg. Und bei all den Vorteilen, die der Ganztag bieten mag, stellt sie immer wieder auch fest: „Die Kinder werden nach vielen Jahren der Betreuung oftmals irgendwann betreuungsmüde.“

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