Gangelt - Gangelter sollen über Schicksale „stolpern“

Gangelter sollen über Schicksale „stolpern“

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
9628750.jpg
Diese vier Stolpersteine erinnern in Geilenkirchen seit vergangenem Jahr an die Familie Gottschalk. Foto: Jan Mönch

Gangelt. Eine Gruppe Gangelter Bürger setzt sich dafür ein, dass mit sogenannten Stolpersteinen an die Vertreibung und Ermordung der Juden und anderer Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert wird. Ein entsprechender Antrag ist bei der Gemeinde eingegangen, der Stadtrat soll am Dienstag, 24. März, darüber entscheiden.

Der Antrag wurde von 21 Gangelter Bürgern unterschrieben, darunter Josef Backhaus aus Hastenrath, von dem die Initiative ausging, sowie mehrere Ratsleute aus den Reihen von Freien Wählern, SPD und CDU.

„Wir wollen die Öffentlichkeit und insbesondere Schülerinnen, Schüler und Jugendliche unserer Gemeinde intensiv in das Stolpersteinprojekt einbinden und gemeinsam mit ihnen einen Beitrag leisten, Namen und Andenken der Opfer des nationalsozialistischen Terrors in unsere Stadt zurückzuholen und damit ein unübersehbares Zeichen gegen Rassismus und für Toleranz und Demokratie zu setzen“, heißt es. Dem Initiativkreis schwebt vor, rund 50 der Steine auf Gehwegen zu verlegen. Dies soll in Abstimmung mit Gemeindeverwaltung und Bauamt und nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch die jeweiligen Hausbesitzer, vor deren Türen die Steine verlegt würden, geschehen.

Die Stolpersteine, bei denen es sich um kleine Gedenktafeln aus Messing handelt, werden seit dem Jahr 2000 durch den Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig in ganz Europa, überwiegend aber in Deutschland verlegt. Eine allererste, nicht genehmigte Verlegung in Berlin-Kreuzberg hatte bereits 1997 stattgefunden und wurde nachträglich abgesegnet. Mittlerweile liegen mehr als 50.000 der Steine in den verschiedensten Orten, jeder von ihnen trägt den von Hand eingravierten Namen eines durch die Nazis vertriebenen oder ermordeten Menschen.

Bei den meisten handelt es sich um Juden, doch soll das dezentrale Mahnmal auch an Homosexuelle, politisch Andersdenkende oder Deserteure erinnern – und zwar nach Möglichkeit am Ort der letzten selbstgewählten Adresse, nicht beispielsweise da, wo sich sogenannte Judenhäuser befanden. Dies setzt für gewöhnlich eine umfangreiche Recherche voraus, für die Gunter Demnig die Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) oder auch lokalen Geschichtsvereinen empfiehlt. In unserer Region wurde das Projekt zuletzt sehr erfolgreich durch die „Initiative Erinnern“ in Geilenkirchen realisiert.

Das Projekt stößt dabei nicht auf ungeteilte Gegenliebe. Einerseits wurde Demnig in der Vergangenheit zwar mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Kritisiert wurde er indes auch und ausgerechnet von jüdischer Seite. Die Gemeinde in München etwa sprach sich vor Jahren gegen das Projekt aus. Und Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, bezeichnete es wiederholt als „unerträglich“, dass auf den Namen der Vertriebenen und Ermordeten „herumgetreten“ werde. In den meisten Städten und Gemeinden aber finden sich die notwendigen Mehrheiten für die Verlegung der Steine.

Auch die Gangelter Antragsteller deuten an, dass nicht jeder Bürger an die Vergangenheit erinnert werden möchte. „Scham und Trauer über das Geschehene mischen sich bei manchen mit der Sorge, dass das Erinnern Gräben unter den heute Lebenden aufreißen könnte. Manche möchten mit dieser schrecklichen Zeit unserer Geschichte nicht mehr behelligt werden“, heißt es in dem Antrag. Die Namen der Opfer in Vergessenheit geraten zu lassen, wäre jedoch „ein später Triumph des nationalsozialistischen Regimes. Das dürfen wir nicht zulassen. (...) Denn was wir verdrängen, kommt in neuem Gewand wieder.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert