Gangelter Seniorenresidenz: Der Lärmpegel hoch, die Ratlosigkeit groß

Von: Dettmar Fischer
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Um diese Mauer geht es: Viele Bürger fürchten um Gangelts historisches Stadtbild. Foto: D. Fischer

Gangelt. Nachdem im Bauausschuss der Gemeinde Gangelt vor großem Publikum die Fetzen geflogen waren, herrschte eine Ratlosigkeit, die man mit Händen greifen zu können schien. Die geplante Seniorenresidenz auf der Wiesen- und Ackerfläche vor der Stadtmauer beschäftigte im Rahmen der Sitzung erstmalig ganz offiziell diejenigen Gangelter Bürger, die das Gangelter Gemeinwesen gestalten.

Ganz vorneweg ist das in Gangelt seit Jahrzehnten die CDU. Deren Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Milthaler sprach für die Christdemokraten im Bauausschuss.

Er machte keinen Hehl daraus, dass er stinksauer auf die Freien Wähler ist. Diese hatten im Zuge ihrer Unterschriftenaktion zum Bau der Seniorenresidenz einen Flyer unters Volk gebracht. Dieser Flyer zeige deutlich, so Milthaler, wie seitens der Freien Wähler Politik gemacht werde: „Mit Polemik an Stelle sachlicher Aufarbeitung von Themen.“ Und er setzte noch einen drauf:

„Die Unterschriftenaktion war politischer Blindflug der Freien Wähler Gangelt.“ „Fake News“ seien die im Flyer aufgestellten Behauptungen, die sich ihrerseits auf einen Wahlkampfflyer der CDU-Gangelt berufen hatten, der aber, wie auch Hans-Günter Heinen für die Freien Wähler einräumen musste, nicht aus dem Kommunalwahlkampf 1994, sondern aus dem von 1999 stammte. Darin hatte sich die CDU für eine parkähnliche Gestaltung der Flächen vor der Gangelter Stadtmauer stark gemacht.

Hans-Günter Heinen hatte zuvor noch einmal Öl ins Feuer gegossen und die alten Griechen bemüht. Es herrsche Oligarchie, Plutokratie und Kleptokratie in Gangelt. Als Heinen dann die Begriffe erklärte, war der Ofen ganz aus. Kleptokratie wog am schwersten – Herrschaft der Diebe in Gangelt? Das war auch Heinen dann doch selbst zu viel, und er schränkte ein, dass er diejenigen, die in Gangelt das Sagen haben, natürlich nicht als Diebe bezeichnen möchte.

Dem Ausschussvorsitzenden Gerd Schütz gelang es, die Wogen ein wenig zu glätten. Und so gelangte ein Antrag der Freien Wählen (FW) und der Unabhängigen Bürger (UB) zur Abstimmung. Die beiden Fraktionen hatten gefordert, eine zwischen der Gemeinde und der Familie Conzen im Jahr 1992 geschlossene Erschließungsvereinbarung nun endlich umzusetzen. FW und UB stimmten für die Umsetzung der Vereinbarung, der Rest dagegen.

Die Erschließungsvereinbarung der Familie Conzen hatte die Bebauung einer kleinen Fläche vor der Stadtmauer ermöglicht (siehe Samstagsausgabe), den Großteil der Fläche als Wiesen- und Ackerland belassen und der Gemeinde die Möglichkeit eröffnet, einen Weg vor der Stadtmauer mit Grünfläche einzurichten. Der nächste Tagesordnungspunkt lief unter dem Motto „Mehrgenerationenwohnen an der Burg Gangelt“, ein 10-Millionen-Projekt der Bauherrengemeinschaft Christian und Matthias Conzen aus Gangelt auf der Fläche vor der Gangelter Stadtmauer.

Bürgermeister Bernhard Tholen wurde nicht müde zu betonen: „Wir sind ganz am Anfang, wir haben nicht mal einen Aufstellungsbeschluss.“ Man habe ein eingetragenes Bodendenkmal, die Stadtmauer. Und die Sichtverhältnisse bezüglich dieses Bodendenkmals müssten erhalten bleiben. Unter diesem Aspekt fanden aber auch die von der VDH Projektmanagement GmbH Erkelenz vorgelegten modifizierten Bebauungspläne noch nicht die Zustimmung des Bürgermeisters.

Tholen: „Mit dem Plan bin ich mit Sicherheit nicht einverstanden.“ Die Frage, wie weit man mit der Bebauung von der Stadtmauer weg bleiben müsste, habe er versucht, mit Dr. Dorothee Heinzelmann vom LVR-Amt für Denkmalpflege und Leonhard Stepprath von der oberen Denkmalbehörde beim Kreis Heinsberg noch am Tage der Bauausschusssitzung zu klären. Tholen fand zum Verlauf des Gespräches die vielsagenden Worte: „Das Ergebnis ist noch nicht so klar.“

Der Bürgermeister verwies darauf, dass Dr. Dorothee Heinzelmann Wiese und Acker vor der Stadtmauer lieber gar nicht bebaut sehen würde. Heinzelmann habe aber ein Gespräch mit den Investoren vorgeschlagen, das, so Tholens Vorschlag, abzuwarten sei, bevor der Bauausschuss Entscheidungen treffe. Auf Antrag der CDU-Fraktion wurde der Tagesordnungspunkt vertagt.

Hans-Günter Heinen fand für seinen Beschlussvorschlag, das „Mehrgenerationenwohnen an der Burg Gangelt“ ganz aufzuheben, nur die Unterstützung der UB-Fraktion. In der nächsten Bauausschusssitzung, vermutlich am 20. Juni, dürfte das Thema erneut zur Diskussion stehen. Momentan zählt die Unterschriftenaktion von FW und UB gegen das Bauvorhaben 1027 Unterschriften wahlberechtigter Gangelter Bürger.

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