Gangelter Ritterfest: Mit Schwert und Lanze zum Turnier

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
6182003.jpg
Da wurde sich nichts geschenkt. Beim Kampf mit Lanze, Schwert oder Morgenstern war es wieder erstaunlich, mit welchem Einsatz und vor allem Geschicklichkeit die Männer und Frauen vorgingen.
6181997.jpg
Ein kleiner Ausschnitt aus der großen Parade der rund 700 Teilnehmer aus 40 Heerlagern beim vierten Ritterfest in Gangelt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Gaukler zogen durch das alte Burgstädtchen Gangelt, und keiner machte Türen und Fenster zu. Noch bevor das vierte Ritterfest in Gangelt vom Knappen Bernhard Tholen in seinem neuen Wams eröffnet wurde, zogen einige Gruppen mit ihren Pferden durch das Dörfchen und machten Werbung für die Veranstaltung.

Über 40 Heerlager mit 700 Teilnehmern an den diversen Wettkämpfen und Turnieren hatte Thorsten Zeise, Oberritter zu Gangelt, gezählt. Sie alle lagerten am Ortsausgang in Richtung Hastenrath. Hinzu kamen zahlreiche Händler, Musikanten und auch manch seltsames Volk. Sogar eine fahrbare italienische Eisdiele war dabei.

Badewanne eine Marktlücke

Im Gangelt der Neuzeit noch nie gesehen wurde wohl eine Zuberei. Im Grunde war das eine mobile Badewanne. Dass es damals eine Marktlücke war, ist nachvollziehbar; dass der Betreiber am Samstag schon Termine mache musste, um alle Badewilligen ins Nass zu kriegen, stimmt nachdenklich. Fahrbar war die Wanne, die im Mittelalter mit Holz geheizt und deren Wasser nicht nach jedem Bade weggeschüttet wurde. Heute ist das moderner: Strom heizt, und ein Filter reinigt das Wasser. Damals wie heute musste man ohne schützende Rüstung oder gar Unterwäsche ins Bad steigen. Schaute jemand über den Beckenrand, wurde der „Spannertaler“ fällig, heute reicht ein Euro.

Die größte Parade des Tages gab es bei der Eröffnung durch Bürgermeister Bernhard Tholen. Er erinnerte daran, dass er skeptisch war, als es vor vier Jahren das erste Ritterfest gab.

Keine Wegelager in Gangelt

Bei der Eröffnung zeigte auch er sich vom Erfolg überzeugt und dankte den Organisatoren Albert Baeumer, Thorsten Zeise und Monika Tholen, die abends wieder eine Stadtführung anbot. Ein besonderer Dank ging an Gerda Piepers, die letztmalig für die Organisation verantwortlich war. Die besten Wünsche gingen an ihren Nachfolger Helmut Görtz.

Rund um den großzügig gestalteten Turnierplatz nahmen die Teilnehmer Aufstellung. Je ein Sprecher stellte seine Gruppe vor, und die Besucher erfuhren, dass das Rittervolk nicht nur aus der Umgebung, sondern teilweise von weit her kam. „Dass es in Gangelt keine Wegelagerei gibt, kann ich nicht verstehen“, sagte Magdalena, eines der Marktweiber. Wegelagerei? „Warum verlangt man für eine so gut organisierte Veranstaltung keinen Eintritt“, erinnerte sie daran, dass auf nahezu allen Märkten, die sie das Jahr über besucht, mindesten fünf Euro Eintritt zu berappen sind. Magdalena fühlte sich wie viele andere Ritterschaften, Landsknechte, Marketender, Gaukler und Musikanten in Gangelt sichtlich wohl.

Das Gelände ist weitläufig mit viel Platz für Zelte und Stände. Die Besucher hatten reichlich Platz zum Schlendern, strömten aber plötzlich alle zum Turnierplatz, als sie Schwerter klirren und Kampfgeschrei hörten.

Diesmal waren sogar Pferde mit dabei. Ihre Reiter demonstrierten ihre Geschicklichkeit zum Beispiel beim Kohlköpfe-von-der-Stange-hauen. Beim Kampf mit Lanze, Schwert oder Morgenstern war es wieder erstaunlich, mit welch großem Einsatz und vor allem mit welcher Geschicklichkeit die Männer und Frauen vorgingen. Soweit überliefert, wurde am Ende nicht einmal ein Pflaster gebraucht. Nach dem tollen Wetter im vergangenen Jahr hatten die Gangelter diesmal nicht so viel Glück. Der Samstag blieb zwar weitestgehend trocken, und die Sonne sah man nur abends, als sie spektakulär hinter Hastenrath unterging.

Über das Ergebnis der Deutschen Meisterschaften im Fehdehandschuhweitwurf berichten wir gesondert.

Mehr Infos im Internet unter www.ritterfest-gangelt.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert