Gangelter fürchten Identitätsverlust durch Seniorenresidenz

Von: Dettmar Fischer
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Statt auf die Stadtmauer blickt der Betrachter in Zukunft aus der Ferne auf die Rückseiten von Garagen. Zumindest wenn das Bauvorhaben so umgesetzt wird, wie dieser Entwurf es vorsieht. Entwurf: Emondts

Gangelt. Mit einer Unterschriftenaktion wollen sich Gangelter Bürger gegen den Bau einer Seniorenresidenz direkt vor der alten Stadtmauer engagieren. Die Freien Wähler (FW) und die Unabhängigen Bürger (UB) organisieren gemeinsam diese Aktion. Helga Heinen: „Die Identität Gangelts geht verloren. Das ist unbegreiflich.“

Helga und Hans-Günter Heinen, die beide zusammen die FW-Fraktion im Gangelter Rat bilden, machen wie ihr Mitstreiter Roger Schröder (UB) klar, dass sich ihre Aktion nicht generell gegen eine Seniorenresidenz richtet, sondern gegen den Bau der Wohnanlage an diesem Ort.

Der Ort ist sicherlich ein besonderer. Stadtmauer, Bergfried und Kirche St. Nikolaus bilden hier ein historisches Ensemble, mit dem auch die Gemeinde gerne wirbt. Der Blick auf diese historische Stadtansicht würde nach dem Bau der Seniorenresidenz ein anderer sein.

Die Initiatoren der Unterschriftenaktion verweisen auf den gerade erfolgten Ratsbeschluss, der Bewegung Cittaslow beizutreten, die wohl eher eine andere, nämlich „langsamere“ Art der Stadtentwicklung anstrebt. Und die Initiatoren verweisen auf ein informelles Gespräch der Gangelter Ratsgruppe, der Gemeindeverwaltung und des Investors. In diesem Gespräch habe der Investor seine Pläne für ein Senioren-Wohn-Quartier mit einem Investitionsvolumen von zehn Millionen Euro und 60 bis 70 Wohneinheiten in zweigeschossiger Bauweise dargelegt.

Während Freie Wähler und Unabhängige Bürger sich gegen das Bauvorhaben ausgesprochen hätten, hätte sich die CDU-Mehrheitsfraktion zustimmend geäußert, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Bürger nicht dagegen sind. Roger Schröder: „Mit unserer Unterschriftenaktion wollen wir nun herausfinden, was der Bürger über dieses Bauvorhaben, das den Ort Gangelt verändern wird, denkt.“

Birgit Simon unterstützt als Anliegerin der Stadtmauer die Unterschriftenaktion. Gemeinsam mit ihrem Mann restauriert sie seit elf Jahren eines der ältesten Gangelter Häuser aus dem Jahre 1608. Simon: „Das ist ein Schlag ins Gesicht. Gangelt lebt doch von seinen historischen Sehenswürdigkeiten. Das ist ein nicht wieder gut zu machender, unumkehrbarer Missgriff. Gangelt wird ein Stück seiner ortstypischen Ansicht für immer verlieren!“

Die Bauherrengemeinschaft Christian und Matthias Conzen aus Gangelt plant in Zusammenarbeit mit dem Hückelhovener Architekturbüro Wolfgang Emondts auf 21.500 Quadratmetern auf einem Wiesen- und Ackergrundstück die „Seniorenresidenz an der Burg Gangelt“. Um Ackerland in Bauland umzuwandeln und den erforderlichen Verfahren Genüge zu tun, bedarf es unter anderem der Zustimmung des Rates der Gemeinde Gangelt. Der Gemeinderat tagt das nächste Mal am 23. Mai, der zuständige Fachausschuss etwa eine Woche früher. Ob der Investor bis dahin die erforderlichen Unterlagen bei der Gemeindeverwaltung einreichen wird, bleibt abzuwarten.

Architekt Wolfgang Emondts rechnete bei der Vorstellung des Projektes vor drei Wochen (nach dem Gespräch mit der Ratsgruppe) mit einem Baubeginn im Frühjahr 2018.

Karl-Heinz Milthaler, Fraktionsvorsitzender der CDU, ist, wie er scherzhaft meint, der „letzte Dino“ im Rat der Gemeinde Gangelt und kann sich noch gut an das Jahr 1992 erinnern, als an besagtem Ort schon einmal ein ähnliches Bauvorhaben im Rat abgelehnt worden ist. Milthaler: „Ich bin sehr interessiert an der Meinung der Gangelter.“ Unter gewissen Voraussetzungen könnte er sich eine Umsetzung diesmal vorstellen, vielleicht in einem etwas kleineren Rahmen und etwas abseits der Straße, so dass ein Blick auf die Stadtmauer bleibt. Er rechnet mit einer Einbringung in den Bauausschuss im Mai.

Die Unterschriftenaktion wird bis dahin sicherlich für Gesprächstoff sorgen.

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