Gangelt wird Standort für Erstaufnahme

Von: Jan Mönch
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Die Halle lässt sich durch herabfahrbare Zwischenwände dreiteilen. Diese Besonderheit wollen Gemeinde und Betreiber nutzen. Foto: Jan Mönch

Gangelt. Die Flüchtlingskrise ist nahe an uns alle herangerückt. Einer, der sich mit ihr besonders intensiv beschäftigt, ist Diakon Thomas Hoff. Er hat Erstaufnahmeeinrichtungen besucht und gesehen, wie dort die Auswirkungen von Krieg und Gewalt plötzlich in unserer Mitte ankommen. Wie Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien mit wenigen Habseligkeiten in einer für sie fremden Welt eintreffen. Und wie die Bewohner dieser Welt ihnen helfen.

Für beide Seiten, für die Flüchtlinge wie die Helfer, ist das eine besondere, vielleicht eine extreme Situation. Man könnte sie als beunruhigend bezeichnen, vielleicht sogar als beängstigend, aber Thomas Hoff wählt ein anderes Wort: „Das ist faszinierend“, sagt er.

Auf andere Kommunen verteilen

Vielleicht ist es gerade dieser zuversichtliche Blick auf die Dinge, der am meisten dazu beitragen kann, dass Gangelt die bevorstehende Herausforderung meistert. Schon in wenigen Wochen wird Gangelt eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge stellen, und zwar in der Turnhalle der Hauptschule, gelegen unweit vom Ortskern. Maximal 200 Flüchtlinge sollen dann hier untergebracht und nach dem bürokratischen Prozedere aus ärztlicher Untersuchung und Beantragung von Asyl dann auf andere Kommunen verteilt werden. Sozialausschuss und Hauptausschuss hatten grünes Licht gegeben.

Weil die Organisation einer Erstaufnahmeeinrichtung sich entlastend auf die reguläre Verteilung von Flüchtlingen auswirkt, kann die Gemeinde Gangelt, was das betrifft, erst einmal durchatmen. Trotzdem muss weiterer Wohnraum akquiriert werden.

Hintergrund ist das Ersuchen um Amtshilfe, das vor knapp zwei Wochen von der Kölner Bezirksregierung rausgeschickt wurde und auch in den Rathäusern der Region zeitweise für Chaos gesorgt hat. Jeder Landkreis und jede Kommune solle, bitteschön, übers Wochenende eine mögliche Erstaufnahmeeinrichtung für 70 Flüchtlinge benennen. Ein einberufener Krisenstab aus den Verwaltungen des Kreises Heinsberg teilte den Kollegen in Köln mit, dass das so schnell schlechterdings nicht gehe.

Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen, und in Gangelt ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass man eine Erstaufnahmeeinrichtung leisten kann. Der wichtigste Schritt für Bürgermeister Bernhard Tholen und seinen Beigeordneten Gerd Dahlmanns war es, einen Betreiber für die Einrichtung zu finden – was durch die Katharina Kasper ViaNobis GmbH gelang.

Zwischen 20 und 30 Mitarbeiter werden für die Aufgabe abgestellt. „Flüchtlingshilfe ist natürlich nicht unser Geschäftsfeld“, sagt Geschäftsführer Martin Minten, daher sei es ihm wichtig gewesen, keine „Entscheidung am Schreibtisch“ zu treffen, sondern gemeinsam zu überlegen, ob man die Aufgabe leisten könne. Das Ergebnis fiel positiv aus. Denn fasst man die Aufgabe etwas allgemeiner, geht es am Dienst um Menschen, und auf den verstehen seine Fachkräfte sich natürlich wohl.

Diakon Thomas Hoff erinnert auch an das Leitbild der Dernbacher Schwestern. 1869 seien die ersten vier Dernbacher Schwestern nach Gangelt gekommen, und zwar weil Not am Manne gewesen sei. Damals habe die verarmte Bevölkerung gravierende Probleme bei der Versorgung von Kindern gehabt. „Jetzt sind wir knapp 150 Jahre weiter, was jetzt passiert, ist im Grunde das Gleiche. Es gibt akuten Handlungsbedarf. Und wir haben eine christlich ausgeprägte Unternehmensethik“, so Hoff.

Natürlich wurde in der Gemeinde auch besprochen, was die Einrichtung der Erstaufnahmestelle für den regulären Betrieb in der Turnhalle bedeutet. Der Sportunterricht, sagt Bernhard Tholen, werde durch Ausweichen auf andere Hallen aufrecht erhalten. Und auch die Sportvereine sollen dies so gut es geht tun. Für die drei Tennisvereine, die in der Turnhalle bislang ihre Jugend trainierten, werde das allerdings nicht funktionieren. Denn nur die sogenannte Dreifachhalle der Hauptschule, die sich durch das Herablassen von Trennwänden aufteilen lässt, biete genug Raum für Tennis. „Da wird auf gewerblich betriebene Hallen ausgewichen werden müssen“, bedauert Tholen und bittet hierfür um Verständnis.

Auch die allseits beliebten Gangelter Modellbautage der Modelleisenbahnfreunde am Nikolauswochenende müssen ausweichen. Frühestens am 9. November wird die Turnhalle bezugsfertig sein und die entsprechende Meldung an die Bezirksregierung gehen. Bis dahin ist noch viel zu tun. Beispielsweise müssen 1000 Quadratmeter Hallenboden mit Spanplatten abgedeckt werden, um diesen zu schützen. Ganz zu schweigen von den zahlreichen anstehenden Besorgungen. Der Termin wird auch mit den Zulieferern stehen und fallen.

Gangelt steht auch ein sprunghafter Anstieg der Bevölkerung bevor. Bernhard Tholen glaubt aber, dass man die Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung im Ortsbild weniger wahrnehmen wird, als diejenigen Flüchtlinge, die bereits längerfristig in Gangelt untergebracht sind. Einen Großteil der Zeit würden sie sicherlich in der Halle verbringen.

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