Galakonzert: Klaviersommer endet klangvoll

Von: Johannes Gottwald
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Großes künstlerisches Potenzial für die Zukunft: Alle acht Kandidaten des Klavierwettbewerbes hinterließen einen guten Gesamteindruck und präsentierten sich am Ende den Zuhörern mit ihren Urkunden. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. „Das Beste spare bis zuletzt!“ lautet ein altes Sprichwort. Dieser Devise folgte man auch beim ersten Geilenkirchener Klaviersommer, der mit einem rauschenden, fast dreistündigen Galakonzert, das zugleich als internationaler Wettbewerb gestaltet war, zu Ende ging.

Neben den fünf chinesischen Teilnehmern des Meisterkurses hatten sich dafür auch drei deutsche Kandidaten angemeldet. Die Jury setzte sich aus dem ukrainischen Pianisten Artem Kamke, dem Organisten und Lehrer Reinhard Tillmann aus Wegberg, dem Organisten und Komponisten Johannes Gottwald aus Setterich sowie dem Pianisten Florian Koltun und der Pianistin Xin Wang (die den Vorsitz übernahm) zusammen.

Sehr gute Resonanz

Erfreulicherweise war der Zuspruch des Publikums noch größer als beim Eröffnungskonzert, denn der Bürgersaal des Hauses Basten war nahezu restlos gefüllt. Nachdem zunächst die Auslosung der Kandidaten-Reihenfolge vorgenommen wurde, begann das Konzert mit der ersten Altersgruppe – den Kindern unter elf Jahren.

Die kleine Pianistin Din Ta Li Ya (China) übernahm die Rolle des „Eisbrechers“ und gestaltete zunächst die Sinfonia Nr. 15 in h-moll von Johann Sebastian Bach zwar etwas trocken, aber ansonsten klangvoll.

Eine erstaunliche Reife trat danach beim ersten Satz der Haydn-Sonate in Es-Dur zu Tage und auch das chinesische Arbeiterlied „Hong Xinshan Shan Fang Guang Cai“, dass mit sanft perlenden Arpeggien begann und am Ende in einen fröhlichen Marsch ausmündete, verfehlte seine Wirkung nicht.

Fast noch besser machte Fabia Ailina Söllner ihre Sache mit der Sarabande aus der französischen Suite h-moll von Bach und der Polichinelle von Sergej Rachmaninow, deren überaus schwierige Griffe sie souverän meisterte.

Bei der zweiten Altersgruppe (12 bis 17 Jahre) wurde die Messlatte schon deutlich höher gelegt. Den Anfang machte der 13-jährige Daniel Golkov aus Dortmund, der die Sarabande aus der d-moll-Suite BWV 812 zwar sehr klangschön, aber eigenartigerweise mit Pedal spielte – dies hatte Bach seinerzeit noch nicht gekannt.

Einen faszinierenden Eindruck machte dann aber das Prelude in cis-moll von Rachmaninow – hier zeigte der junge Klavierspieler eine Kraft und Dynamik im Anschlag und eine Musikalität, die für sein Alter schon erstaunlich war.

Es folgte die Chinesin Cui Jin Yu mit Praeludium und Fuge d-moll BWV 851 aus dem Wohltemperierten Klavier; ihre Interpretation wirkte allerdings etwas blutleer und undifferenziert.

Fernöstliche Pentatonik

Einen weitaus besseren Eindruck hinterließ dagegen ihre Wiedergabe des ersten Satzes des Sonate in a-moll KV 310 von Mozart und bei der Komposition „Xi Yang Xiao Gu“ (Flöten und Trommeln im Sonnenuntergang) zauberte sie aus dem Schimmel-Flügel einen chinesischen Impressionismus hervor, der mit seiner fernöstlichen Pentatonik einen eigentümlich herben Reiz verströmte.

Höchste Ansprüche

Nur ein Stück hatte sich die deutsche Kandidatin Lilian Thuy Anh Phan ausgesucht – aber die Papillions op. 2 von Robert Schumann hatten es in sich. Der breit angelegte, von einem Roman Jean Pauls inspirierte Zyklus stellte höchste Ansprüche an die Interpretin, die zwar technisch noch nicht restlos überzeugte, aber trotzdem eine beachtliche Leistung hinlegte, die großen Applaus fand. Danach konnten die Zuhörer in einer 20-minütigen Pause draußen den kühlen Sommerabend auf der Gerbergasse genießen.

Der Schlussteil des Konzertes war dann der dritten Altersgruppe (18 bis 23 Jahre) vorbehalten. Eine besonders heikle Aufgabe hatte sich der junge Pianist Lu Yao Yuan mit der horrend schweren Ungarischen Rhapsodie Nr. 6 von Franz Liszt gestellt: Vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstand die weite Pußtalandschaft mit ihren Ziehbrunnen, Schafherden und fremdartigen Zigeunerweisen.

Dagegen hätte in der „Revolutions-Etüde“ von Chopin das tragische Pathos noch mehr zum Ausdruck kommen sollen – das Werk entstand unter dem Eindruck der polnischen Erhebung gegen den russischen Zaren, die gnadenlos niedergeschlagen wurde.

Eine weitere Bach-Sinfonia (Nr.13 in a-moll) stand auf dem Programm von Zhang Xiao Qi, gefolgt von dem stürmisch-leidenschaftlichen Finalsatz aus der „Mondscheinsonate“ von Ludwig van Beethoven.

Hier erreichte die junge Pianistin zwar noch nicht ganz internationales Niveau, aber dennoch erlebte man ein mitreißendes Stück Musik. Ein weiteres Stück aus China, „Der Phönix“, vorgetragen von der Pianistin Bai Niau Chiao Feng, rundete das Programm stilvoll ab. Mit großem Beifall bedankten sich die Zuhörer bei den Interpreten für die dargebotenen Stücke.

Juryberatung

Die Jury zog sich anschließend zu einer Schlussberatung zurück und schritt dann zur Preisverleihung: Bei der ersten Altersgruppe wurde an beide Interpretinnen ( Din Ta Li Ya und Fabia Ailina Söller) ein erster Preis vergeben, in zweiten Gruppe erhielt Cui Jin Yu den dritten, Lilian Thuy Anh Pan den zweiten und Daniel Golkov den ersten Preis.

Mit zwei dritten Preisen wurde die höchste Altersgruppe bedacht: Zhang Xiao Qi wurde dabei mit 15 Punkten, Lu Yao Yuan mit 17 Punkten benotet.

Am Ende bedankte sich Kulturamtsleiter Houben bei allen Teilnehmern und gab dem Wunsch Ausdruck, dass dem ersten Geilenkirchener Klaviersommer in den nächsten Jahren noch viele weitere folgen sollten.

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