Übach-Palenberg - Futsal: Filigrantechniker schlagen die Kampfschweine

Futsal: Filigrantechniker schlagen die Kampfschweine

Von: Markus Bienwald
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Schnelle Spiele, beinahe keine Zweikämpfe mit Körperkontakt und ein Ball, der besser fliegt als springt, das macht Futsal als Hallenfußballvariante sehr attraktiv. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Ohne die Mädels läuft hier nix“, sagt Uwe Schermuly. Und er packt auch gleich mal mit an, räumt leere Kaffeebecher auf, klappt die Mülltonne auf, um gebrauchte Servietten und Pappteller wegzuräumen. Er ist einer der wenigen, die sich beim jüngsten Futsal-Hallencup des VfL Übach-Boscheln vor und hinter den Kulissen engagierten

Die eingangs erwähnten Mädels sind die Damenmannschaft der Boschelner, die sich gerne bereit erklärten, beim Hallenturnier des Fußballverbandes Mittelrhein (FVM) anzupacken. „Gäbe es den freiwilligen Einsatz der Mädels nicht, würde das Turnier nicht stattfinden“, weiß auch Jugendleiterin Roswitha Weidenhaupt.

Das wäre ausgesprochen schade, denn was während Uwe Schermulys Aufräum-Aktion in der Mehrfach-Turnhalle des Carolus-Magnus-Gymnasiums (CMG) in der Otto-von-Hubach-Straße stattfindet, ist ein Hallenkick vom Feinsten. Dabei ist das kein Fußball, was gespielt wird, sondern Futsal, eine Variante, die schon beim Zugucken Lust darauf macht, gegen den Ball zu treten. Während beim Fußball in der Halle sonst ein filzbezogener Ball auch über Banden im Spiel gehalten wird, sind die Futsal-Bälle viel kleiner. Die von manchen Grobmotorikern und einigen Feinfußballern sehr geschätzte Bandenfunktion der hinteren Wand, dort, wo sonst die großen Tore mit den Turngeräten verstaut sind, fällt weg. Vielmehr müssen die kleineren und mit rund 20 Gramm Mehrgewicht gesegneten und so mit dem entscheidenden Mehr an Trägheitsmoment gesegneten Bälle wie draußen auf dem Platz gehalten werden.

Passiert das nicht, entscheidet einer der beiden Schiris, die es pro Seite gibt, auf „Aus“. Die rote Linie des Außenfeldes darf nicht überschritten werden, der trägere Ball „klebt“ dafür aber besser am Fuß. Das fordert in der Tat die Techniker im Kickerdress, die mit Kehrtwenden gerne mal zeigen, was sie können. Dennoch gibt es auch die Szenen, in denen der Ball einfach nur gedroschen wird, und er später im Netz zappelt.

Für noch mehr Tempo in den vom Passen lebenden Futsal-Spiel sorgt die Vier-Sekunden-Regel, die verlangt, dass ein Spieler den Ball abgeben muss, sonst wird abgepfiffen. Eine Begegnung dauert nur 15 Minuten. Ein paar Regeln sind also schon anders bei dieser übrigens auch offiziell vom Weltverband FIFA anerkannten Hallenfußballvariante. Torwart-Abstöße über die Mittellinie sind erlaubt, Körperkontakt hingegen weniger. Da schauen die Schiris ganz genau hin. „Fünf Fouls mit Freistoß geben einen Elfer“, erklärt Boschelns Top-Schiri Jan Jansen, ehe er zum nächsten Einsatz an die Seitenlinie spurtet.

Die Herren mit der Pfeife haben beim Turnier des VfL Übach-Boscheln aber nicht nur die Spieler auf dem Platz genau im Blick. Während einer spannenden Partie können ein paar Herren sich verbal nicht gegenüber einem Referee im Zaum halten. Der pfeift das Spiel in eine Zwangspause und informiert die Turnierleitung. Letztere lässt die Heißsporne mal eben kurz aus der Halle entfernen, und der Spaß beim Zugucken darf weitergehen.

Schnelle Ballwechsel, spannende, aber wegen besagter Foulregel sehr faire Zweikämpfe, sowie packende Wettkämpfe, die wie beim Basketball die letzten Sekundenbruchteile nutzen, sind hier angesagt. Aber wie schon erwähnt: ohne die Mädels wäre das vergangene Wochenende Futsal-frei geblieben. „Darüber sollte man mal nachdenken, denn schließlich ist so ein Turnierwochenende auch mit unendlich viel freiwilligem Einsatz verbunden“, fand Roswitha Weidenhaupt.

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