Futsal: Ein Spiel für Filigrantechniker

Von: Markus Bienwald
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Während der kleine, schwere Ball übers Feld fliegt... Foto: mabie Foto: mabie
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...stimmt Coach Dirk Colling sein Team ein. Foto: mabie
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Monika Gerards und Marlies Wahlert sehen zu. Foto: mabie Foto: mabie

Übach-Palenberg. Es wurde auch Zeit, dass es mal eine sagt. „Es gibt überhaupt nichts Schöneres an einem Samstag“, sagt Monika Gerards – aus Überzeugung. Gemeint ist der Kampf zweier Teams mit dem Fuß um das runde Leder. Während gemeinhin nur Herren nachgesagt wird, dass sie diese wunderschöne Nebensache schon mal zur Hauptsache machen, ist Monika Gerards von der Mutter zum Fan geworden. Ihr Sohn Kai ist Torwart beim VfL 08 Vichttal. Und Kais Mutter besucht jedes Spiel, macht Notizen, feuert an, leidet und siegt mit den Jungs.

Doch heute ist etwas anders. Nicht bei Monika Gerards oder Marlies Wahlert, die ihrem Enkelsohn Kevin bei jedem Match die Daumen hält. Sondern auf dem Platz. Denn während sonst in der Halle ein filzbezogener Ball auch über Banden im Spiel gehalten wird, sind bei diesem sogenannten Futsal-Turnier kleinere Bälle im Einsatz, die an allen Seiten ins Aus gehen können.

Doch nicht nur das Spielgerät, das in die brasilianischen Nationalfarben gehüllt ist, ist anders, kleiner und auch rund 20 Gramm schwerer. Zwei Schiris sind zu sehen, die jeweils eine Linie im Blick haben. Genauer gesagt die Linien des Handballfeldes, das in dieser Halle natürlich per roter Linie gekennzeichnet ist. „Soviel ich weiß, haben wir heute eine Premiere“, sagt Jan Jansen vom VfL Übach-Boscheln als Ausrichter des Turniers, „denn ich glaube,es ist das erste Futsal-Turnier im Kreis.“

Stolz ist Jansen darauf, aber er ist auch schwer im Einsatz. Denn gleich sechs Teams stehen in schweißtreibenden Jeder-gegen-Jeden-Matches auf dem Platz. Und dort geht es vor allem um eins: Tempo. Schnell fliegt der Ball, der durch sein höheres Gewicht weniger springt, aber mehr beschleunigen kann, von einem Tor zum anderen. Torwart-Abstöße über die Mittellinie sind erlaubt, Körperkontakt hingegen weniger. Da schauen die Schiris ganz genau hin.

Und auch Trainer Dirk Colling passt auf. Denn er weiß, was beim Futsal, einer übrigens offiziellen Hallenfußballvariante der Fifa, so anders ist. „Erstmal gibt es eine Zeitbegrenzung, die besagt, dass ein Spieler innerhalb von vier Sekunden abspielen muss, sonst wird abgepfiffen“, weiß Colling. Das sorgt schon für Tempo, bevorzugt allerdings auch technisch versierte und schnelle Spielernaturen. „Aber auch die taktischen Möglichkeiten sind größer“, erklärt er weiter.

Sonst werde in der Halle gerne das alte Spiel „hinten reinstellen und gucken, was passiert“ gespielt, beim Futsal sei das anders. „Technische Spieler, die klein und wendig sind und auf dem normalen Platz weniger Chancen haben, sind beim Futsal in ihrem Element.“

Zwar weiß er aus Erfahrung, dass den Jungens die Halle immer besonders viel Spaß macht. Aber Futsal, das ist nochmal was anderes und fordert richtig heraus. Beim Turnier in Übach-Palenberg, das übrigens ein Zwischenrundenturnier des Fußballverbandes Mittelrhein für C-Junioren ist, bedeutet die Teilnahme auch, dass selbst Spielpausen keine Zeit für Muße lassen.

Zusehen ist Pflicht, schließlich müssen alle Teams gegeneinander ran. Und das Zugucken ist beim Futsal wirklich ein Spaß. Wer sich daran gewöhnt hat, dass mit Linien, Einkicks statt Einwürfen und direkten Freistößen gespielt wird, findet schnell Gefallen am Geschehen. Schnelle Ballwechsel sind aber nur das Eine. Denn Fairness wird beim Futsal auch groß geschrieben. So zitiert die Regel, dass nach fünf Foulspielen, die einen direkten Freistoß zur Folge haben, die jeweils Gefoulten einen Strafstoß bekommen, eine auch auf dem Bolzplatz gern genutzte Regeln.

So bleiben körperbetonte Zweikämpfe die Ausnahme, auch Karten werden nur wenig oder gar nicht gezogen, schließlich will sich ja keiner einen Elfer fangen. Der ist übrigens ein Zehner, denn aus nur zehn Metern Entfernung steht dem Schützen ein Handballtor so offen, wie der Keeper es zulässt.

Am Ende durften Marlies Wahlert und Monika Gerards übrigens ein paar Mal jubeln. So wird der schönste Zeitvertreib erst eine richtig runde Sache.

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