Fußball nach Gehör: ein Sport für Profis

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
14507240.jpg
Die ersten Schritte im Blindenfußball sind geprägt von der Suche nach dem Ball. Dies durfte der Nachwuchs des SV 09 Scherpenseel beim Familientag ausprobieren und hatte viel Spaß dabei. Foto: Dettmar Fischer
14507241.jpg
Ein gutes Dribbling und den Ball eng am Fuß: Das kennzeichnet einen Bundesligaspieler im Blindenfußball wie Daniel Hoß.
14506321.jpg
Die ersten Schritte im Blindenfußball sind geprägt von der Suche nach dem Ball. Dies durfte der Nachwuchs des SV 09 Scherpenseel beim Familientag ausprobieren und hatte viel Spaß Foto: Dettmar Fischer
14506328.jpg
Profi

Übach-Palenberg. „Mirja wurde getunnelt“, rief einer aus der gegnerischen Kurve, als der Ball durch Mirjas Beine ins Tor klickerte. „Aber ich kann doch nix sehen,“ rief Mirja pikiert zurück. Tja, so ist das nun mal beim Blindenfußball. Eine Kostprobe, wie Blindenfußball geht, erlebten die Nachwuchskicker der D-, C- und A-Jugend des SV 09 Scherpenseel beim Familientag am Scheleberg im Rahmen der Telekom-Aktion „Neue Sporterfahrung“ für Nachwuchsfußballer.

Auch die Großen des SV legten mal probehalber die Brille an, die den Sehenden zum Blinden macht. Und da sahen auch die erfahrensten Vollblutfußballer erst einmal ziemlich alt aus.

Carsten Kornetka ist der Jugendwart des SV. Seine ersten Spielversuche als Blindenfußballer schilderte er so: „Es ist ein Erlebnis. Man muss sich ganz auf sein Gehör konzentrieren.“ Und er gesteht: „Den Ball habe ich getroffen, aber das Tor nicht.“

Tipps vom Profi

Wie das Gehör eines trainierten Blindenfußballers arbeitet, zeigte Daniel Hoß. Hoß, seit seiner Geburt blind, erlebte die Anfänge des Blindenfußballs in Deutschland mit. Heute spielt der gelernte Industriekaufmann in der Blindenfußball-Bundesliga beim PSV Köln. In Scherpenseel gab er eine Kostprobe seines Könnens, hielt sich bei den Spielen der Nachwuchs-Blindenkicker aber netterweise im Hintergrund.

Metallplättchen und Kügelchen in den speziellen Fußbällen der Blindensportler erzeugen beim Rollen des Balles ein Rassel-ähnliches Geräusch, das dem Spieler die Orientierung zum Ball ermöglicht. Wie Hoß es aber anstellte, genau in dem Moment, als der Ball in Schussweite gelangte, auch zu schießen, das blieb wohl den meisten am Spielfeldrand verborgen.

Der Schuss ging dann nämlich so präzise ins Tor und auch durch Mirjas Beine, als hätte da einer genau gezielt. Hatte er wohl auch, aber halt irgendwie anders.

Schuss per Zuruf

Hinter dem Tor war jeweils ein Tor-Guide oder „Caller“ der angreifenden Mannschaft postiert, der gucken durfte und seiner Mannschaft Kommandos zurief. „Los, los, los“, sollte wohl heißen, dass etwas mehr Dynamik ins Spiel kommen sollte, denn meist knubbelte sich die Truppe auf einem Haufen, so wie es bei ganz kleinen Kickern hin und wieder vorkommt. Die Telekom hatte John Vella hatte als Betreuer mitgeschickt. Er pfiff die fair ausgetragenen Spiele – ohne Brille. Blindenfußball soll eigentlich ein körperloses Spiel sein. Es sei denn, man hält das Schienbein des Gegners für den Ball. Das ist dann aber nur ein Versehen und keine Absicht. Fabian Buchholz, 2. Vorsitzender des SV 09 Scherpenseel: „Das ist eine ganz große Sache. Es ist eine tolle Erfahrung für unsere Jugend in Scherpenseel zu erleben, wie man mit einer Behinderung im Alltag umgeht.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert