Übach-Palenberg - „Fundsachen“: Ein mysteriöser Ford und zwei leblose Körper

„Fundsachen“: Ein mysteriöser Ford und zwei leblose Körper

Von: Markus Bienwald
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Überbordende Details und der Spaß am Lokalen standen auch bei der Premierenlesung zu Kurt Lehmkuhls neuestem Krimi „Fundsachen“ im Schloss Zweibrüggen ganz oben auf der Liste. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Dass es so eng und kuschelig werden könnte, hatte Kurt Lehmkuhl vermutlich nicht gedacht. Wohl aber dürfte er von dem großen Interesse an der Premierenlesung seines mittlerweile 20. Krimis zumindest geahnt haben.

Und so mussten Martina Waliczek und ihr Team kurz vor dem Startschuss in das neue Abenteuer von Lehmkuhls Figur Rudolf-Günther Böhnke noch ein paar Stühle in das Kaminzimmer von Schloss Zweibrüggen schleppen, ehe es mit dem Krimivergnügen losgehen konnte.

Dass Böhnke – seinem Erfinder nicht unähnlich – trotz des Ruhestandes eher zur wohlgeordneten Unruhe neigt, aber dennoch nach eigenem Bekunden mit größerer Distanz dem Geschehen rund um seinen früheren Job als Kriminalkommissar begegnet, sorgte für eine reizvolle Mischung, die sich in Lehmkuhls jüngstem Werk „Fundsachen“ in vielerlei Hinsicht positiv niederschlug. Und natürlich war es eine herrliche Angelegenheit, zu spüren, dass der bestens aufgelegte Autor an diesem Abend nicht nur seine Antenne für Lokales weit ausgefahren hatte.

Eine Fülle von Details

Spätestens mit dem Satz „Wenn man in Übach-Palenberg groß wurde, gab es am Wochenende nur zwei Ausflugsziele: Hariksee oder die Eifel“, hatte er die Leute am Haken, auch wenn sie vielleicht nicht aus der Stadt stammen. Mit einer gelungenen Mischung aus Vorlesen und nahtlosem Erzählen begeisterte er die Zuhörer.

Dabei war der sorgsam aufgebaute Tisch vor ihm eher arm an Fundsachen: ein mobiles Telefon als Zeitgeber, eine kleine Auswahl früherer eigener Werke, ein aktuelles Buch mit anderen Autoren, zwei Stifte, ein kleiner Notizzettel und ein stilles Glas Wasser neben dem neuen Buch.

Doch wie klar der Blick durch die frisch geputzte Brille auch im schriftstellerischen Sinn sein kann, das erkannten die Zuhörer schon ein paar Sätze später. Lehmkuhl schaffte es, seine Zuhörer mit einer Fülle von Details zu verwöhnen, ohne den Blick für das Ganze, für die Geschichte und den Fluss zu verlieren. Dabei spielen die titelgebenden Fundsachen natürlich eine entscheidende Rolle, oder wieder auch nicht.

Da ist zum einen der alte, seit kurzem offensichtlich fahruntüchtige Ford Scorpio, der im Eifeler Niemandsland zwischen Deutschland und Belgien geparkt ist, und dem zunächst niemand wirklich Beachtung schenkt. Bis ein lebloser Körper im Hohen Venn entdeckt wird, der vielleicht im Zusammenhang mit dem mysteriösen deutschen Großauto stand und dem per Gewehrschuss das Leben genommen wurde. Aber da gibt es noch ein Fundstück der besonderen Art, Schmitze Billa nämlich. Die 92-Jährige, von Lehmkuhl so herrlich unprätentiös und dennoch lebensecht beschrieben, machte in einem Haus im Freilichtmuseum von Kommern ihren letzten Atemzug, ganz so, als wolle sie sich in dem Haus, das sich als ihr Geburtshaus herausstellt, neben den Wachsfiguren in die Dauerausstellung integrieren.

Ob diese Handlungsstränge, die Lehmkuhl spannend, witzig und mit dem herrlich prallen Farbkolorit darstellt, zu viel werden für den Protagonisten Rudolf-Günther Böhnke, sollte dem Leser selbst überlassen werden. Sicher war aber, dass Lehmkuhl es mit der auf den ersten Blick simplen Ausgangslage von zwei Toten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, außer ihrer letzten Ruhestätte in der Eifel, schaffte, die Menschen ruckzuck in eine dichte Krimistory zu verwickeln. Dass ihm dabei sein erklärtes Lieblingsörtchen Huppenbroich als Schauplatz mit all seiner Verschrobenheit, aber auch geradlinigen Ehrlichkeit wieder einmal eine herrliche Kulisse abseits der Großstadtkrimis bot, kam dem Stoff nur zugute.

Dass Lehmkuhl immer Lehmkuhl bleibt und sich selbst in der „Nacht der Bibliotheken“ und bei der ersten Lesung für Erwachsene vom Kulturamt der Stadt im Schloss Zweibrüggen immer treu blieb, überraschte nicht. Wohl aber, wie es der geniale Schreiber schafft, auf der Grundlage einer einfachen, zwar zeitlich etwas zurückliegenden, aber real existierenden Zeitungsmeldung einen Krimi der Extraklasse zu entwickeln. Und mit dem Beifall des Publikums konnte es für diese außergewöhnliche und ausgesprochen einladende Premierenlesung von Lehmkuhl nur ein Urteil geben: Chapeau!

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