Übach-Palenberg - Frühlingsstrauß virtuoser Klänge: Meisterkonzert von Nina Tichman

Frühlingsstrauß virtuoser Klänge: Meisterkonzert von Nina Tichman

Von: Joachim Peters
Letzte Aktualisierung:
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Unter dem Titel „Faszination - Spiel der Tasten” gastierte Professor Nina Tichman mit einem großartigen Klavierkonzert im Schloss Zweibrüggen.

Übach-Palenberg. Die Hoffnung auf Sonnenstrahlen im windigen, regnerischen Vorgarten von Schloss Zweibrüggen hatte sich längst zerschlagen. Da weckten Klavierklänge im Innern von Übach-Palenbergs „guter Stube” die Musikfreunde zu frühlingshaftem Optimismus.

Die durch warmherzige Ansprache, persönliche Ausstrahlung und virtuose Musik einladende Frühlingsbotin war aus Köln nach Übach-Palenberg gekommen und ist eine Pianistin von Weltruf: Nina Tichman. Gerne kam sie der Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule und des Vereins „Freunde der Kammermusik in Übach-Palenberg” nach.

Früchte der Förderung

Letzterer erntete damit zum Abschluss der Konzertreihe 2009/2010 Früchte einer langjährigen Förderung der Pianistin Marika Asatiani. Die junge Georgierin ist Studentin der Kölner Professorin Nina Tichman. Als Vermittlerin des Meisterkonzerts weilte Marika Asatiani mit ihrer aus dem Kaukasus angereisten Mutter und Schwester im Publikum. In gefühlter Nähe zu niedergelegten Bergbaugruben und hörbarer Nachbarschaft zu den Zuggleisen wehte ein Hauch von kunstsinniger Internationalität durch das Schloss Zweibrüggen.

Gute Interpretationen von Schuberts Klaviersonaten waren schon oft zu erleben. Die Darbietung der Sonate Es-Dur opus 122 durch Nina Tichman nimmt da allerdings eine Sonderstellung ein. Wohl nur der Dreiklang von geistiger Durchdringung des Werkes sowohl künstlerischem und persönlichen Erfahrungsschatz ließ jene Töne hörbar werden, welche den gesamten Klang- und Gefühlskosmos Schuberts ausloteten: eine von jeder Rührseligkeit freie Sentimentalität, eine den Lebensabgründen trotzende heitere Leichtigkeit und vor allem auch eine virtuose Kraft, die Schubert in die Nähe des von ihm hochverehrten Ludwig van Beethoven rückt.

Und Nina Tichman arrangierte weiter an ihrem vielfarbigen musikalischen Frühlingsstrauß. So, als bedürfe es hierzu keiner Anstrengung, verließ sie die deutsche Romantik und war schon bei Frédéric Chopins Polonaise-Fantasie opus 61 angekommen. Die US- Amerikanerin verstand es meisterhaft, das Werk bei aller komplexen Struktur und Harmonik sowohl transparent sowie mit starker Suggestiv-Kraft wiederzugeben.

Kann man den ersten Programmteil als „Erwachen der Frühlingsgefühle” bezeichnen (Musik der Romantik), so den zweiten als „Erblühen der Frühlingsblumen” (Musik des Impressionismus). „Danse, Valse romantique und Mazurka” wiesen Nina Tichman als von der Fachwelt gewürdigte führende Debussy-Interpretin aus. In den „Valses nobles et sentimentales” von Maurice Ravel arbeitete die Pianistin mit Sorgfalt die Schönheit eines Werkes aus, dessen Reiz in feinsinnigen Details liegt.

Nicht anders als „feinsinnig” darf man in diesem Zusammenhang auch die von Nina Tichman vorgenommenen Programmverknüpfungen bezeichnen: Ravel wurde von Debussy beeinflusst, aber speziell in den „Valses nobles et sentimentales” auch inspiriert von Franz Schubert und seinem gleichnamigen Zyklus.

Doch damit der Verknüpfungen nicht genug: Nahtlos fügte Nina Tichman dem Ravel-Werk dann Teile aus der (wiederum von Debussy gefeierten) „Iberia-Suite” von Isaac Albeniz an. Das virtuose Meisterwerk galt noch einige Jahre nach seiner Entstehung als unspielbar.

Nun, Nina Tichman spielte es in Übach-Palenberg, rundete ihren „Frühlingsstrauß” ab - und band ihm mit der Zugabe noch eine schöne Schleife um. Langanhaltender, Herzlichkeit zurückgebender und überaus verdienter Beifall schloss sich an.
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