Friedhofsdiebstähle: „Die Pietät mit Füßen getreten“

Von: Robert Baumann
Letzte Aktualisierung:
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Mehrere Gegenstände sind auf dem Friedhof in Teveren von den Dieben offensichtlich für einen späteren Abtransport deponiert worden. Insgesamt 40 bis 50 Gräber wurden beschädigt und geplündert.
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Mehrere Gegenstände sind auf dem Friedhof in Teveren von den Dieben offensichtlich für einen späteren Abtransport deponiert worden. Insgesamt 40 bis 50 Gräber wurden beschädigt und geplündert.

Geilenkirchen-Teveren. Diese Tat hat in Teveren Zorn und Fassungslosigkeit hervorgerufen: Auf dem Friedhofen haben Diebe Blumenvasen, Grablampen und andere Mitallgegenstände gestohlen. „Hier wurde die Pietät mit Füßen getreten“, sagt Ortsvorsteher Hans Josef Paulus. „Selbst auf dem Friedhof gibt es keine Ruhe mehr.“

In der Nacht von Montag auf Dienstag haben Unbekannte auf dem Friedhof an der Müncherather Straße von zahlreichen Gräbern Blumenvasen, Grablampen und andere Metallgegenstände gestohlen. 40 bis 50 Gräber seien betroffen, berichtet Armin Kaumanns, Leiter des Ordnungsamts Geilenkirchen.

Auch von dem Grab der Eltern von Ortsvorsteher Paulus wurde eine Vase entwendet. „Ich bin schockiert. Manchen Leuten scheint nichts mehr heilig zu sein“, sagt Paulus. Zudem könnten sich manche Familien keine größeren Ausgaben leisten. „Eine Grablampe kostet zwischen 200 und 300 Euro“, so der Ortsvorsteher. Und auch von dem Grab der toten „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken soll nach Informationen unserer Zeitung eine Lampe entfernt worden sein.

Die Stadt wird auf die Vorkommnisse reagieren. „Wir werden auf jeden Fall Anzeige wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung erstatten“, so Kaumanns. „Vandalismus in diesem Ausmaß haben wir länger nicht gehabt. Das ist kein Dummejungenstreich, sondern organisierter Diebstahl.“ Mehrere Angehörige haben ebenfalls Anzeige erstattet.

Der oder die Täter sind bei ihrem Diebstahl auf dem Friedhof in Teveren vermutlich gestört worden. Denn während verschiedene Teile mitgenommen wurden, sind andere Gegenstände offensichtlich für einen späteren Abtransport auf dem Gelände deponiert worden.

Erst in der vergangenen Woche beschädigten und plünderten Diebe rund 80 Gräber auf den Friedhöfen im Linnicher Ortsteil Gereonsweiler und in Hückelhoven-Brachelen. In Gereonsweiler hatten es der oder die Täter ebenfalls auf Grablampen oder Vasen abgesehen, die herausgerissen oder von ihren Sockeln getreten wurden.

Auch in diesem Fall wurde der größte Teil aber auf dem Friedhof zurückgelassen. In Hückelhoven rissen die Täter vergangene Woche zwischen Mittwoch, 16 Uhr, und Donnerstag, 10.30 Uhr, an mehreren Gräbern die Grableuchten heraus und versteckten sie auf dem Friedhofsgelände. Außerdem wurden an verschiedenen Grabstellen Leuchten, Vasen und Figuren beschädigt.

Ob es Zusammenhänge zwischen den Taten gibt, kann Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken nicht beurteilen. „Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass es sich um ein und dieselbe Bande handelt.“ Derzeit prüfe die Polizei diese Möglichkeit. Eine Spurensuche gestalte sich auf einem Friedhof aber oftmals nicht leicht. „Im Gegensatz zu einem Wohnungseinbruch ist es deutlich schwieriger, Spuren zu sichern.“

Sollten die Täter gefasst werden, droht ihnen eine Anklage wegen Diebstahls und Störung der Totenruhe. Von einer Geld- bis hin zu einer Freiheitsstrafe ist dann alles möglich. Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise, die zu den Tätern oder dem Verbleib der gestohlenen Gegenstände führen. Zuständig ist das Kriminalkommissariat in Geilenkirchen, Telefon 02452/9200.

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