Freiwillige Feuerwehr: Immer mit einem Ohr am Piepser

Von: Annika Kasties
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Immer in Bereitschaft: Die Freiwillige Feuerwehr Geilenkirchen besteht aus zehn Löscheinheiten. Jede Einheit verfügt über seine eigenen Einsatzkräfte und Fahrzeuge. Foto: Annika Kasties
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Seit 1972 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchen: Stadtbrandinspektor Michael Meyer

Geilenkirchen. Wenn der Ernstfall eintritt, dann muss die Freiwillige Feuerwehr Geilenkirchen schnell sein. Innerhalb von acht Minuten sind die Mitglieder am Einsatzort.

Natürlich kann Michael Meyer auch ausspannen. Familienfeiern und gesellige Runden mit Bekannten lässt sich er nicht nehmen. Doch wenn ihm Freunde von ihren Erlebnissen berichten, dann ist ein kleiner Teil seiner Aufmerksamkeit immer auch auf den kleinen Piepser gerichtet, den er stets bei sich führt. Schließlich könnte der durchdringende Ton jederzeit losgehen, ob beim Mittagstisch, auf der Arbeit oder mitten in der Nacht.

„Ein Feuerwehrmann ist ständig in Alarmbereitschaft“, sagt der 60-Jährige. Und er muss es wissen. Meyer ist seit 1972 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Geilenkirchen und seit 19 Jahren als deren Leiter tätig. Eine lange Zeit, in der das blitzartige Aufspringen, Umziehen und Zur-Rettungswache-Hasten, sobald der Signalton ertönt, fast schon Routine geworden ist.

Wenn es um Leben und Tod geht, muss es schnell gehen. Gerade einmal acht Minuten darf die Feuerwehr benötigen, um mit neun Feuerwehrkräften dort anzukommen, wo ihre Hilfe dringend benötigt wird. So gibt es die Bezirksregierung Köln für sogenannte zeitkritische Einsätze vor, berichtet Meyer. Die Frist richte sich nach Studien, die ermittelt hätten, wie lange ein Mensch in einem verrauchten Raum überleben könne.

„Zeitkritisch“, das seien jene Einsätze, die dem Stadtbrandinspektor und seinen Kollegen den Puls in die Höhe treiben. Wenn zum Beispiel ein Wohnungsbrand ausgebrochen oder Personen nach einem Verkehrsunfall in einem Auto eingeklemmt sind. Wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen.

Der Anruf bei der Notrufnummer 112 löst eine Kettenreaktion im Schnellverfahren aus. Ein Notruf, der im Kreis Heinsberg getätigt wird, landet bei der Leitstelle in Erkelenz. Diese ist rund um die Uhr mit mehreren Feuerwehrleuten besetzt, den sogenannten „Leitstellendisponenten“, erklärt Meyer. Noch während der Anrufer den Notfall telefonisch durchgibt, wird in der Einsatzzentrale Alarm ausgelöst. Die Art des Notrufs entscheidet, welche Löscheinheit alarmiert wird – und vor allem wie viele Einheiten.

Es ist dieser Moment, der Meyer und seine Kollegen blitzartig in Bewegung versetzt. Die neun Feuerwehrkräfte, die bei kritischen Einsätzen innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein müssen, sind eine Führungskraft, ein Fahrer, drei Feuerwehrleute und vier Feuerwehrmänner und -frauen, die dazu ausgebildet sind, Atemschutzgeräte in verrauchten Räumen zu tragen.

Während die Freiwilligen sich um die Verletzten kümmern und bei einem Brand den Löschvorgang vorbereiten, sind weitere Kräfte unterwegs. 13 Minuten nach Eingang des Notrufs sollten insgesamt 22 Kräfte vor Ort sein. So fordert es die Bezirksregierung. Und das leiste die Freiwillige Feuerwehr in 80 bis 85 Prozent aller Fälle, beteuert Meyer.

Bezahlt werden die Männer und Frauen in Geilenkirchen dafür nicht. Sie übernehmen die Verantwortung freiwillig und gehen ihrem regulären Beruf nach. Eine hauptamtliche Feuerwehr gibt es in Geilenkirchen nicht. Um den Forderungen der Bezirksregierung an eine leistungsstarke Feuerwehr trotzdem nachzukommen, werden bei einem Notruf mehrere Löscheinheiten alarmiert.

Denn auch wenn sich die Männer und Frauen laut Meyer immer bemühen, ihre Aufgaben und Pflichten den Bürgern gegenüber zu erfüllen: „Wir können nie davon ausgehen, dass alle ihren Arbeitsplatz verlassen können.“

Die Freiwillige Feuerwehr Geilenkirchen besteht aus zehn Löscheinheiten und verfügt über 240 Einsatzkräfte. Hinzu kommen 38 Jugendfeuerwehrleute und 90 Mitglieder der Ehrenabteilung. Sie nehmen aus Alters- beziehungsweise gesundheitlichen Gründen nicht mehr an Einsätzen teil.

Darüber hinaus besteht die sogenannte Verwaltungsstaffel aus acht Personen, die in der Verwaltung der Stadt beschäftigt sind und die die Feuerwehr während der Dienstzeiten der Verwaltung in zeitkritischen Einsätzen unterstützen.

Einsätze, bei denen es um Leben und Tod gehe, seien für die Freiwilligen in Geilenkirchen „Gott sei Dank kein alltägliches Ereignis“, sagt Meyer. Zu ihrem Alltag gehöre auch die Katze, die nicht mehr aus dem Motorraum finde, die verletzte Taube auf dem Dachsims oder das Kind, dessen Kopf im Treppengelände stecke.

Manchmal werde es auch richtig skurril, meint Meyer und kann ein Lachen nicht unterdrücken. Details wolle er aber nicht verraten. Die Beteiligten würden sonst sofort merken, dass von ihnen die Rede sei.

Nur so viel sagt der Stadtbrandinspektor: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“

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