Gangelt-Schierwaldenrath - Freie Fahrt für die kleinen Dampfloks

Freie Fahrt für die kleinen Dampfloks

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Alles funktioniert, und es qua
Alles funktioniert, und es qualmt sogar. Da freut sich das Kind im Manne. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Schierwaldenrath. Man stelle sich vor, draußen schnauft eine der Dampflokomotiven der Selfkantbahn vorbei und keiner sieht wirklich hin. In der Museumshalle wiederum stehen bei bestem Wetter einige Dutzend Männer und schauen ebenso sehnsüchtig wie begeistert auf Modelleisenbahnen im Maßstab 1:22,5, sogenannten LGB-Modellen.

„Hab´ ich Durchfahrt”, ruft einer der Männer - es waren scheinbar ausschließlich Männer, die für den Fahrbetrieb der zahlreichen Anlagen verantwortlich waren. Seine Frage dreht sich um eine freie Strecke für seine relativ große Dampflok, die er nun endlich auch einmal fahren lassen möchte. „Geht”, lautet die knappe Antwort irgendwo aus der Halle, und Sekunden danach nimmt das Unglück seinen Lauf.

Gegen den Prellbock

Er, der Durchfahrtsucher, hat nämlich die gleiche Frequenz auf seiner Fernsteuerung eingestellt, wie der Kollege eine Modellanlage weiter, der seine ebenso große Lok auf dem Abstellgleis abgestellt hat und draußen in der Sonne eine Zigarette raucht. Die eine Lok startet, die andere, die unbeaufsichtigte auf dem Abstellgleis, donnert in den Prellbock. „Aber ich habe doch die Lokadresse eben durchgerufen”, meint der „Geschädigte” mit deutlich schweizerischem Akzent. Er komme aus Bern, erzählt er und fügt hinzu, dass er oft bei der Selfkantbahn zu Gast sei.

Die Klein-Eisenbahner schauen sich viel von den Originalen ab. So ist es nicht verwunderlich, dass beim LGB-Spaßbahnertreffen in Schierwaldenrath dauernd Fotoapparate klicken, die auch jedes noch so winzige Detail auf den liebevoll gestalteten Anlagen, beziehungsweise die Feinheiten an Lokomotiven festhalten.

Die Bilder tauchen dann nicht selten in den heimischen Hobbykellern auf, wo sie als Vorlage oder Anregung für die eigene Anlage dienen. Einer von diesen Selbstbauern ist Ralph Reppingen aus Nörvenich, der die Dampflokomotiven in der eigenen Werkstatt herstellt und seine Werke auf einer Anlage vorführt, die der Euskirchener Kreisbahn, die 1965 ihren Betrieb einstellte, nachgebaut wurde. Feuerzeuggas dient hier als Brennmittel, der Kessel hält drei Bar aus und entwickelt die Kraft, die nötig ist, auch Züge mit vielen Wagen zu ziehen.

Aus zehn unterschiedlichen Modulen bestand die größte Anlage, die am Wochenende gezeigt wurde.

Da die zehn Besitzer sich aber kennen und immer wieder zusammen arbeiten, dauert der Aufbau nur rund drei bis vier Stunden. „Wenn die Herren denn alle pünktlich sind”, hieß es aus dem Kreis der Männer, die alle auf einen aus ihrer Mitte blickten.

Der eine oder andere Gast der Selfkantbahn wird an diesem Tag seinen Zug verpasst und bei den Modellbauern die Zeit vergessen haben. Das war nicht weiter schlimm, denn auch im Maßstab 1:22,5 gab es Lokomotiven und Wagons des großen Vorbildes in der Halle zu sehen. Irgendwo wird ein Kind seine Playmobil-Eisenbahn vermissen. Für den Kleinen unglücklicherweise, für den Vater zur Freude, hatte die nämlich die gleiche Spurweite wie die LGB-Bahn und wurde professionell umgebaut und elektronisch angepasst, so dass die bunte Eisenbahn bestückt mit diversen Playmobilfiguren jetzt im Reigen der durchweg schwarzen Dampfbahnen mitfahren konnte.
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