Französische Besatzung: Auf der Suche nach Branntwein für Soldaten

Von: Johannes Gottwald
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Der stattliche Eidens-Hof in Frelenberg wurde vermutlich in der Zeit der Befreiungskriege errichtet. Viele Häuser im Stadtgebiet von Übach-Palenberg wurden im Januar 1814 von durchziehenden russischen Truppen in Beschlag genommen – die einheimische Bevölkerung musste für ihre Verpflegung aufkommen. Foto: Gottwald

Übach-Palenberg. Wer in den Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung Gelegenheit hatte, die Stadt Leipzig zu besuchen, wird dabei auch einen Blick auf das berühmte Völkerschlacht-Denkmal geworfen haben. Das gewaltige Monument erinnert an die bis dahin wohl größte militärische Konfrontation der europäischen Geschichte. Auch in Übach-Palenberg gibt es davon Zeugnisse.

Etwa eine halbe Million Soldaten aus vielen Nationen waren daran beteiligt. Der Ausgang der dreitägigen Schlacht (vom 16. bis 18. Oktober 1813) hatte Auswirkungen von großer Tragweite: Die französische Niederlage führte zum Ende der napoleonischen Herrschaft über Deutschland.

Zwar machten die siegreichen Großmächte Russland, Preußen und Österreich den Franzosen noch ein Friedensangebot – in den Grenzen vor der Revolution (1789) hätte Napoleon Kaiser bleiben können. Aber der „Empereur“ forderte immer noch, dass die linke Rheinseite französisch bleiben solle. Das wollten die Alliierten auf keinen Fall hinnehmen und setzten darum den Krieg fort.

600 Mann einquartiert

In den ersten Januartagen des Jahres 1814 überquerten preußische und russische Truppenverbände den Rhein – und damit endete auch in unserer Region die 20-jährige französische Fremdherrschaft. Für die Bevölkerung war diese Befreiung allerdings mit vielen Unannehmlichkeiten verbunden, wie der damalige Übacher Bürgermeister Johann Josef Schnitzler in seinen erhaltenen Aufzeichnungen festgehalten hat:

„Am 16. Januar zogen sich die Franzosen aus unserer Gegend, gedrängt durch das russische Armeekorps unter dem General Winzigenroede, über die Maas zurück. In der Nacht vom 21. auf den 22. Januar hatte die Gemeinde ca. 600 Mann russische Truppen einquartiert, welche unerwartet mit allem verpflegt werden mussten, wodurch aber der höchst unangenehme Umstand entstand, dass nicht genug Branntwein vorrätig war und manche Einwohner während der Nacht nach anderen Dörfern laufen mussten, um diesen zu beschaffen, indem desselben übermäßig getrunken wurde.“

Die Landwirte geschröpft

Nach dem Abzug dieser ersten Truppen folgten im Februar weitere russische und preußische Einheiten, die ebenfalls Versorgung in Anspruch nahmen. Die Landwirte mussten auf Weisung des russischen Generals Winzigenroede große Mengen an Weizen, Kartoffeln, Butter und Heu zur Verfügung stellen. Sogar Haushaltsgegenstände wie Messer, Gabeln, Löffel und Schüsseln wurden in größerem Umfang requiriert, die Gemeinde Übach hatte eine festgelegte Anzahl davon abzuliefern.

Am 5. April 1815 proklamierte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. die Übernahme des Rheinlandes, das ihm auf dem Wiener Kongress zugesprochen worden war. Die überwiegend katholische Bevölkerung war von dieser Entscheidung nicht übermäßig begeistert – lieber hätte man sich Bayern angeschlossen. In der Tat sollte es in den kommenden Jahrzehnten zu erheblichen Spannungen zwischen der protestantischen Regierung in Berlin und der katholischen Kirche kommen.

30 Übacher eingezogen

Mit der Einrichtung der preußischen Verwaltung wurde auch die allgemeine Wehrpflicht in unserer Region eingeführt, wovon die neue Regierung sogleich Gebrauch machte. Denn als kurz danach Napoleon versuchte, nochmals auf den Kaiserthron zu gelangen, wurden auch 30 junge Männer aus Übach zur Armee eingezogen und mussten mit General Blücher nach Frankreich marschieren. Erst die berühmte Schlacht von Waterloo bedeutete das endgültige politische Aus für Napoleon.

Auch diese neuen Kampfhandlungen bedeutenden für die Gemeinde Übach eine erhebliche Belastung, wie wiederum Bürgermeister Schnitzler festgehalten hat: „Unbeschreiblich ist es, was die Kommune während dieser Zeit hat aufbringen und liefern müssen... So musste Übach zu einer gezwungenen Anleihe von sechs Millionen und 5236 Francs beitragen.“ Erst nach dem endgültigen Friedensschluss konnten sich die Verhältnisse allmählich normalisieren.

Insgesamt empfand die Bevölkerung das Ende der Franzosenzeit aber doch als Befreiung, denn die Militärverwaltung Napoleons hatte den Menschen in den Jahren zuvor noch weitaus härtere Kontributionen und Rekrutenaushebungen zugemutet. Immerhin waren auch positive Resultate zu verzeichnen: Das Zivil- und Handelsrecht sowie die Gewerbeordnung waren zwischen 1794 und 1814 gründlich modernisiert worden und wurden von der preußischen Verwaltung übernommen. Das Bürgertum hatte viel Selbstbewusstsein gewonnen und sollte in den kommenden Jahrzehnten entscheidende Impulse für die indu­strielle Entwicklung des Rheinlandes geben, was sich in ganz Deutschland vorteilhaft auswirken sollte. Die aus Geilenkirchen stammenden Brüder Ludolf und Otto Camphausen, die später in der Politik eine große Rolle spielten, sind treffende Beispiele.

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