Franz Beckers: Herzlich, väterlich aber auch immer fordernd

Von: hama
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Franz Beckers (hinten rechts) hat sich beim Gruppenfoto neben Marc Ervens in die letzte Reihe gestellt. Seit 42 Jahren nimmt er in der Gemeinde Gangelt das Sportabzeichen ab. Unterstütz wird er dabei von seiner Frau Anneliese (2.v.l.) und Hubert Schiffgens (links). Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Marc Ervens bekommt von Franz Beckers im Rahmen einer kleinen Unterhaltung das Sportabzeichen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Niederbusch. Wenn es ganz still wird auf dem Sportplatz in Stahe und zig Augenpaare sich auf Franz Beckers konzentrieren, dann gibt es wieder einen dieser besonderen Momente im Dorfleben: Von Emotionen übermannt verleiht der 80-jährige Beckers die Sportabzeichen an den Nachwuchs.

„Es waren schon deutlich mehr Kinder da“, stellt der Mann, der seit 42 Jahren diese Tätigkeit ehrenamtlich in der Gemeinde Gangelt ausführt, fest. Er weiß aber auch, dass die tolle Reitanlage und der Tennisplatz – beide unweit des Sportplatzes gelegen – den Kindern alternative Freizeitmöglichkeiten bieten. Hinzu kommt natürlich der Fußball, der in der Dreidörfergemeinschaft am Rodebach traditionell eine große Rolle spielt; alles Konkurrenten für das klassische „Höher, Schneller, Weiter“ beim Sportabzeichen.

Was ihm diesmal besonders die Sprache verschlägt, ist die Tatsache, dass er vier 17-Jährige – zwei Jungs, zwei Mädels – aus der Gruppe der Jugendlichen verabschieden muss. Es geht nicht unbedingt darum, dass es vier Leute weniger sind, die er nun in seiner Gruppe hat. Er hat diese vier teilweise über zehn Jahre begleitet. Franz Beckers kennt ihre Stärken, ihre Schwächen – und das nicht nur in den sportlichen Disziplinen. Wie von einem Vater werden Robin und Malte, Eva und Anika scheinbar in die große weite Welt verabschiedet, dabei bleiben alle vier im Dorf. Und vielleicht sieht er sie ja schon beim Sportabzeichen für Erwachsene wieder.

Marc Ervens war einer von denen, die am Tag des Sportabzeichens leicht verspätet zum verabredeten Termin kamen. Anschleichen nützt da nichts: Franz Beckers sieht die Jungs kommen, sagt aber erst einmal nichts. Als der junge Mann mit der keck getragenen Schirmmütze dann zur Verleihung aufgerufen wird, heißt es erst einmal: „Hände aus d´ Tasche!“ Dann zwei Sekunden Schweigen, intensiver Blickkontakt und die Frage: „Na, Jung´, musstest du dich erst noch stylen!“ Gelächter von den Umstehenden. Es ist davon auszugehen, dass der Junge beim nächsten Termin pünktlich erscheint. Franz Beckers weiß mit den Kinder und Jugendlichen umzugehen. Beim Sport werden sie ebenso gefordert wie gefördert. Er hat noch fast jeden zum Sportabzeichen gebracht. Und eine Altersuntergrenze kennt er nicht. Sind kleine Kinder dabei, die die Normen noch nicht schaffen können, dann gibt es die Beckers-Spezialurkunde. Die ist selbstgestaltet, um den Kindern das nötige Erfolgserlebnis zu geben. Eine Urkunde, eine Anstecknadel und Süßigkeiten sind der Lohn für sportliche Leistungen.

Seit nunmehr 42 Jahren nimmt Franz Beckers in der Gemeinde Gangelt das Sportabzeichen für Jugendliche ab; die Erwachsenen kamen ein Jahr später hinzu. Da Franz Beckers gesundheitlich angeschlagen ist, gehört seit einiger Zeit Hubert Schiffgens zur Mannschaft. Immer mit von der Partie ist auch Beckers Frau Anneliese, mit der er mittlerweile 56 Jahre verheiratet ist.

Am linken Handgelenk trägt der Mann, dem man die 80 nicht ansieht, die Uhr mit dem Gemeindewappen. Die bekam der gelernte Maurer und Einfuger als Ehrenamtspreisträger der Gemeinde. Begonnen hat der damals schon begeisterte Sportler 1972, als er für 25 Kinder der Grundschule Stahe erstmals das Sportabzeichen abnahm. Von 1974 an ging es zehn Jahre lang durch viele Dörfer der Gemeinde Gangelt, wo er auf jedem Sportplatz – mittlerweile für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – die Prüfung zum Sportabzeichen abnahm. Das wurde irgendwann auf den Sportplatz in Niederbusch konzentriert, zu dem heute Kinder und Erwachsene nicht nur aus den Gemeinden Gangelt und Selfkant pilgern.

Neben Sportabzeichen, Beruf und Familie, gibt es eine einsame Bestmarke, die Franz Beckers hält. In über 50 Jahren als Läufer in allen erdenklichen Disziplinen hat er nahezu 190.000 Lauf-Kilometer voll gemacht. Dabei sprangen über 150 Kreismeistertitel, von 400 Meter bis Marathon inklusive Mannschaftstitel, heraus. Seinen ersten Marathon lief er am 6. Mai 1967 in Krefeld und holte gleich mit der Mannschaft den Titel des Mittelrhein-Meisters. Rund 120 Marathonrennen (Bestzeit 2.39,57 Minuten) hat er bestritten, an Deutschen-, Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen. „Die WM in Neuseeland war sicher einer der Höhepunkte“, erinnert er sich gerne an die Reise auf die andere Seite der Erdkugel. 2004 beendete ein Schlaganfall seine Karriere als Leistungssportler abrupt. Das hindert ihn aber nicht daran, nach den Richtlinien des Behinderten-Sportabzeichens Jahr für Jahr seine Urkunde zu erhalten. Fit hält er sich mit seinem Spezialfahrrad, mit dem er seit 2005 über 40.000 Kilometer zurückgelegt hat.

Erstaunlich ist, dass sich in Zeiten eines völlig veränderten Freizeitverhaltens die Teilnehmerzahlen beim Sportabzeichen nahezu konstant halten. Das hängt sicherlich auch mit der familiären Atmosphäre zusammen, die Franz und Anneliese Beckers mit ihren Schützlingen pflegen. „Einen Jugendlichen habe ich in all den Jahren mal nach Hause schicken müssen, weil der mit einem medaillenreifen Desinteresse an die Sache ran ging.“

Allerdings verlangt Franz Beckers von seinen Schützlingen auch die ungeteilte Aufmerksamkeit. „Wenn die Frauen auf der Laufbahn stehen, um Gerüchte auszutauschen, muss ich auch schon mal dazwischen gehen“, lacht der Mann, der so viele Anekdoten aus den Sportabzeichen-Jahren erzählen kann.

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