Geilenkirchen - François-Xavier Poizat eröffnet das „Mekka der Musik“

François-Xavier Poizat eröffnet das „Mekka der Musik“

Von: Johannes Gottwald
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Fulminanter Auftakt: Beim Eröffnungskonzert des Klaviersommers begeisterte der Pianist François-Xavier Poizat mehr als 200 Zuhörer mit Werken vom Barock bis zum Impressionismus. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. In den Kalendern der meisten Klassik-Fans unserer Region ist er seit langem schon dick angestrichen – der Klaviersommer Geilenkirchen, der mittlerweile schon zum sechsten Mal stattfindet. Und das Interesse ist ungebrochen.

Schon beim Eröffnungskonzert konnten die Organisatoren Florian Koltun und Xin Wang wieder rund 200 Zuhörer in der Hauptfiliale der Kreissparkasse Heinsberg begrüßen. In einer kurzen Ansprache hob Bürgermeister Georg Schmitz hervor, dass die Stadt stolz darauf sei, wieder einmal für eine ganze Woche zum „Mekka der klassischen Musik“ zu avancieren.

Spritzig-perlend

Dann hieß es „Bühne frei“ für den wichtigsten Mann des ersten Abends, den Pianisten François-Xavier Poizat. Der französisch-schweizerische Pianist hat seine musikalische Ausbildung in Genf, Hamburg und New York genossen, gewann bereits zahlreiche internationale Preise, trat schon in über 22 Ländern auf und leitet heute das internationale Festival Puplinge Classique in Genf.

Die spritzig-perlenden Klänge des „Italienischen Konzertes“ in F-Dur BWV 971 von Johann Sebastian Bach bildeten den schwungvollen Auftakt des Abends. Obwohl das 18. Jahrhundert noch keine modernen Konzertflügel kannte, kam dennoch der barocke Charakter des Werkes sehr gut zum Vorschein.

Im zweiten Satz hob der Interpret die Solostimme besonders deutlich hervor – daran ließ sich erkennen, dass der Komponist das Werk für ein zweimanualiges Cembalo konzipiert hatte. Eine völlig andere Welt eröffnete sich in der As-Dur-Sonate op. 110, einem Spätwerk Beethovens.

Ungewohnt lyrisch-romantisch entfaltete sich der erste Satz, erst im nachfolgenden Scherzo trat die schroffe und zerklüftete Klangsprache zutage, der man sonst häufig bei Beethoven begegnet. Hier hätte Poizat allerdings stärkere Akzente setzen können – die raschen Läufe des Mittelteils muteten ein wenig farblos an. Umso schöner gelang dem Künstler dann der wunderbar tiefsinnige dritte Satz.

Den krönenden Abschluss bildete das Finale, das die Beschäftigung des späten Beethoven mit der Polyphonie Bachs zeigt. Die großangelegte Fuge entfaltete sich nicht lehrbuchmäßig streng, sondern eher improvisatorisch. Nach einer Reminiszenz an den dritten Satz erscheint das Fugenthema erneut und führt das Werk zu einem strahlenden Dur-Ausklang. Auch hier gelang François-Xavier Poizat eine überzeugende Wiedergabe.

Nach der Pause wurde es dann impressionistisch: In den „Estampes“ greift der Komponist Claude Debussy unverkennbar auf folkloristische Anregungen zurück. So durchwehen fernöstliche Klänge und pentatonische Melodien die „Pagodes“, die durch Musik aus Java angeregt wurden. Ebenso wurde „La soirée dans Granade“ von spanischen Rhythmen durchzogen, während die abschließenden „Gärten im Regen“ keiner näheren Erläuterungen bedurften.

Einen glanzvollen Schlusspunkt setzte François-Xavier Poizat dann mit der „Moldau“ von Friedrich Smetana in einer Klavierfassung von Henri de Kaan. In einem faszinierenden Spannungsbogen erlebten die Zuhörer den Lauf der Moldau von ihrer Quelle im Böhmerwald durch Wälder und Dörfer (mit Jagdhorn- und Polka-Klängen), Nacht und Nebel, vorbei an Burgen und durch Stromschnellen bis hin zur Stadt Prag.

Vorfreude auf das, was folgt

Nachdem die beiden letzten wuchtigen Schlussakkorde verklungen waren, war das Publikum nicht mehr zu halten und brachte dem Pianisten stehende Ovationen. Daraufhin waren noch zwei Zugaben fällig – ein Präludium von Ligeti mit sehr moderner Harmonik, das gleichwohl mit seiner motorischen Rhythmik ungemein fesselte und ein lyrisch-sentimentales Stück von Eric Satie. Nach einem solch fulminanten Beginn darf man schon jetzt auf die nachfolgenden Konzerte gespannt sein.

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