Fracking: Kritisch, aber nicht durchweg dagegen

Von: Markus Bienwald
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Die Fracking-Debatte hält an: Auch in unserem Nachbarland Niederlande wird die Gewinnung von industriell verwertbaren Gesteinsgasen über chemische Prozesse heiß diskutiert. Foto: dpa

Region Limburg. Wer sich die Karte mit Fracking-Absichten in unserer Region auch einmal grenzüberschreitend anschaut, wird auf zwei grundsätzliche Lager treffen. Da sind zum einen die Deutschen, die auf lokaler und regionaler Ebene der Gewinnung von industriell verwertbaren Gesteinsgasen über chemische Prozesse von vornherein mehr oder weniger deutliche Abfuhren erteilt haben.

So sei nach Ansicht des Kreises Heinsberg beispielsweise die „Fracking-Technologie nicht verantwortbar.“ Vor allem die Gefahren für das Grundwasser und die Böden seien nicht absehbar. Fehlende Angaben zur Erdbebensicherheit, zum Boden-, Gewässer- und Oberflächenschutz, kämen noch hinzu, verdeutlichte der Kreis Heinsberg in seiner Stellungnahme.

Die wurde lanciert, weil die Niederländer ihrerseits eine „Strukturvision Schiefergas“ entwickelt hatten, die verwertbare Vorkommen von diesem natürlichen Gas im Gestein unterhalb der im letzten Jahrhundert abgebauten Steinkohleschichten sieht.

Wirtschaftsminister Henk Kamp rechnete noch im Juni vor, dass nach derzeitigem Stand ein wirtschaftliches Potenzial von rund 18 Milliarden Euro im durch Fracking gewonnenen Gas vorliege. Bis zum 9. Juli hatten nun alle betroffenen Gebiete grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Haltung zu der Idee zu äußern, in der Grenzregion das auf Niederländisch „schaliegas“ genannte natürliche Gas mit der umstrittenen Fracking-Methode zu fördern.

Und während es von deutscher Seite mehr als 5300 eingebrachte Sichtweisen gegeben habe, wie die eigens eingerichtete Internetseite www.schaliegasvrij.nl mit Bezug auf staatliche Quellen meldet, hätten sich bisher 182 der insgesamt 403 Gemeinden in unserem westlichen Nachbarland deutlich gegen Fracking positioniert.

Auf der Internetseite wird auch vorgerechnet, dass nicht nur in ausgewiesenen Naturgebieten viele Fördertürme errichtet werden müssten, sondern auch sinkende Grundstückspreise in Fördergebieten, höhere Wasserkosten durch eine eventuell nötig werdende, teurere Reinigung des Trinkwassers, sowie eventuelle Gesundheitsgefahren durch möglicherweise in das Grundwasser eintretende Chemikalien die Folgen von Fracking sein könnten.

Das sah auch der regionale Wasserversorger „WML“ (Waterleiding Maatschappij Limburg) schon im September 2011 so. In einer Stellungnahme zu Probebohrungen für das Vorkommen von Schiefergas stellte die WML damals fest, dass sie „kein einziges Risiko für das Trinkwasser akzeptieren werden.“

So könnten nach ihrer Ansicht schon Probebohrungen zur Verseuchung von Trinkwasserbrunnen führen. Die Dachorganisation der niederländischen Trinkwasserunternehmen Vewin (Vereiniging von Waterbedrijven in Nederland) bemängelte Ende August 2013, dass die Risiken des Frackings zu wenig Beachtung finden.

„Gibt es Schwierigkeiten beim Bohren oder kommen die beim Bohren genutzten, gefährlichen Chemikalien frei, kann das Grundwasser verunreinigt werden“, stellte Vewin fest. Und mehr noch, denn durch die Zerstörung schützender Gesteinsschichten verliere das Grundwasser seinen natürlichen Schutz. „Es muss nur einmal schiefgehen, um den Grundwasservorrat für immer unbrauchbar zu machen“, schloss Vewin.

Vewin steht auf dem Standpunkt, dass das niederländische Wirtschaftsministerium diese Gefahren verharmlose und sich sogar auf die eigentlich nicht vergleichbare Technik der Erdgasgewinnung beziehe. „Der Vergleich hinkt, weil beim Fracking eine ganz andere Technik zum Einsatz kommt“, so Vewin.

Auch auf lokaler und regionaler Ebene sind die Haltungen zum Fracking meist ablehnend. So erklärte Ende November 2013 die Gemeinde Sittard-Geleen, gegen Probebohrungen zu sein. Beigeordneter Ruud Guy erklärte damals, dass die Gemeinde eher auf die Entwicklung von Energiekonzepten und Energieeinsparung setze, denn auf Fracking.

Das Limburgische Parlament war Anfang Oktober 2013 noch vorsichtiger. Während nur die Grünen gegen das Vorhaben stimmten, relativierten die übrigen Parteien ihre Zurückhaltung gegenüber Fracking. Die vom SP (Sozialistische Partei)-Parlamentsmitglied Ben Rewinkel eingebrachte Initiative besagt, dass „solange nicht nachhaltig bewiesen ist, dass Probebohrungen sicher und ohne unakzeptable Schäden für die Umwelt sind“, diese nicht stattfinden dürften.

Darüber hinaus forderte das Limburgische Parlament, dass vor einer eventuellen Zustimmung zu Probebohrungen erst breite Unterstützung aus der Bevölkerung kommen müsse. Im September 2013 hatte sich schon die christdemokratische CDA gegen Fracking positioniert.

Kein grundsätzliches Nein

Keine Mehrheit für ein grundsätzliches Nein zum Fracking aus der Gemeinde gab es in Brunssum. Wie deren Mitarbeiter Fons Castermans auf Nachfrage unserer Zeitung berichtete, seien zwei Anträge im Gemeinderat am 5. November 2013, sich zur „schiefergasfreien Gemeinde“ auszurufen, von einer Mehrheit im Rat verworfen worden. Die Gemeinde Venlo richtet sich hingegen in einem gemeinsamen Beschluss gegen die Fracking-Pläne, ebenso wie Maastricht, Heerlen oder Roerdalen.

Ausdrückliche Befürworter für das Fracking gibt es aber auch. Die VEMW (Vereiniging voor zakelijke Energie- en Watergebruikers), eine Organisation für gewerbliche Verbraucher von Energie und Wasser, sprach sich Ende Juni für Probebohrungen aus. Schiefergas sei eine Chance, sich unabhängiger zu machen von Energieimporten. Zudem sprach die VEMW von Gewinnen zwischen 40 und 100 Milliarden Euro für die niederländische Wirtschaft. Im August 2013 erklärte die liberale VVD, dass in Limburg Fracking eingesetzt werden sollte. „Chemische Unternehmen in unserer Provinz könnten davon profitieren“, so die Partei.

Im Moment scheinen Probebohrungen in den Niederlanden kein Thema zu sein. Bis Anfang 2015 werde es landesweit keine Probebohrungen geben, sagte Wirtschaftsminister Henk Kamp. Zunächst sollen ökologische und ökonomische Gutachten erarbeitet werden, um herauszufinden, wo mit möglichst wenig Belastung für Natur, Mensch und Umwelt Probebohrungen überhaupt stattfinden könnten.

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