Fotokurs: Nur die berühmte „Motivklingel” fehlt

Von: mabie
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Hubert Schippers nahm die Ferienkinder des Städtischen Jugendzentrums von Ubach-Palenberg mit auf eine fotografische Entdeckungsreise. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist dunkel in der Disco des Städtischen Jugendzentrums. Die Spiegelkugeln ruhen in ihren Achsen, die Boxen sind stumm, nur eine dunkel timbrierte Männerstimme durchbricht ab und an das Gemurmel der Kinder.

„Willst du das Bild behalten, Florian?”, klingt es leise durch den riesigen Raum nahe der Bahnstrecke. „Nö”, gibt der Angesprochene kurz zurück. Die rund 20 hier versammelten Kinder und Jugendlichen haben Ferien. Und sie sind mit ihrem Fotokurs die ersten jungen Künstler, die während der laufenden Ferienspiele einen Kurs absolvieren dürfen. Da mutet das Im-Dunkeln-Sitzen und sich die Bilder des letzten Freiluft-Shootings anschauen schon etwas doof an.

Doch Hubert Schippers, seines Zeichens Naturfotograf und Naturfreund, weiß, dass die etwas murrende Stimmung gleich wieder vorbei sein wird. Denn nach der Theorie und der Kritik an den am Vortag geschossenen Bildern geht es wieder raus in die Natur. Ein paar Blüten setzen die kecken Nachwuchsfotografen vor ihren durchweg kleinen digitalen Kameras in Szene. „Was die teilweise an Apparaten haben, ist schon erstaunlich”, sagt auch Schippers, der im Alter von 13 Jahren erstmals fotografierte.

Damals ging das natürlich noch ausschließlich analog und meist ohne all die Automatiken, die, bis auf die berühmte „Motivklingel”, heute selbst die „Basisknipsen” schon an Bord haben. Dennoch ist es nicht damit getan, einfach wild drauf los zu drücken, was Akku und Speicherkarte so hergeben. Schippers erklärt, dass es, neben einem lohnenswerten Motiv, das auch gerne erst auf den zweiten Blick seine Wirkung entfalten darf, auch auf die Technik ankommt.

„So, ihr sucht euch jetzt ein paar Blüten aus, Makro rein und ran ans Motiv”, gibt er seinen Schülern auf Zeit mit auf den Weg. Und die jungen Menschen wirken in diesem Moment, in dem sie in einem Bruchteil einer Sekunde ihre Sicht der Welt auf einen Silikonchip bannen, wie ausgewechselt gegenüber der Szenerie bei der Bildkritik.

Kein Motiv scheint unknipsbar, die Kollegen werden abgelichtet, spontan ein paar Pusteblumen ihrer flirrenden Samen beraubt, um auch mal die „Sport”-Einstellung der hochgeschätzten „Digicam” zu testen oder auch einfach nur herumgealbert.

Natürlich vergessen sie dabei vielleicht das ein oder andere Mal, die von Hubert Schippers rein professionell beanstandeten „ausgefressenen” Bildstellen, die hoffnungslos überbelichtet sind, zu korrigieren, oder auch die nötige Belichtungszeit zu verlängern, um kontrastreiche, eindrucksvolle Bilder zu schießen. Aber das kommt noch, da sind sich alle Teilnehmer sicher. Und wenn das heute nicht im Blumenbeet mit den Pusteblumen klappt, dann halt morgen im Naherholungsgebiet Wurmtal oder an der stimmungsvollen Bergehalde der ehemaligen Gewerkschaft Carolus Magnus.

Eins aber, das haben die jungen Nachwuchsfotografen schon an diesem wunderschönen Shootingtag gelernt: Motive immer sofort aufs Korn nehmen, sonst sind sie futsch. Denn genau das geschah mit den schönen Blumen, die am Morgen noch beim leisesten Windhauch ihre Nachkommenschaft sicherten: eine Stunde später war ein Trupp vom Technischen Betrieb da und stutzte neben dem umliegenden Rasen auch die schönen Blümchen, die dann als Motiv im Wortsinn ausfielen.
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