Geilenkirchen - Förderkinder bereichern das Schulleben

Förderkinder bereichern das Schulleben

Von: Udo Stüßer
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Inklusion: In der Gesamtschule Geilenkirchen wurden nur fünf Anträge gestellt. Foto: dpa

Geilenkirchen. Wenn Uwe Böken über Inklusion redet, weiß er nur zu genau, wovon er spricht. „Ein behinderter Mensch hat auch ohne formale Vorgaben einer übergeordneten Instanz die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder andere Mensch auch“, sagt der Leiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen zu den Plänen der nordrhein-westfälischen Landesregierung, das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung in den Schulen auszubauen.

Das sagt Böken nicht nur als Pädagoge und Schulleiter, das erklärt er auch als Vater eines schwerstbehinderten Kindes. Sein jüngster Sohn hat eine leichte geistige Behinderung, seit einem Unfall im Jahr 2009 ist er schwerstbehindert. „Als es vor vielen Jahren darum ging, welche Schule der Junge besuchen sollte, gab es solche staatlichen Vorgaben noch nicht. Wir hätten uns eine weiterbildende Regelschule gewünscht, die den Jungen beschulen sollte. Das war nicht möglich.

Auch diese Schule hätte damals nein gesagt. In Deutschland sind wir schnell dabei, auszusortieren und in Schubladen reinzustecken.“ Böken ist ein Verfechter der Inklusion. Aber: „Vollinklusion ist nicht der richtige Weg. Es gibt Kinder, die in einer speziell ausgerüsteten Schule besser aufgehoben sind, andere hingegen in einer Regelschule.“ Stellvertretende Schulleiterin Roswitha Steffens meint dazu: „Kinder, die in einer Regelschule beschult werden, sollten dann zeitweise auch eine Förderschule besuchen.“

Ab diesem Jahr haben die Eltern das Recht, ihr behindertes Kind wahlweise in einer Förder- oder in einer Regelschule anzumelden. Uwe Böken wurde von der Bezirksregierung beauftragt, die Gesamtschulen im Kreis Heinsberg in der Inklusionsrunde des Kreises Heinsberg zu vertreten. „Beim Kreis herrschte Unsicherheit. Man fragte sich, wo die Reise hingeht. Der Kreis hat versucht, die Wünsche der Eltern zu ermitteln“, sagt Böken.

Für die Geilenkirchener Gesamtschule hatte sich im Dezember nur ein einziges Kind entschieden. Für eine inklusive Lerngruppe sind allerdings fünf Kinder vorgeschrieben. Beim Anmeldeverfahren im Februar wurden dann wider Erwarten fünf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf angemeldet: vier Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache, ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Die fünf Kinder mit Förderbedarf werden einer Eingangsklasse zugeordnet. Diese Klasse kann aber nicht ganz so groß wie die anderen Eingangsklassen sein. Während bisher vier Eingangsklasen à 30 Schüler gebildet wurden, sind es im Sommer drei Klassen à 30 Schüler und eine Klasse mit 26 Schülern.

„An einer Förderschule kann nur der Hauptschulabschluss erreicht werden. Hier können die Förderschüler höhere Abschlüsse machen“, nennt Christel Wolter, Abteilungsleiterin für die Klassen 5 bis 7, einen Vorteil für die Förderschüler. „Warum sollten sozial-emotional behinderte oder sprachbehinderte Kinder keinen höherwertigen Abschluss erreichen?“, fragt sie. Die Pädagogen sehen im Unterrichten von behinderten und nichtbehinderten Kindern auch Vorteile für Regelschüler. „Sie übernehmen soziale Verantwortung und erwerben Sozialkompetenz“, sagt Roswitha Steffens.

„Das Land will Förderschulen abbauen und hat die Vollinklusion zum Ziel. Ich befürworte aber den Erhalt von Förderstützpunkten, in denen behinderte Schüler zusätzlich unterrichtet werden“, sagt Böken und hofft auch auf eine Ausweitung des Stundenkontingentes, so dass in einer Klasse mit Förderschüler bei Bedarf auch zwei Lehrer gleichzeitig unterrichten. Auch rechnet er mit einer engeren Zusammenarbeit mit Barbara Thiemt, Sonderpädagogin an der Mercator-Schule, die jetzt schon Beratungsgespräche mit Schülern, Eltern und Lehrern anbietet. Mit Blick auf den Slogan der Gesamtschule „Eine Schule für alle Kinder“ sagt Böken, dass dies ab Sommer auf jeden Fall zutreffe. Und Roswitha Steffens ergänzt: „Wir freuen uns auf diese Kinder. Sie werden unser Schulleben bereichern.“

Ist die Gesamtschule wirklich eine Schule für alle Kinder? Was geschieht, wenn sich auch körperlich behinderte Mädchen und Jungen hier anmelden? Damit hätten derzeit wohl alle weiterführenden Schulen ein Problem. „Unsere Schulen sind nicht rollstuhlgerecht. Ein behindertengerechter Umbau der Schulen ist ein Thema der Zukunft“, sagt Böken. Er fordert mehr Geld für Bildung. „Wir müssen die Schulen und das Bildungssystem entrümpeln. Wir verwalten uns kaputt“, moniert er.

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