Geilenkirchen - Flüchtlings-Unterbringung: Startschuss zum Neubau von Unterkünften

Flüchtlings-Unterbringung: Startschuss zum Neubau von Unterkünften

Von: Udo Stüßer
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Der Wohncontainer neben dem Parkhaus wird in der nächsten Woche abgerissen. Hier entstehen Wohnungen für 120 Flüchtlinge. Ende des Jahres soll der Wohnkomplex fertig sein. Foto: Udo Stüßer
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Sie engagieren sich in der Flüchtlingshilfe: Nicole Abels (links) und Yvonne Wolf.

Geilenkirchen. In der kommenden Woche wird der Wohncontainer hinter dem Geilenkirchener Bahnhof abgerissen. Die hier lebenden elf Asylbewerber werden in privaten Wohnungen untergebracht. Dann fällt auch der Startschuss zum Neubau von Unterkünften für 120 Asylbewerber. Ende des Jahres sollen die Wohnungen fertiggestellt sein.

Damit hat die Stadt Geilenkirchen eine Antwort auf die drängende Frage gefunden, wie die immer größer werdende Zahl von Asylbewerbern untergebracht werden kann.

Als Yvonne Wolf am 1. Oktober 2014 im städtischen Jugend- und Sozialamt ihre Arbeit als Flüchtlingsbeauftragte angetreten hatte, lebten in Geilenkirchen 74 Flüchtlinge, drei Monate später waren es bereits 100. „Und dann ist 2015 eine große Welle über uns hereingebrochen. Die Zahl stieg rasant an. Darauf war keiner vorbereitet, auch das Land und der Bund nicht“, blickt Yvonne Wolf zurück. Ende des vergangenen Jahres lebten bereits 335 Asylbewerber in der Stadt. Tendenz steigend!

Hatte man für die ersten 100 Flüchtlinge noch ausreichend Wohnraum im Wohncontainer am Bahnhof, in einem Wohnhaus Ecke Flurstraße/Bauchemer Gracht, im Süggerather Limitenweg und in einzelnen Wohnungen im gesamten Stadtgebiet, gestaltete sich die Wohnungssuche immer schwieriger. Zwischenzeitlich hat die Stadt die ehemalige Ferienfahrschule an der Sittarder Straße angemietet, ein ehemaliges Mannschaftsgebäude der Selfkant-Kaserne gekauft, frei stehende Häuser in der Fliegerhorstsiedlung hergerichtet und Wohnungen angemietet.

Ab Januar 2015 stieg die Zahl rasant an. Waren es früher überwiegend Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien , die hier Zuflucht suchten, so kamen im Laufe des vergangenen Jahres überwiegend Menschen aus Irak, Iran und Syrien. „Wir hatten bis zu 20 Neuzuweisungen pro Woche“, so Yvonne Wolf.

Nicht nur die Wohnungssuche bereitet der Flüchtlingsbeauftragten Kopfschmerzen. „Aufgrund der Masse der Zuwanderer verlaufen Asylverfahren oft schleppend. Manche Menschen leben seit 14 Monaten hier und haben noch keinen Interviewtermin und damit auch keine Perspektive“, sagt Wolf. Die meisten Syrer hingegen würden im Eilverfahren anerkannt, weil diese Anträge große Aussicht auf Erfolg haben.

„Die anderen Menschen, deren Asylverfahren recht lange dauert, haben große Hoffnungen. Sie haben bereits kleine Wurzeln hier geschlagen und müssen dann gehen“, sagt Wolf. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass vielen Menschen bereits in ihrer Heimat falsche Hoffnungen gemacht werden. „Heute werden 99,8 Prozent der Anträge von Asylbewerbern aus dem ehemaligen Jugoslawien negativ beschieden“, weiß sie.

Mit der Flut der Asylbewerber ist aber auch eine Welle der Hilfsbereitschaft in der Geilenkirchener Bevölkerung gewachsen. Waren es vor einem Jahr noch knapp ein Dutzend Geilenkirchener, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert haben, so sind es mittlerweile mehr als 90 Menschen, die hier mitarbeiten.

Über diese große Unterstützung freut sich besonders Nicole Abels, Gemeindesozialarbeiterin des Caritas-Verbandes für die Region und Mitglied der Steuerungsgruppe des Runden Tisches für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen. Während Yvonne Wolf aus dem Sozialamt für die Unterbringung der Flüchtlinge und die Auszahlung von Geldern für die Asylbewerber zuständig ist, unterstützt, begleitet und stärkt Nicole Abels die Arbeit der Ehrenamtler.

„Viele Geilenkirchener kamen zum Runden Tisch oder ins Rathaus und haben nachgefragt, wo Hilfe benötigt wird“, sagt sie. Im Mai 2015 haben die Stadt Geilenkirchen, der Caritasverband sowie die katholische und die evangelische Kirche eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben und damit ihr gemeinschaftliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit festgeschrieben. „In einer Steuerungsgruppe klären wir die Fragen, was wir für die Flüchtlinge, aber auch für die Ehrenamtler tun können“, erklärt Nicole Abels.

So bieten die Kooperationspartner seit Mai Schulungen für Flüchtlingspaten an, in denen es um juristische und soziale Komponenten ebenso wie um interkulturellen Dialog geht. „Diese Paten begleiten den Alltag der Flüchtlinge, helfen, wenn es darum geht, einen Arzt oder den geeigneten Deutschkurs zu finden oder wenn ein Kind in der Schule angemeldet werden muss. Sie helfen dann, wenn der Flüchtling vor einem Problem steht“, berichtet die Gemeindesozialarbeiterin und weist auf die Arbeit der Ehrenamtler im Kleiderkarussell in Räumen der Realschule oder in der Fahrradwerkstatt in der Sittarder Straße 1 hin. Mehr als 30 Menschen, vom pensionierten Lehrer über Studenten bis hin zur Hausfrau, engagieren sich in etwa zehn Deutschkursen an vier Standorten in der Stadt. Wie groß die Hilfsbereitschaft ist, zeigt sich auch in Lindern. Bevor die ersten 25 Asylbewerber eingetroffen sind, hat sich bereits eine Gruppe Linderner gebildet, die im Pfarrheim einen Ort der Begegnung, ein internationales Café, geschaffen hat.

„Das Jahr 2015 war chaotisch. Es gab eine Flüchtlingswelle und es gab, was positiv ist, eine Ehrenamtswelle. Die Welle der Hilfsbereitschaft musste in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Jetzt haben wir ein gutes Netzwerk“, zieht die Gemeindesozialarbeiterin Bilanz. Dabei weiß sie auch, dass auch in den nächsten zwölf Monaten reichlich Arbeit auf sie zukommt: „Was in diesem Jahr auf uns zukommt, ist die Integration. Es gilt, die anerkannten Flüchtlinge zu integrieren. Anerkannte Asylbewerber müssen ihre Unterkünfte verlassen und sich auf Arbeitssuche begeben.

Schon in den Jahren 2013/2014 wurden von der Diakonie Integrationslotsen ausgebildet. „Die sind jetzt gefragt wie nie zuvor“, sagen die beiden Frauen unisono. Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Integration spielen auch Bürgerfeste, wie beispielsweise das Siedlungsfest in Neu-Teveren und die Feste der Begegnung im Limitenweg. Auch der Bürgertreff ist oft Anlaufstelle für Flüchtlinge. „Wir planen die Einrichtung einer Spielgruppe für Flüchtlingskinder und deutsche Kinder in der GGS, die von Kindern und Eltern besucht werden soll“, sagt Yvonne Wolf. Bei all dem Engagement sind weitere Flüchtlingspaten willkommen.

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