Fliegerhorstsiedlung soll unsaniert verkauft werden

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
5120249.jpg
Der Verkauf der Häuser in Neu-Teveren schlägt hohe Wellen Foto: Udo Stüßer
5120695.jpg
Die Fröhlichkeit täuscht, in Wirklichkeit herrscht Eiszeit: Rainer Jansen, Jürgen Benden, Bettina Herlitzius (alle Grüne), Bürgermeister Thomas Fiedler, Bernd Grotefeld und Dietmar Engels von der BIMA, Technischer Beigeordneter Hans Hausmann und Christine Lorenzen von der BIMA vertreten unterschiedliche Ansichten. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Das Gesprächsklima: eisig. Der Gesprächston: rau. Der Gesprächsort: ein kahler Raum. Hier, in dem leer stehenden Haus Beckstraße Nummer 16 in der Teverener Fliegerhorstsiedlung, treffen auf Einladung der Geilenkirchener Grünen Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler und der Technische Beigeordnete Hans Hausmann auf Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA).

Mit am Tisch sitzt Bettina Herlitzius, Bundestagsabgeordnete der Grünen, Sprecherin für Stadtentwicklung und Obfrau im Ausschuss für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung. Grund für die illustre Runde: der Bund braucht Geld, und deshalb äußerte die BIMA bereits im Sommer 2009 die Absicht, die komplette Fliegerhorst-Siedlung zu verkaufen. Bisher jedoch scheiterte das Vorhaben an unklaren Besitzverhältnissen. Die Diskussion drehte sich überwiegend um die Frage, wem die Kanalisation gehört und wer für eine eventuell notwendige Sanierung zuständig ist. In diesem Punkt hat man sich zwischenzeitlich geeinigt: Die Stadt Geilenkirchen ist Besitzerin aller Straßen inklusive der darunter befindlichen Kanäle, die BIMA ist zuständig für die Kanäle auf den Grundstücken. Seit der Ankündigung, die Häuser verkaufen zu wollen, wechselte lediglich ein Gebäude den Besitzer. Die BIMA will nun ihre Anstrengungen verstärken.

Bei dem Zusammentreffen in der Fliegerhorst-Siedlung wird deutlich, dass Christina Lorenzen, Dietmar Engels und Bernd Grotefeld eine ganz andere Linie fahren als die Stadt Geilenkirchen und die Grünen. Sie wollen die Häuser in ihrem jetzigen Zustand verkaufen und keinen Cent für Renovierungsarbeiten anlegen, eine energetische Sanierung kommt für sie überhaupt nicht in Frage. „Eine energetische Sanierung wäre wirtschaftlicher Wahnsinn“, formulierte es Dietmar Engels.

Grobe Schätzungen haben ergeben, dass eine solche Sanierung der aus den 50er Jahren stammenden Siedlung pro Haus mit 50 000 Euro zu Buche schlagen würde. Und den BIMA-Vertretern ist längst klar geworden, dass kaum ein Interessent den jetzt vorgesehenen Kaufpreis plus 50 000 Euro zahlen würde. Für die unsanierten Häuser sieht Engels hingegen eine gewisse Klientel. Dieser Vorstellung widersprechen Grüne und Verwaltungsspitze energisch. Sie plädieren für eine vorherige Sanierung der Häuser.

Gesetzesänderung gefordert

„Wir fordern in Berlin, das BIMA-Gesetz zu ändern. Derzeit zwingt das Gesetz, nach wirtschaftlichen Kriterien zu verkaufen. Hier kann man aber nicht alleine nach wirtschaftlichen Kriterien verkaufen. Hier braucht man ein von BIMA und Stadt gemeinsam erarbeitetes Konzept“, forderte Bettina Herlitzius.

Auch will die Grüne Bundestagsabgeordnete die Mittel für Städtebauförderung und besonders für Konversionsflächen aufgestockt wissen. Und sie zeigt sich zuversichtlich: „Der Standort hat Chancen. Man kann ihn gemeinsam entwickeln. Aber dafür muss man investieren.“

Jürgen Benden, Partei- und Fraktionschef der Geilenkirchener Grünen, liegt der Einzelverkauf der Häuser schwer im Magen. Von den 294 ehemaligen Offiziers-, Unteroffiziers- und Mannschaftsunterkünften stehen derzeit 46 Häuser leer, die anderen sind vermietet. Engels rechnet damit, in diesem Jahr noch 13 Häuser verkaufen zu können.

„Will die BIMA die Häuser im derzeitigen Zustand anbieten, wird die Teverener Siedlung zu einem Flickenteppich und zu einer Geisterstadt“, zeichnet Benden ein düsteres Bild und fordert eine Gesamtsanierung der Siedlung und eine Fernwärmeheizung. Auch Thomas Fiedler wirbt an dieser Stelle für eine „homogene Entwicklung der Siedlung“. Ein großes Angebot an preiswertem Wohnraum führe dazu, so befürchtet er, dass sich Menschen nur der niedrigen Preise wegen in Geilenkirchen niederlassen werden.

„Die soziale Ausgeglichenheit wird dann aber arg strapaziert“, klagt er. Die Stadt könne selbst nicht eingreifen, weil sie sich in der Haushaltssicherung befinde. „Uns geht es um das Sozialgefüge in der Stadt. Deshalb muss die Siedlung vernünftig und nachhaltig bewirtschaftet werden“, erklärt dann auch Rainer Jansen (Grüne). „Wenn es für diese Häuser wirklich keinen Bedarf gibt, müssen wir einzelne Bauten abreißen“, erklärt Engels. „Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind“, sagen Fiedler und Engels unisono.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert