Geilenkirchen-Teveren - Fliegerhorstsiedlung: Abrissbirne weckt die Teverener „Tiger“

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Fliegerhorstsiedlung: Abrissbirne weckt die Teverener „Tiger“

Von: Udo Stüßer
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Auf den ersten Blick aus der Ferne ist die Fliegerhorst-Siedlung mit uraltem Baumbestand und viel Grün eine kleine Idylle. Doch der Blick täuscht. Die Häuser sind sanierungsbedürftig, die Straßen marode. Foto: Udo Stüßer
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Auf den ersten Blick aus der Ferne ist die Fliegerhorst-Siedlung mit uraltem Baumbestand und viel Grün eine kleine Idylle. Doch der Blick täuscht. Die Häuser sind sanierungsbedürftig, die Straßen marode. Foto: Udo Stüßer
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Sprechen für die Neu-Teverener: Gerd Vollmer und Norbert Grimm (von links).

Geilenkirchen-Teveren. Fährt man im äußersten Westen des Geilenkirchener Stadtgebietes auf die Fliegerhorstsiedlung zu, scheinen sich auf den ersten Blick im direkten Anschluss der Nato-Airbase malerische Häuschen im Schatten des uralten Baumbestandes zu präsentieren.

Rund 550 Menschen leben heute in den 294 Wohneinheiten, ehemalige Offiziers-, Unteroffiziers- und Mannschaftsunterkünfte aus den 1950er-Jahren. Doch fährt man in die Siedlung hinein, ist es mit der Idylle schnell vorbei. Die Straßen sind holprig und löchrig, die Häuser dringend sanierungsbedürftig. „Einmal im Jahr kommt ein Wagen mit einem Kübel Teer, um die tiefsten Löcher zu füllen“, erzählt Norbert Grimm, Anwohner der Stauffenbergstraße.

Die Fahrbahnen sind in einem katastrophalen Zustand, die Hausfassaden grau und trist. Das Unkraut, das zwischen den Bürgersteigplatten emporschießt, stört schon lange keinen Anwohner mehr, denn die Gehwege sind sowieso krumm und schief. Sicherlich: die Mieten sind in dieser Siedlung recht günstig. „Aber manche Häuser sind in einem unzumutbaren Zustand. Die Wasserversorgungssysteme sind teilweise so alt, dass rostiges Wasser aus dem Wasserhahn fließt.

Manche Mieter sind ausgezogen, weil die Heizungen nicht funktionierten oder kein warmes Wasser kam, weil sich die Rohrleitungen zugesetzt hatten“, berichtet Norbert Grimm. Er kennt die Siedlung recht gut, schließlich lebt er seit 16 Jahren in Neu-Teveren, war hier Mieter in den verschiedensten Häusern. Das Haus an der Stauffenbergstraße hat er nun auf eigene Kosten renoviert und teilweise saniert. „Aber in manchen Häusern gibt es feuchte Wände, in den Fassaden gibt es Risse, eine Wärmedämmung fehlt, und der Wind pfeift durch die Dächer“, erklärt er. Das kann auch Gerd Vollmer bestätigen. Er wohnt seit 20 Jahren in der Siedlung, ist innerhalb des Fliegerhorstes immer wieder umgezogen. In das Haus an der Möldersstraße, das er jetzt seit zehn Jahren bewohnt, hat er immer wieder investiert und es nun gekauft.

Wer besitzt die Kanäle?

Dass die Gebäude in einem schlechten baulichen und nicht zeitgemäßen energetischem Zustand sind und dass die Ver- und Entsorgungsinfrastruktur dringend sanierungsbedürftig ist, ist nicht nur im Geilenkirchener Rathaus bekannt. Das Landesbauministerium kennt die Problematik ebenso gut wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin. Im Geilenkirchener Stadtentwicklungsamt rechnet man mit Kosten von vier bis sechs Millionen Euro nur für die Sanierung der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur. Vor diesem Hintergrund erklärt Bürgermeister Thomas Fiedler, dass immer noch nicht geklärt ist, wer Besitzer der Kanalisation ist: Bund oder Stadt.

Von den 294 Wohneinheiten sind 22 Häuser verkauft worden, 209 Häuser sind vermietet, so dass die Stadt auf eine hohe Leerstandsquote von 21 Prozent verweist. Norbert Grimm und Gerd Vollmer geben zu, dass die Bima in einzelnen Häusern Sanierungsmaßnahmen vorgenommen habe. Aber im Grunde verfolgt sie ein reines Verkaufskonzept. Der Bund braucht Geld, und deshalb äußerte die Bima bereits im Sommer 2009 die Absicht, die komplette Fliegerhorst-Siedlung zu verkaufen. Dabei sollte kein Cent für Renovierungsarbeiten angelegt werden, eine energetische Sanierung kam für die Verantwortlichen keinesfalls in Frage. „Eine energetische Sanierung wäre wirtschaftlicher Wahnsinn“, formulierte es noch im März 2013 Dietmar Engels für die Bima.

Doch zwischenzeitlich hat ein Umdenken stattgefunden. In jüngster Zeit hat es Gespräche zwischen der Stadt Geilenkirchen, Vertretern der Bima, des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW und der Bezirksregierung in Köln gegeben. Man kam überein, dass ein Umbau der Siedlung erfolgen und ein städtebauliches Entwicklungskonzept aufgestellt werden soll. Das Land stellte eine finanzielle Förderung von Stadtentwicklungsmaßnahmen in Neu-Teveren in Aussicht, nannte allerdings einen Teilrückbau – sprich Abriss von Häusern – als Bedingung. Auch die Bima signalisierte ihre Mitwirkungsbereitschaft. Die Stadtumbaumaßnahme hat der Stadtrat im September beschlossen, ein städtebauliches Entwicklungskonzept für Neu-Teveren soll nun durch ein externes Planungsbüro erstellt werden. Die Kosten für dieses städtebauliche Entwicklungskonzept belaufen sich auf 55.300 Euro. Der Anteil der Bima beläuft sich auf 18.400 Euro, vom Land wird die Entwicklung des Konzeptes mit 25.830 Euro gefördert, so dass bei der Stadt Geilenkirchen 11.070 Euro verbleiben.

„An der Entwicklung des Konzeptes wollen wir mitarbeiten“, erklärt dazu Gerd Vollmer, und Norbert Grimm sagt: „Wir wollen uns aktiv und konstruktiv einbringen.“ 43 Mieter, Eigentümer und Kaufinteressenten haben sich aus diesem Grunde zur Bürgerinitiative Fliegerhorstsiedlung Neu-Teveren zusammengeschlossen, deren Sprecher Grimm, Vollmer und Birgit Berchtold sind. Ihre Ziele haben sie klar definiert: Mitsprache bei der Entwicklung des Sanierungskonzeptes, eine ökologisch-energetische Sanierung nur unter baubiologischen Aspekten, klare Prioritäten bei der Sanierung, eine aktive Vermarktung der Leerstände, wobei ein Abriss für die Initiative keine Lösung ist, Verbesserung des Gesamterscheinungsbildes der Siedlung nach außen, Sanierung bei bleibender Bewohnbarkeit. Ebenfalls ganz wichtig ist der Initiative, dass nach erfolgter Sanierung keine unbezahlbaren Mieterhöhungen erfolgen.

Die Sprecher fordern unisono, an den Gesprächen zwischen Stadt und Bima beteiligt zu werden, damit die Neu-Teverener ihre Interessen vertreten können. „Wir wollen nicht nur im Sommer zu einer Currywurst eingeladen werden, und dann wird alles später am Grünen Tisch entschieden“, fordert Grimm. Um alle Mieter und Eigentümer zu informieren, hat die Bürgerinitiative zu einer Versammlung eingeladen. Bürgermeister Thomas Fiedler, Technischer Beigeordneter Markus Mönter und die CDU-Stadtverordnete Theresia Hensen haben bereits zugesagt, Vertreter der Bima sind eingeladen. „Es geht uns nicht darum, Porzellan zu zerschlagen“, betont Grimm. „Wir wollen auch niemanden an den Pranger stellen, sondern uns Hand in Hand mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen“, fügt Vollmer hinzu. Grimm sagt aber auch: „Unsere Probleme kann man nicht einfach mit der Betonbirne beseitigen, man kann nicht eine halbe Siedlung abreißen. Dann sind wir keine zahnlosen Tiger mehr.“

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