Gangelt - Fleißige Bienchen: 8000 Kilometer in 40 Lebenstagen

Fleißige Bienchen: 8000 Kilometer in 40 Lebenstagen

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
So kommt der Honig ins Glas: E
So kommt der Honig ins Glas: Emelie Obst und ihre Mutter Susanne schauen Klaus Wambach bei der Arbeit an der Wabe zu. Fotos (4): Karl-Heinz Hamacher Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Bei dem Wetter kommt keine Biene freiwillig aus dem Schlag. Bestenfalls am Abflugloch lassen sie sich blicken, fliegen vielleicht ein paar Meter, um dann wieder zwischen Brut- und Honigwaben zu verschwinden.

Dass der „Tag der deutschen Imkerei” war, wird die rund 350 000 bis 400 000 Bienen in den zwölf Stöcken am Domizil des Imkervereins Selfkant unmittelbar neben dem Gangelter Tierpark nicht besonders interessiert zu haben.

„Schade”, meint auch der Vorsitzende Leo Scherrers. „Im vergangenen Jahr bei tollem Wetter hatten wir jede Menge Besucher und konnten denen ein tolles Programm bieten.” Regen dominierte den Tag, und trotzdem fanden viele der Besucher des Wildparks auch den Weg zu den Imkern.

Die Gäste bekamen zu hören, was es mit Königin, Drohnen und Arbeiterin auf sich hat. Das Zusammenspiel dieser Drei sorgt dann dafür, dass am Ende herrlicher Bienenhonig auf unseren Tischen landet. Klaus Wambach aus Karken gehört zu den rund 35 Mitgliedern des Vereins. Er kann erklären, warum es für die beiden Mädchen, die ganz nahe und neugierig an den Bienenstöcken vorbeigehen, keine Gefahr ist, sie also nicht unmittelbar als Angreifer angesehen und gestochen werden.

Bei seinem Vater sei es in den 1980er Jahren nicht möglich gewesen, sich ohne Schutzanzug den Bienenstöcken zu nähern. „Zu aggressiv”, lautet das knappe Fazit. Züchtern wie Anton Jansen oder Theo Peters, beide aus dem Dunstkreis des Vereins, sei es zu verdanken, dass über selektive Nachzuchten mit und mit sanftere, weniger angriffslustige Völker entstanden seien.

Ganz viel Erfahrung sei dazu nötig, berichtet Klaus Wambach. Es geht um die richtige Auswahl der Völker, um Inselköniginnen „und jede Menge Geduld!” Neben vielen Schautafeln rund um die summenden Insekten hängt auch ein altes, leicht vergilbtes Plakat mit der Aufschrift „Schützt die Biene” im Clubhaus. Das soll wohl darauf hinweisen, dass man Bienen nicht erschlagen soll. Zur Drucklegung des Plakates kannte man wohl die Varoa-Milbe noch nicht.

Sie ist es, die heute weltweit den Bestand der Bienen massiv gefährdet. Mit Bienen aus Asien wurde die Milbe eingeführt, und Klaus Wambach erinnert sich, dass damals bei seinem Vater alle acht Völker der Minimilbe, die wie ein Blutsauger arbeitet, zum Opfer fielen. Mit organischen Säuren und dem Einsatz eines Drohnenrahmens kann man sich heute helfen; einen durchschlagenden Erfolg in der Bekämpfung gibt es bis jetzt nicht. Rapsfelder, Linden und Robinien sind es, die den Bienen ganz in der Nähe des Wildparks Futter bieten.

Nicht weit ist auch der Rodebach mit seinen vielfältigen Blumenrändern. „Drei bis fünf Kilometer Entfernung zur Blüte sind für die Tiere kein Problem”, erzählt Jaap van Veldhuisen, ein Niederländer, der in Wehr wohnt und bei der letzten Honigprämierung in Köln zwei Preise einheimste. Er ist der liebste Ansprechpartner der Gäste aus Holland und er erzählt, dass Arbeitsbienen bis zu 8000 Kilometer in den gut 40 Tagen ihres Lebens zurücklegen.

Die Kinder erfahren an diesem Tag vom Tanz der Bienen, mit dem sie ihren Artgenossen mitteilen, wo es „leckere Blüten” gibt. Während draußen wieder ein kräftiger Schauer niedergeht, trägt Leo Scherrers, der dem Verein seit sechs Jahren vorsteht, honiggefüllte Waben ins Haus, die dann entdeckelt und geschleudert werden.

Den Wachs bekommen die Kinder als Kaugummi angeboten, um dann kurze Zeit später den Finger unter den schmalen Strom Honig zu halten, der aus der Schleuder rinnt. Die Generation der heutigen Erwachsenen kennt ja noch aus dem Aufklärungsunterricht das dann, wenn es „spannend” wurde, gerne die Biene als Beispiel herhalten musste. Was diesen punktuell Aufgeklärten aber verschwiegen wurde, ist die Tatsache, dass für die Drohnen das erste Mal auch gleich das letzte Mal ist.

Nach der Begattung stirbt die Drohne, die keinen Stachel hat, dafür aber auch nicht arbeiten muss. Die Qualität des Honigs aus dem Kreis Heinsberg bezeichnet Leo Scherrers als „phantastisch”. Nur wird es in diesem Jahr wieder einmal nicht so große Mengen zum Schleudern geben, da das Wetter nicht mitgespielt hat. „Alleine bei der Frühtracht haben wir rund 50 Prozent eingebüßt”, lautet der Vorwurf an Petrus. Wer sich für die Imkerei interessiert und etwas über die Ausrüstung des Imkers oder das Leben der Bienen erfahren will, ist jederzeit beim Imkerverein Selfkant willkommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert