Geilenkirchen - Fleischfreier Tag: Küchenchefs aus Geilenkirchen schütteln den Kopf

Fleischfreier Tag: Küchenchefs aus Geilenkirchen schütteln den Kopf

Von: Daniela Martinak
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Mit all diesen Sachen kocht Frank Niggemann täglich tolle Gerichte. Auch wenn nicht gerade „Veggie-Day“ ist. Foto: Daniela Martinak

Geilenkirchen. Ein leckeres Mettbrötchen zum Frühstück und ein saftiges Steak vom Grill zum Mittagessen. So haben es die Deutschen gern. Aber was, wenn ihnen stattdessen „nur“ Kartoffeln und Gemüse aufgetischt werden?

„Ach du meine Güte“, Frank Niggemann, Küchenchef des Franziskusheims in Geilenkirchen, schüttelt mit dem Kopf, als er sich vorstellt, wie die Bewohner der Senioreneinrichtung reagieren würden.

Die Grünen sprechen seit mehr als drei Jahren davon, „Veggie Days“ zu fördern – einen Tag in der Woche also, in dem Kantinen kein Fleisch anbieten. „Wir Menschen sind aber nun mal Fleischesser“, erklärt Niggemann, „und die Leute hier sehen Fleisch als ein Statussymbol. Man muss bedenken, dass sie beinahe alle Nachkriegskinder sind und früher nicht oft Fleisch zu essen bekamen. Jetzt soll es ihnen wieder weggenommen werden? Jemandem Vorschriften zu machen, wann er was essen soll, finde ich nicht richtig.“

Das wäre ja beinahe so, als würde man einem Kaninchen einmal in der Woche eine Blutwurst in den Käfig werfen. Oder etwa nicht? „Ein ‚Veggie Day‘ ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns ohne Fleisch ernähren“, schwärmt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast.

Weniger Fleisch zu essen, sei gut für die Gesundheit, den Tier- und den Klimaschutz. Deshalb plädiere die Partei für einen staatlich geförderten Tag in der Woche, an dem Kantinen und Mensen nur noch fleischlose Gerichte anbieten sollten, zum Beispiel am Donnerstag.

Das wäre dann der „Veggie Day“. Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen, hat diese Position nun bekräftigt. Er nennt den „Veggie Day“ einen Vorstoß für mehr „Nachdenklichkeit“ im Ernährungsverhalten. Der fleischlose Tag in Kantinen könne dazu beitragen, Fehlentwicklungen in der Lebensmittelproduktion zu bekämpfen, so Trittin.

Pro Kopf und Jahr essen die Deutschen rund 60 Kilo Fleisch. Dieser hohe Fleischverbrauch birgt laut Trittin nicht nur gesundheitliche Risiken. Er erzwinge auch eine Massentierhaltung, die auf Mensch, Tiere und Umwelt keine Rücksicht nimmt.

„Alles Quatsch“, lamentiert auch Markus Reichard, der Küchenchef im Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhaus. „Sämtliche Kantinen bieten bereits veganes und vegetarisches Essen an, auch wir, tagtäglich. So haben die Leute jeden Tag freie Wahl, ob sie nun Fleisch essen wollen oder lieber einmal nur Gemüse.“

Allein die Richtlinien der DEG (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) besagten das. Noch mehr als die Leute jetzt schon duldeten, sei ja beinahe an Vorschriften nicht mehr hinnehmbar. Reichard: „Vor allem explodieren auch die Gemüsepreise. Somit werden die Gerichte wieder teurer.“

Pasta oder etwa Kartoffelgratin komme laut beiden Kochs zwar sehr gut an, aber Schnitzel und Currywurst bleiben eben der Renner.

Welch einen Rattenschwanz würde dieser fleischlose Tag wohl wieder hinter sich herziehen? Schließlich kann nicht auch die Produktion so schnell hinuntergeschraubt werden, oder? Der Koch sagt: „Fleisch gehört dazu.“

Fakt sei, laut Politik hat wohl bald beinahe alles, „was uns schmeckt“ ein Ende. Jetzt vielleicht soagr auch bald die Wurst?

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