Feuerwehr ist mehr als nur ein Garant für die Sicherheit

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
10652623.jpg
Das Festzelt im Wurmauenpark war gut gefüllt. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Natürlich gehört zu einem Jubiläum, dass die Redner auf dem Podium sich alle Mühe geben, in Worte zu kleiden, was eigentlich hinter so einer Zeitspanne von 125 Jahren steckt. Und exemplarisch seien hier die Worte von Stephan Pusch wiedergegeben, der ja die Schirmherrschaft über die Feierlichkeiten der Geilenkirchener Feuerwehr übernommen hatte.

„Die Feuerwehr kommt aus einer Idee der freiwilligen Selbsthilfe heraus“, sagte der Landrat. „Und 125 Jahre lang – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – hat man die Freiwilligen für diese Arbeit gefunden.“

Das gesamte Wochenende über hat die Feuerwehr ihr Jubiläum gefeiert, was angesichts einer Zeitspanne, die ein Menschleben weit übersteigt, nur standesgemäß ist. Am Sonntag und am Samstag gab es Party und Familienprogramm, und bereits am Freitag war das lange Wochenende im Festzelt im Wurmauenpark mit geladenen Gästen eingeläutet worden. Zum Programm zählten Ehrungen, Beförderungen und musikalische Untermalung (Jukebox Modus und Soundabout), außerdem der Film „Flammenversteher und Universalhelfer“ mit dokumentarischen Material sowie die Verlesung einer von Innenminister Ralf Jäger unterschriebenen Urkunde und die Glückwünsche der übrigen Feuerwehren im Kreisgebiet. Nicht eingeplant waren Reden, jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne. Stattdessen ließ Moderator Christian Schiffers nach der Begrüßung durch Löscheinheitsführer Matthias Ludwig vier Gäste auf dem Podium in einer Gesprächsrunde zu Wort kommen, gemeinsam mit dem Landrat hatten sich dort Bürgermeister Thomas Fiedler, Kreisbrandmeister Klaus Bodden und Michael Meyer eingefunden, der Leiter der Feuerwehr.

Was also bedeutet es, in der Feuerwehr zu sein? Was die Mitglieder zu ihr bringt und dort hält, ist sicherlich der Verdienst um die Sicherheit der Allgemeinheit, das ist offensichtlich und wurde zurecht ein ums andere mal betont. Praktisch als Nebenprodukt trägt aber auch jedes Mitglied dazu bei, dass die finanzielle Situation Geilenkirchens nicht noch viel schlechter ist. Bekanntlich hat die Stadt die Genehmigung, sich keine Berufsfeuerwehr leisten zu müssen. Wäre das anders, daran erinnerte der Bürgermeister, „würde Geilenkirchen mit dem Haushalt sofort in große Schwierigkeiten geraten“. Dementsprechend bezeichnete Michael Meyer, der sich in seiner letzten Amtszeit befindet, es als seine herausragende Aufgabe, diese Genehmigung aufrechtzuerhalten. Der Weg dorthin führt einzig über die Leistungsfähigkeit.

Wie aber soll das in Zukunft funktionieren? Wie fast alle Verbände, Vereine und Institutionen ist ja auch bei der Feuerwehr der Nachwuchs keine Selbstverständlichkeit mehr. Thomas Fiedler wusste von einer Werbeaktion zu berichten, die er bei einem Besuch in Bayern gesehen hatte. „Mach deine Kinder stolz!“, habe dort auf Plakaten gestanden, die für eine Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr trommelten. Es wurde also sozusagen versucht, über die Eltern an die Kinder zu kommen. Fiedler: „Den Ansatz fand ich gar nicht schlecht.“

Fakt ist, dass die gesellschaftlichen Umstände nicht dafür sprechen, dass in der Sache eine schnelle Lösung gefunden wird. Dieser Tatsache blickt offenbar auch die Feuerwehr ins Auge. Schließlich, so Michael Meyer, sei dies eine Zeit, „in der verantwortungsbewusstes und selbstloses Handeln Einzelner zum Wohle der Allgemeinheit keine Selbstverständlichkeit darstellt“. Und Klaus Bodden erinnerte daran, dass die Einsätze schlechterdings nicht immer nur am Wochenende oder nach Feierabend gefahren würden, „da muss auch der Arbeitgeber mitspielen“. Zwar seien Feuerwehrleute gesetzlich davor geschützt, dass ihnen daraus Nachteile entstehen, die Praxis aber, wie Bodden „hinter vorgehaltener Hand“ (in Wahrheit wohl vernehmlich durchs Mikrofon) betonte, sehe manchmal anders aus.

Obgleich es nie falsch ist, Probleme offen zu benennen, war dies natürlich nicht der Rahmen, sich zu sehr im Sinnieren über aktuelle und anstehende Herausforderungen die Köpfe zu zerbrechen. Es sollte ja gefeiert werden. Auch das sollte man als Feuerwehrmann können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert