Fero liebt Müll – und alles, was damit zu tun hat

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Das Christkind kennt Feros Leidenschaft und hat ihm zu Weihnachten diese blaue Tonne gebracht. Darin bewahrt er – sorgfältig getrennt – seine Spielsachen auf. Foto: hama

Gangelt. „Was soll aus dem Kind mal werden?“ Nur wenige Eltern haben sich diese Frage noch nicht gestellt, wenn es um die Sprösslinge geht. Svenja und Dirk Jöken können sich da ganz beruhigt zurücklehnen, denn für ihren Fero ist jede Berufsberatung überflüssig.

„Ich werde Müllmann“, steht für ihn fest. Dabei ist der kleine Mann gerade mal fünf Jahre alt und besucht den Kindergarten in Gangelt. Die Schule steht erst im kommenden Jahr an. „Tja“, schauen sich Svenja und Dirk Jöken an, „wir können echt nicht sagen, wie Fero darauf gekommen ist.“ Irgendwann, da war er gerade 16 Monate alt, war er dabei, als eine Mülltonne von der Garage auf die Straße gesetzt wurde. „Der fand das damals so toll, dass er die schwere Tonne schon alleine schieben wollte und konnte“, erinnerte sich die Mama, „und dann ging es los!“ Fero interessierte sich für alles, was im Haushalt mit Müll zu tun hatte. Mahnende Worte der Eltern wie „Fero, geh‘ nicht an den Müll, das ist doch fies“, quittierte der damals einen Meter große Junge mit Unverständnis. „Nicht nur, dass er anfing, den Müll zu trennen, er wünschte sich zu Festtagen immer Geschenke, die mit Müll zu tun hatten.“

Fero managt die Mülltrennung

Rund 20 kleine Mülltonnen in allen Farben zählt Fero heute Besuchern der Familie gerne vor. Dazu gibt es Müllautos in allen Maßstäben – natürlich auch eines aus Lego, dass mit Papa zusammengebaut wurde. Müll von der dritten Etage in die Garage tragen: in vielen Familien ein täglicher Kampf. Nicht bei den Jökens. „Will ich was in den gelben Sacke tun, hat Fero den schon runtergeschleppt“, so Vater Dirk.

Ist die Sammelstelle für das Altpapier leer, wird den verstaunten Eltern mitgeteilt: „Liegt alles in der blauen Tonne!“ In neue Dimensionen stieß Fero vor, als das Christkind ihm eine große, blaue 60-Liter-Mülltonne zu Weihnachten brachte. Die steht in seinem Zimmer in Reichweite zum Bett und enthält geordnet einen Teil seiner Spielsachen. Dazu gehören auch Duplosteine, die zu Müllpaketen zusammenbaut werden, mit denen dann – sortenrein getrennt – der nächste Abfuhrtag durchgespielt wird. Abfuhrtage sind eine weitere Leidenschaft von Fero.

Die Farben kennt er genau

Er kann zwar noch nicht lesen; die Farben aber kennt er auswendig. Ob Restmüll (grau), Biotonne (braun) oder Altpapier (blau), ob gelber Sack (gelb), Sperrmüll (rot) oder Grünschnitt (grün) – da fühlt sich Fero zu Hause. Und da nicht alle Gangelter Haushalte so bewandert in den Farben und zuverlässig im Rausstellen der Mülltonnen sind, übernimmt der kleine Müllmann an einigen Stellen die Organisation. Auf die Altpapiertonne an den Samstagen hat er sich spezialisiert und organisiert das für die drei Parteien in dem Haus, in dem er mit seiner Familie wohnt.

Dann geht es zu Oma Käthe, weiter zu Tante Silke, und dann ist Mamas Schwester Britta an der Reihe. Die, Fero mag hier sein Glück kaum fassen, wohnt in einem Achtfamilienhaus. Acht blaue Tonnen auf einmal, die, wie alle anderen auch, müllmanngerecht (mit dem Griff in die richtige Richtung) an die Straße gestellt werden. Welch ein Fest für den kleinen Mann. „Freitags nach dem Kindergarten will Fero nicht zuerst essen oder sich ein bisschen ausruhen“, so Mama Svenja. „Zuerst drehen wir die große Runde und stellen die Tonnen an die Straße!“

Am Abfuhrtag sitzt Fero mit seinem Kakao am Fenster .Denn das Müllauto kommt früh in der Borheggenstraße. Viele Müllmänner kennen ihren zukünftigen Kollegen schon, und wenn sie dann zum Fenster hoch winken, dann ist das Leben einfach nur noch schön für Fero Jöken.

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