Geilenkirchen - Fehlendes Geld: Studienfahrten zu Gedenkstätten gefährdet

Fehlendes Geld: Studienfahrten zu Gedenkstätten gefährdet

Von: Georg Schmitz
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Die für dieses Jahr geplante Fahrt nach Auschwitz für 125 Jugendlichen der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, hier mit Lehrer Daniel Shoraka (vorne Mitte) ist ohne Sponsoren gefährdet. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Seit dem Jahr 2011 bietet die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen den Schülerinnen und Schülern des 9. Jahrgangs eine Studienfahrt zu den Gedenkstätten Auschwitz und Krakau. „Wir möchten, dass alle Jugendlichen unserer Schule einmal an diesen geschichtsträchtigen Orten gewesen sind“, macht Schulleiter Uwe Böken klar.

Das Ziel der Studienfahrt ist einerseits die vertiefte Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und andererseits die Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Schülerschaft. „Gerade unser östlicher Nachbar Polen ist den meisten Deutschen noch unbekannt und mit Vorurteilen besetzt“, weiß Daniel Shoraka. Der Pädagoge begleitet zusammen mit den Lehrerkollegen Larissa Graf und Adalbert Wolynski das Studienprojekt von Beginn an. So haben seit 2011 bereits rund 360 Gesamtschüler diese viertägige Fahrt unternommen und wurden mit der Vergangenheit konfrontiert.

„Der beste Weg, die bestehenden Vorurteile auszuräumen, ist und bleibt das Kennenlernen vor Ort“, sagt Daniel Shoraka und sieht das Projekt als wichtigen Schritt zur Friedens- und Demokratieerziehung. „Es geht nicht um den Sühnegedanken, sondern um Erinnern und Verantwortung“, macht der Koordinator klar. Die Jugendlichen würden in den Vernichtungslagern Auschwitz und in Krakau durch lebendige Erfahrungen hochgradig sensibilisiert.

Dies sei anders als Buchwissen, und an der Betroffenheit der Schüler sei immer abzulesen, dass eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit stattfinde.

„Die Finanzierung der Studienfahrt wurde bisher zu einem großen Teil durch die Stiftung Erinnern Ermöglichen getragen“, berichtet Daniel Shoraka. Der Förderverein der Gesamtschule als Ausrichter der Fahrt habe so den Eigenanteil für die Jugendlichen niedrig gehalten. Das sei besonders für Familien mit finanziell schwachem Hintergrund wichtig. „Das Projekt ist aber jetzt akut gefährdet, denn der Zuschuss von der Stiftung wurde aufgrund der Zinssenkungen stark zurückgefahren“, sieht Schulleiter Uwe Böken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft.

Daniel Shoraka weiß, dass für Fahrt, Unterbringung, Verpflegung und Besichtigungen rund 40.000 Euro aufzubringen sind. Viele Familien könnten sich aber einen höheren Eigenanteil als den bisherigen nicht leisten. Damit auch in diesem Jahr alle 125 Jugendlichen des 9. Jahrgangs wieder die Reise nach Polen antreten können, geht die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule jetzt auf Sponsorensuche. Deshalb hat die Schule ein Schreiben in 500-facher Ausfertigung verfasst, das die Schüler an in Geilenkirchen tätige Unternehmen verteilt haben.

Für Planungssicherheit

„Als größte öffentliche Bildungseinrichtung der Stadt Geilenkirchen erlauben wir uns, darum zu werben, Sie als Vertreter der Geilenkirchener Wirtschaft, für eine Spendenpartnerschaft mit unserer Schule zu gewinnen“, ist dem Brief zu entnehmen. Das bedeutet, dass sich ein Betrieb mit einer festgelegten, jährlichen Spendensumme beteiligen kann. „Wir brauchen die Planungssicherheit, denn ein Jahr ist schnell vorbei“, sagt Uwe Böken.

Als Ziel steht die Sammlung von 8000 Euro pro Jahr. Darüber hinaus seien auch weiterhin individuelle Spenden möglich. „Jeder Euro hilft“, betont Daniel Shoraka. Selbstverständlich könne der Förderverein auch eine Spendenquittung ausstellen, heißt es. Schulleiter und Koordinator hoffen, dass das Projekt nicht zum Erliegen kommt und die Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau auch in Zukunft stattfinden kann.

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