FDP-Vorstandsmitglied Rudzki: Ihr liberales Herz schlägt für Flugzeuge

Von: Udo Stüßer
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Bevor der kleine Peter aus der Kita kommt, wird erst einmal der Sandkasten aufgeräumt. Aufräumen will Ursula Rudzki aber auch mit der Idee, in der Innenstadt ein Awacs-Flugzeug auszustellen. „Wirtschaftlicher Unsinn“, sagt die Luftfahrzeugingenieurin und das Geilenkirchener FDP-Vorstandsmitglied. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Als ich hier in Geilenkirchen die starke CDU mit den vielen Ortsverbänden einerseits und die kleine FDP mit 18 Mitgliedern andererseits gesehen habe, standen mir die Tränen in den Augen“, sagt Ursula Rudzki, neue Schatzmeisterin des FDP-Ortsverbandes Geilenkirchen, rückblickend auf das Jahr 2014.

 Die Frau aus Bayern hat ihre politische Arbeit in Geilenkirchen in einer Zeit aufgenommen, in der die Liberalen gerade einen Selbstzerfleischungsprozess hinter sich hatten. „Nach der ersten Sitzung habe ich mich nur gewundert: Hier bröselt alles vor sich hin, die bekriegen sich ja alle.“ Nun will die temperamentvolle 44-Jährige für frischen Wind in der FDP sorgen. Dabei greift sie auf einen großen Erfahrungsschatz zurück, als Politikerin, als Betriebswirtschaftlerin und als Luftfahrzeugingenieurin.

Aufgewachsen ist Ursula Rudzki in den USA. Ihre deutschen Eltern waren ausgewandert, ihr Vater war Pilot der amerikanischen Luftwaffe. Und so hatte auch sie die amerikanische Staatsangehörigkeit. Kurz vor ihrem Abitur kam sie nach Deutschland zurück, legte in Ramstein ihre Abiturprüfung ab und studierte in Mannheim Betriebswirtschaft.

Mit dem Diplom in der Tasche fand sie ihren ersten Arbeitsplatz bei der Flugsicherung in Offenbach. „Doch hier fühlte ich mich in die Marketing-Ecke abgeschoben, ich war in die Verwaltungsecke gedriftet“, erklärt sie, warum sie das berufsbegleitende Zweitstudium Luftfahrtingenieurwesen aufnahm. In England legte sie im Jahre 2001 erfolgreich ihre Prüfung zum Dipl.-Ing. ab, zog in die Schweiz und heuerte bei Swiss Air an, wo sie in der Flugzeugwartung arbeitete. Bald darauf zog es sie nach Kanada, bei Air Canada arbeitete die Flugzeugbauerin ebenfalls in der Wartung. „2008 bekam ich Heimweh. Ich wollte zurück nach Deutschland“, erzählt sie.

Bei dem weltgrößten Hubschrauberbauer Eurocopter war sie schließlich für den Bau und die Auslieferung von Hubschraubern mitverantwortlich. „Ich freue mich immer, wenn ich den in Merzbrück stationierten Rettungshubschrauber Christoph sehe. Das ist mein Hubschrauber“, sagt sie. Bis zum Jahr 2014 arbeitete sie bei Eurocopter. 2012 lernte sie ihren Mann Klaus, Stabsfeldwebel bei Awacs, kennen. „Mit ihm wollte ich zurück nach Bayern. Da er aber nicht versetzt wurde, bin ich zur Europäischen Agentur für Flugsicherheit nach Köln gegangen.“

Vor zwei Jahren wurde Hochzeit gefeiert, das Paar kaufte sich einen Bauernhof in Kraudorf, und Sohn Peter kam zur Welt. Seit 2015 arbeitet Ursula Rudzki für das Stolberger Unternehmen CAE Elektronik, deutsche Tochter eines weltweit führenden Anbieters von Simulations- und Ausbildungstechnik für Piloten und fliegendes Personal. Derzeit befindet sie sich in Mutterschutz, in wenigen Tagen wird eine kleine Tochter zur Welt kommen.

Politisch engagiert ist Ursula Rudzki in der FDP seit acht Jahren. „Das waren die goldenen Jahre der FDP, in denen Guido Westerwelle auf Marktplätzen referierte.“ In Augsburg war sie Beisitzerin im Vorstand, war sogar Landtagskandidatin und Mitglied im bayerischen FDP-Landesfachausschuss Sicherheits- und Europapolitik. „Als Landtagskandidatin bin ich gnadenlos untergegangen, es war traurig. Aber wenn man am Wähler vorbeiredet, bekommt man nichts“, sagt sie. Weiter meint sie: „Es bleibt aber der Wille, etwas zu gestalten. Ich will etwas tun, ich will mich beteiligen.“ Seit 2006 hat sie die deutsche Staatsangehörigkeit. „Seitdem bin ich nicht nur deutscher Bürger, sondern ich darf wählen, und ich darf mitmachen.“

Die Frau, die Flugzeuge und Hubschrauber gebaut hat, die selbst einmotorige Flugzeuge gesteuert hat, hatte sich zunächst über Pläne, ein Awacs-Museum mitten in der Stadt einzurichten, gefreut. „Da habe ich gedacht: Jetzt kommt Leben in die Stadt. Dann habe ich recherchiert und festgestellt: Das ist wirtschaftlicher Unsinn. Man muss schon Realist bleiben. In mir schlägt ein wirtschaftliches Vernunftstherz“, sagt sie, die seit 2014 dem FDP-Ortsverband Geilenkirchen angehört.

Alleine die Kosten für die Wartung einer stehenden Boeing belaufen sich ihrer Rechnung nach im Jahr auf rund 250.000 Euro. „Das Metall korrodiert. Jährliche Inspektionen sind erforderlich, Teile müssen ausgetauscht, Nieten ausgebessert werden. Man muss es davor bewahren auseinanderzufallen“, sagt die Luftfahrzeugingenieurin, die auch einmal ganz grob überschlagen hat, wie teuer der Transport in die Innenstadt wird: „Da kommen wir auf einen Millionenbetrag.

Das Flugzeug muss auf dem Flugplatz zerlegt und in der Stadt wieder aufgebaut werden. “ Rudzki warnt davor, einen Projektantrag zu stellen, der nicht mit Fakten unterlegt ist und deshalb nicht umgesetzt werden kann. Sicherlich, so die Kommunalpolitikerin, solle sich Geilenkirchen als Garnisonsstadt präsentieren und so für sich werben.

„Vielleicht sollte man sich einmal mit den Verantwortlichen des Flugplatzes zusammensetzen und überlegen, was man ansonsten tun kann.“

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