Geilenkirchen - FC Germania Bauchem gewinnt den „Begegnungspreis“

FC Germania Bauchem gewinnt den „Begegnungspreis“

Von: Annika Thee
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35 Jugendliche aus der Partnerstadt Quimperlé haben fünf Tage mit ihren Freunden des FC Germania Bauchem verbracht. Foto: Martin Coenen
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Die erste Vorsitzende, Christel Coenen, hat den Austausch mit organisiert und begleitet. Foto: Annika Thee

Geilenkirchen. Der FC Germania Bauchem ist ein Aushängeschild der Stadt Geilenkirchen. Vielfalt und Toleranz sind die Werte, auf denen der Verein gründet. „Auf dem Platz sind alle gleich – und neben dem Platz auch“ lautet das Motto, dem sich die knapp 700 Mitglieder verschrieben haben.

Dass das ehrenamtliche Engagement des Vorstands und unzähliger Helfer nicht selbstverständlich ist, zeigt die Auszeichnung der Sparkassen-Stiftung, die dem FC Germania dafür den „Begegnungspreis“ verleiht. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre an Personen oder Vereine vergeben, die sich „besonders aktiv und herausragend für die Förderung der Völkerverständigung einsetzen“, heißt es von Seiten der Kreissparkasse Heinsberg.

Der Verein konnte sich gegen 15 andere Bewerber durchsetzen. Integration ins Vereinsleben und Völkerverständigung durch intensive Austauschprogramme sind für den FC Germania schon seit vielen Jahren Teil seines Selbstverständnisses. In diesem Jahr fand der Austausch der B-Juniorenmannschaft mit ihrem französischen Pendant FC Quimperlois aus Geilenkirchens Partnerstadt Quimperlé bereits zum 25. Mal statt.

Insgesamt haben bereits 650 Jugendliche an dem Austausch teilgenommen. „Das Engagement von Germania Bauchem hat sich mit Blick auf die Nachhaltigkeit sowie die Reichweite der Maßnahmen zur Völkerverständigung hervorgehoben“, heißt es in der Begründung der Jury.

Feste Freundschaften entstanden

Über die Jahre sind feste Freundschaften zwischen den Jugendlichen entstanden, die auch bis ins Erwachsenenalter gehalten haben. „In diesem Jahr kamen uns auch Mädchen aus Frankreich besuchen, da gab es sogar die ein oder andere Romanze“, verrät Christel Coenen. Sie ist seit 1996 Mitglied des Vereins und inzwischen erste Vorsitzende. Gemeinsam mit Geschäftsführer Markus Diederen organisiert sie nicht nur den Austausch mit der Partnerstadt, sondern viele verschiedene Integrations- und Austauschprogramme, an denen der Verein beteiligt ist oder die er selbst ausrichtet.

Die B-Jugend des Vereins hat in der Vergangenheit am Austausch der Sportjugend Kreis Heinsberg ins russische Arsamas teilgenommen. „Die Kinder waren begeistert, haben aber auch die großen Unterschiede zu unserer Kultur kennengelernt“, erzählt Coenen. Auch den Euro-Jugendtreff hat der FC Germania einige Male mitorganisiert und so das Zusammentreffen von Russen, Rumänen, Belgiern, Polen und Deutschen ermöglicht.

In dem Verein, der 1909 als reiner Fußballverein gegründet wurde und inzwischen auch Gymnastik und Kampfsport anbietet, kommen Menschen aus 30 Nationen zusammen. „Unsere Vereinsmitglieder kommen aus Sri Lanka, den Vereinigten Staaten, Portugal, Italien, Spanien und noch vielen anderen Ländern“, sagt Coenen.

Auch 20 Flüchtlinge sind Mitglied beim FC Germania, sie spielen in den verschiedenen Jugendmannschaften, einige kicken auch bei den Senioren. „Bei uns gibt es keine Berührungsängste. Jeder hilft jedem und soll mit jedem gut auskommen“, sagt Coenen. „Die Kinder lernen schon von klein auf, dass wir hier eine Gemeinschaft sind.“

Die Flüchtlinge erhalten hier viel Unterstützung und lernen schnell deutsch. Unter ihnen sind auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, die im Vereinsleben wichtigen sozialen Zusammenhalt und neue Freunde finden. Erst zu Beginn des Monats hat der FC mit dem Film „Bauchemer Kids aus allen Nationen“ den zweiten Platz beim Integrationspreis des Fußballverbands Mittelrhein gewonnen.

Hilfe auch neben dem Platz

Die Unterstützung für Flüchtlinge findet aber auch außerhalb der Trainingseinheiten statt. Kinder und Jugendliche, die aus ihrer Sportkleidung oder den Fußballschuhen herauswachsen, geben sie ganz selbstverständlich an die Flüchtlinge weiter. Einige Eltern hätten sogar neue Schuhe für die Flüchtlinge gekauft, wenn diese eine spezielle Größe benötigen. Aus dem großen Unterstützer- und Freundeskreis des Vereins kommen weitere Angebote hinzu, beispielsweise für Praktikumsplätze.

„Wir haben hier noch nie schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Coenen, „wir versuchen jeden zu integrieren“. Das beziehe sich nicht nur auf die Flüchtlinge, sondern auf alle Mitglieder, die aus anderen Nationen stammen. Jeder trage seinen Teil zum Vereinsleben bei und habe Spaß daran, dem anderen seine Kultur vorzustellen – nicht nur auf Rasenplatz oder im Vereinsheim, sondern in der gesamten Nachbarschaft.

Dass der Verein so viele Aktionen auf die Beine stellen kann, liegt am unermüdlichen Einsatz des Vorstands, aber auch an der Hilfe vieler Eltern und Jugendlichen. „Wir leben für den Verein und für den Fußball“, sagt Coenen, „aber ohne unser Team wäre wir aufgeschmissen“. Für jede Aktion melden sich genügend Freiwillige aus den eigenen Reihen, die bei Aktionen wie dem Fest der Begegnung oder dem zur WM angebotenen Public-Viewing aushelfen.

„Wir machen uns die Mühe, uns zu kümmern, und wir geben dieses Engagement an die Jugendlichen weiter, damit sie eines Tages diese Aufgaben übernehmen können“, sagt Coenen. Das Preisgeld vom Begegnungspreis wird in die Kasse für die Jugendarbeit fließen, denn auch in Zukunft sollen die Projekte weiterlaufen. „Wir sind immer offen für neue Projekte“, sagt Coenen, „aber wir machen erstmal weiter wie bisher“.

Das bedeutet, weiterhin die Freundschaft zu Menschen aus anderen Nationen pflegen. Denn auf dem Platz sind alle gleich.

 

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