Fastenaktion unter einem anderen Blickwinkel

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Beim Kommunikationsspiel war das Miteinander der Motor zum Erfolg. Rechts Ilse Schuhmacher, die während der Fastenzeit viel telefoniert hat. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Wieso ruft Ilse denn jetzt an, ist was passiert?”, mögen sich rund drei Dutzend Leute gefragt haben. Dass Ilse „einfach so” mal anruft, ist nämlich nicht normal; Ilse Schumacher ist ein Telefonmuffel, liebt eigentlich das Gespräch von Angesicht zu Angesicht viel mehr.

Ilse Schumacher, die ehemalige Lehrerin, war eine von zwölf Teilnehmern der Fastenaktion „Sieben Wochen ohne”, die diesmal den Zusatz „Ausreden” hatte.

„Schluss mit faulen Ausreden” ist der Tenor. Da gab es die unterschiedlichsten Ansätze in der Gruppe, die sich in der Fastenzeit sieben Mal in der evangelischen Friedenkirche traf, um zusammenzuwachsen, sich gegenseitig zu stützen, Mut zu machen und von den Erfahrungen der anderen zu hören und zu profitieren. Für Pfarrerin Anja Fresia war dies die zweite Gruppe, die sie leitete. Fasten kennt sie aber seit Jahren und hat in der aktuellen Runde viele „spannende Blickwinkel” ausgemacht.

Bevor die ersten Teilnehmer in der Kirche eintrafen, hatte Anja Fresia eine „gestaltete Mitte” geschaffen, in der Symbole der Vorhaben der Fastenden zusammenfanden. Rührig die Stofftiere, die für den Verzicht auf Fleisch standen. Natürlich waren auch die Klassiker Süßigkeiten, Wein und Bier dabei. Hier war Hans-Ernst Ladbeck mit von der Partie. Er hatte allerdings schon zu Beginn der Aktion einen Tag Auszeit angekündigt. Das war der Tag der Hochzeit seiner Tochter, wo er mit einem Glas Sekt beim Anstoßen und später einem Tischwein dabei sein wollte. Ansonsten blieb der abendliche Wein oder das Bier weg.

„Zu meinem Erstaunen ging das problemlos”, freut er sich über die Erkenntnis und vier Kilogramm weniger Körpergewicht. Martina Supplie-Kötz und ihr Ehemann Lothar hatten zum Alkohol noch die Süßigkeiten gepackt. „Wir haben das komplett durchgezogen und sind stolz auf uns”, lachen beide in die Runde. „Zufrieden” mit ihrer Aktion war auch Margret Babylon, die mit ihren Söhnen mindestens zweimal pro Woche auf Fleisch verzichtete.

Im Kreis lag eine Postkarte, die einen Indianer ruhig über das weite Land blickend zeigte. Die symbolisierte das Projekt von Pfarrerin Anja Fresia: Ruhe und Geduld. Sich ihr Vorhaben immer wieder in Erinnerung rufend, hat sie, wie viele der anderen auch, erfahren, dass man an sich und seinem Vorhaben ständig arbeiten muss - kleine Ausrutscher einbeziehend. Was die Fernbedienung bedeutete, ist klar, die Turnschuhe Sport treiben, das Memoryspiel stellvertretend für die Absicht, mehr Zeit für die Familie aufzubringen.

Schöne Gespräche

Aufwändig war das, was Anja Isbanner-Erdner sich vorgenommen hatte. Plastikmüll wollte sie reduzieren und schaffte es, mit viel Zeit und Suchen nach alternativen Verpackungen rund anderthalb gelbe Säcke im Zwei-Wochen-Rhythmus einzusparen. Dann lag da noch ein Handy. Das stand nicht für das, was man im ersten Moment denkt: sieben Wochen keine akustische Umweltverschmutzung im alltäglichen Leben. Das war das Ilse-Schumacher-Projekt und stand für „schöne Gespräche, verwunderte Telefonpartner” und die Erkenntnis, dass Telefonieren doch gar nicht so schlimm ist.

Sich einer Sache zu stellen, sich zu öffnen und zu offenbaren, ist die eine Seite der Fastenaktion. Jede der sieben Wochen hatte aber auch ein anderes, vorgegebenes Thema, das eine intensive Beschäftigung mit seinen Gedanken, seinem Verhalten und mit seinen persönlichen Schwächen zu tun hatte. Um Verantwortung dreht es sich beispielsweise bei „Warum hast du das getan”, aus dem Buch Genesis. „Fürchte dich nicht” (Jeremia 1,4-9) verlangte, sich Herausforderungen zu stellen. Und „Es ist nichts verborgen” aus dem Matthäus-Evangelium beschäftigte sich mit dem Kern des Glaubens: „Ich bekenne mich”. Hier ging es um ein sehr persönliches Auseinandersetzen.
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