Gangelt - Familienzentrum Lindenbaum wird als „Sprach-Kita“ vom Bund gefördert

Familienzentrum Lindenbaum wird als „Sprach-Kita“ vom Bund gefördert

Von: Kristina Toussaint
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Gemeinsam lesen, entdecken und erzählen, was man sieht: Elke Bougie ist Fachkraft für sprachliche Bildung in der „Sprach-Kita“ Lindenbaum in Gangelt und begleitet die alltagsintegrierte Sprachförderung in allen vier Gruppen. Foto: Kristina Toussaint

Gangelt. Russisch, Niederländisch, Griechisch, Finnisch, Rumänisch, Arabisch, Englisch und Persisch – die Kinder, die die Kita Lindenbaum in Gangelt besuchen, bringen es auf ein großes Sammelsurium, wenn es darum geht, welche Sprache zu Hause gesprochen wird.

Die bunte Mischung kommt insbesondere dadurch zustande, dass hier viele Kinder aus den Niederlanden ihren Alltag verbringen, und die Kita für die Kinder von Beschäftigten des Awacs-Verbands nur einen Katzensprung entfernt ist. Hinzu kommen Kinder mit Flucht- oder sonstigem Migrationshintergrund – so dass die Kita insgesamt elf Nationen zählt.

Um allen Kindern zu ermöglichen, dass Deutsch sich vor dem Start in die Schule nicht mehr wie eine Fremdsprache anfühlt, nimmt das Familienzentrum Lindenbaum seit Anfang 2016 am Bundesprogramm „Sprach-Kita“ teil. Bis 2020 wird die sprachliche Bildung durch die Finanzierung einer halben Fachkraftstelle gefördert. „Gute Sprachkompetenzen eröffnen Kindern den Weg zu einer guten Bildung“, sagt Kita-Leiterin Irmgard Caron.

Indirekte Sprachbildung

„Nur bis zum Alter von 24 Monaten ist es Kindern möglich, zwei Sprachen gleichwertig zu lernen“, erklärt Elke Bougie, die die besagte Fachkraftstelle im Familienzentrum Lindenbaum bekleidet. Danach müsse eine Sprache immer erlernt werden. Jahrelanges Pauken, wie es ab dem Teenageralter kaum vermeidbar ist, wenn eine neue Sprache auf dem Stundenplan steht, ist bei den Kindern im Vorschulalter allerdings nicht nötig, räumt Caron ein. „In der Regel können die Kinder nach rund sechs Monaten problemlos Alltagsgespräche auf Deutsch führen.“

Die Einbindung in den Alltag sei auch, was die moderne Sprachbildung ausmacht, erklärt Bougie. „Wir praktizieren vorwiegend eine indirekte Sprachbildung“, sagt sie. Das bedeutet, dass die Kinder nicht zu einem festen Termin zum Sprachförderunterricht gehen, sondern die Erzieherinnen den bewussten Einsatz von Sprache in den gemeinsamen Tagesablauf mit den Kindern einbinden.

Das umfasst, dass auch bei simplen Aktivitäten wie dem Tischdecken oder dem Schuheanziehen angeregt wird, über das, was man tut und sieht, zu sprechen. Bougie leitet die Erzieherinnen in regelmäßigen Teamsitzungen und im täglichen Umgang mit den Kindern an: An vier Tagen in der Woche begleitet sie jeweils die Igel-, Marienkäfer-, Mäuse- und Raupengruppe. Und hört ganz genau zu, wie miteinander gesprochen wird.

„Das Ganze ist natürlich schon ein bisschen heikel“, sagt Caron, „ich setzte hier jemanden ein, dessen Aufgabe ist, die anderen Mitarbeiter zu beobachten.“ Die Gratwanderung zwischen Kontrolle und Unterstützung meistere das Team aber gut. Alle Mitarbeiter würden ihre Sprache auch selbst genauer beobachten, sie bewusster, reduzierter und überlegter einsetzen. „Fragen werden deutlicher formuliert, Kinder direkter angesprochen“, bemerkt Caron.

Multilinguales Memory

Zu Hause die Sprache der Eltern, in der Kita Deutsch – diese klare Trennung sei besonders wichtig, erklärt Bougie. Das heißt aber nicht, dass von der sprachlichen und kulturellen Vielfalt nicht auch profitiert wird. Gemeinsam mit den Kindern hat die Spracherzieherin Bekanntes aus der Kita fotografiert – und dann mit den Eltern die abgebildeten Gegenstände in allen vertretenen Sprachen benannt. So ist ein multilinguales Memory-Spiel entstanden.

Das Konzept der „Sprach-Kita“ umfasst neben der alltagsintegrierten Sprachbildung zwei weitere Bausteine: die Inklusion und die Einbindung der Eltern. „Inklusion leben wir hier zu einem guten Stück bereits, indem wir versuchen, jedes Kind seiner Entwicklung entsprechend zu begleiten“, sagt Caron. Das Wort „Behinderung“ falle in der Einrichtung gar nicht.

Der Inklusionsaspekt soll in Zukunft noch mehr auf sprachliche Entwicklung bezogen werden. Auch versuche man, die Eltern in Sachen sprachlicher Bildung zu sensibilisieren. „Es ist wichtig, sich nicht immer nur auf die Defizite zu stürzen“, erklärt Bougie. „Man muss dem Kind auch Zeit lassen, Dinge richtig zu machen.“

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