Familien-Bauernhof: Gemeinsam geträumt, von ihr geplant

Von: Ines Kubat
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Im Haus von Astrid und Willi Horrichs treffen Tradition und Moderne aufeinander. Foto: Ines Kubat

Gangelt. Nein, eine Schwalbe allein macht noch keinen Sommer, das weiß man aus dem alten Sprichwort. Wenn eine Schwalbe aber am Haus ein Nest baut, sehen das viele Menschen dennoch als gutes Zeichen. Jahr für Jahr brüteten die Vögel an dem Bauernhaus, in dem Willi Horrichs aufgewachsen ist: Wenn man den Kopf ganz tief in den Nacken legte, konnte man die kleinen Nester in der Ecke unter dem Torbogen erkennen.

Doch vom einen auf den anderen Tag kamen die Schwalben nicht mehr: Als Willi Horrichs und seine Frau Astrid im August 2009 den Spaten zum großen Umbau ansetzten und den damaligen Viehstall seiner Eltern abrissen, blieben die schwarz-weiß gefiederten Untermieter fortan fern.

Seit knapp viereinhalb Jahren wohnen Willi und Astrid Horrichs nun schon gemeinsam in Gangelt-Hastenrath. An der Hauptstraße stehen die regionstypischen roten Steinhäuser wie an einer Perlschnur aufgereiht. Eines gleicht dem anderen. Doch seit Dezember 2012 gibt es einen auffälligen Bruch: Dort, wo früher noch der Stall der alten Horrichs war, steht nun ein moderner grau-weißer Kubus – ohne Fenster zur Straße.

Kuh und Ochse

Einzig der Eingangsbereich erinnert noch daran, dass früher Kuh und Ochse schliefen, wo jetzt das junge Paar wohnt: Denn der ursprüngliche Torbogen durfte bleiben. Stroh und Lehm blitzen dort von der alten Decke hervor. „Eine moderne Haustür hätte einfach nicht zum Hof gepasst“, sagt Willi Horrichs. Das Klingelschild indes ist aus kühl glänzendem Metall gefertigt. „Bauernhof ja, aber mit Bauhausstil“, erklärt die Architektin Astrid Horrichs die außergewöhnliche Gestaltung. Denn sie wollten neu bauen, aber gleichzeitig „das Erhaltenswerte bewahren“. Diese Kombination zwischen Tradition und Moderne zieht sich wie ein roter Faden durch den Anbau, der am kommenden Wochenende beim Tag der Architektur zu besichtigen ist, den die Architektenkammer organisiert.

Als das Paar sich entschied, nach Gangelt zu ziehen, stand schnell fest, dass es auf dem Grundstück von Willi Horrichs Eltern leben wollte, aber eben nach eigenen – sehr modernen – Vorstellungen.

Geträumt wurde gemeinsam, entworfen hat sie. Der Stil des Anbaus steht nun im krassen Kontrast zu den kleinen gedrungen Zimmern eines Bauernhauses – es ist großzügig geschnitten, offen und sehr hell. Die frei „schwebende“ Treppe und die Galerie im ersten Stock erinnern an ein Großstadt-Loft. Der fließende Übergang aus der Küche ins Ess- und Wohnzimmer lässt den Innenbereich zu einem einzigen großen Raum werden. Ein Graus für Heizkostensparer? Nicht unbedingt, denn gleichzeitig hat Astrid Horrichs riesige, gegenüberliegende Fenster in die Planung integriert: Sie lassen so viel Sonnenlicht einfallen, dass die Wohnfläche selbst im Winter um einige Grad erwärmt wird.

Vom Wohnraum im Erdgeschoss geht die Glastür zum aufgeräumten Garten mit Pool auf. Zur anderen Seite kann man in den historischen Innenhof des Bauernhauses treten. Denn der Neubau schmiegt sich passend in die alte Baustruktur ein: Bewusst hat das Paar beim Entwerfen darauf geachtet, dass der Neubau das Haupthaus nicht überragt. Dessen Integrität wollten sie bewahren, denn Willi Horrichs Vater hatte den Hof bereits von seinem Vater übernommen. Wie alt die Gebäude genau sind, weiß niemand. „Wir schätzen, dass sie in den 1920ern oder 1930ern erbaut wurden. Vielleicht sind manche Teile aber auch älter.“

Bei so viel Tradition ist es verständlich, dass Willi Horrichs Eltern zunächst skeptisch waren, was den Neubau anging. Als sie aber an einem kleinen Modell sahen, was geplant war, zeigten die Daumen doch nach oben, erinnert sich Astrid Horrichs. Ihr Mann glaubt, dass seine Eltern vor allem froh waren, dass sie sich entschieden hatten, nach Gangelt zurückzukehren. Wie viele junge Leute hatte er zunächst sein Heimatdorf verlassen, und Erben für familienbetriebene Bauernhöfe finden sich heutzutage eher selten. Auch ihm stellte sich also irgendwann die Frage, was man mit den Gebäuden anstellen könnte, als die Landwirtschaft aufgegeben war und seine Mutter den Hof nicht mehr allein in Schuss halten konnte.

Kleine Allee

Verkaufen oder abreißen stand für Willi Horrichs, der bis vor Kurzem selbst noch nebenerwerblich Landwirtschaft betrieb, allerdings nicht zur Debatte. Woanders zu wohnen scheint für ihn genauso wenig denkbar. Das wird klar, wenn er durch die Räume seines neuen Hauses führt. „Da hinten, das sind unsere Felder“, sagt er und zeigt mit dem Finger in die Ferne. „Ich brauche einfach große Fläche um mich herum.“ Willi Horrichs scheint so tief verbunden mit seiner Heimat wie die Schwalben. Denn genau wie er selbst sind die Vögel zurückgekehrt in sein Elternhaus: Seit knapp einem Jahr bauen sie hier wieder ihr Nest. Wieder in der Ecke unter dem Torbogen – genau wie früher.

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