Übach-Palenberg - Familie Wintgens: Leben mit den Pferden und für die Pferde

Familie Wintgens: Leben mit den Pferden und für die Pferde

Von: Leandra Kubiak
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Geschicklichkeit und Tempo sind gefragt: Andreas und Monika Wintgens bei einem Turnier in Biblis. Foto: Leandra Kubiak

Übach-Palenberg. Ein ruhiges Temperament, hohes Körpergewicht und ein enormes Leistungsvermögen – das zeichnet Kaltblutpferde aus. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Gelassenheit und Zugkraft der Tiere für die Arbeit in der Landwirtschaft geschätzt, dort wurden sie vor allem als Zugtiere eingesetzt.

Heute ist es eher schlecht bestellt um die sanften Schwergewichte: Für den Pferdesport sind sie nicht besonders geeignet und auch in der Zucht sind sie eher unbeliebt. Die Zahl der Pferde nimmt ab, die Landwirtschaftskammer des Landes Nordrhein-Westfalen listet das Rheinisch-Deutsche Kaltblut gar als vom Aussterben bedrohte heimische Tierart.

Gewissermaßen ist es also auch im Sinne des Artenschutzes, dass Kaltblüter Andreas Wintgens Hobby sind. Und seit dem Jahr 2000 außerdem sein Beruf. Auf seinem Hof auf der Heerlener Straße in Scherpenseel halten er und seine Frau Monika derzeit zehn eigene Pferde, nicht nur, aber auch Kaltblüter. „Wir leben mit den Pferden, von den Pferden und für die Pferde“, sagt er. Von Zucht und Fahrsport allein könne man jedoch nicht leben.

„Der Fahrsport ist wenig populär“, bedauert Wintgens. Viel verdienen könne man damit nicht. Neben den Teilnahmen an sportlichen Events bietet Andreas Wintgens auch Fahrkurse an. Teilnehmer können bei ihnen verschiedene Abzeichen machen. Gelegentlich gebe es auch mal Hochzeitsfahrten mit der Kutsche.

Seine Leidenschaft für Kaltblüter hat Andreas Wintgens Anfang der 90er für sich entdeckt. Alles ergab sich durch einen Zufall. Für seinen Vater hatte er nach einem Pferd gesucht und stieß dabei auf die Kaltblutstute Tanja, die damals zum Verkauf stand. Später stellte er dann fest, dass Tanja Papiere, also eine Art eingetragenen Stammbaum hatte, und begann nach und nach mit der Zucht.

„Das Pferdegen habe ich von meinem Vater“, sagt der 48-Jährige. Der sei Pferdesportler gewesen und habe den Hof seiner Eltern übernommen, für den heute Andreas Wintgens zuständig ist. Auch er begann in seiner Jugend mit dem Dressur- und Springreiten. Mit 20 nahm die Liebe zu den Pferden ab, einige Jahre später zog es Wintgens dann aber doch wieder in den Stall. Heute reitet er zwar nicht mehr aktiv, dafür entdeckte er aber seine Leidenschaft für das Fahren eines Pferdegespanns. In den 90er Jahren hat er mit dem Sport begonnen. Zuerst waren es zwei, später wurden dann vier Pferde eingespannt. Eine Besonderheit: Eine Zeit lang fuhr sein Gespann mit vier sogenannten Vollschwestern, den Stuten Paddy, Pinar, Paula und Polly – allesamt Töchter von Stute Tanja.

Stolz ist Wintgens vor allem auf eine seltene Auszeichnung: Die Stute Tanja erhielt das Leistungsabzeichen, da sie nicht nur in der Zucht, sondern gleichzeitig auch im Sport erfolgreich war. Kaltblüter für den Pferdesport zu nutzen sei schwierig, sagt Wintgens. Eigentlich seien sie nicht geeignet. Gemeinsam mit seiner Frau Monika hat er sich der Herausforderung trotzdem gestellt. Mit seinen Kaltblütern und dem Wagen hat das Paar an Vielseitigkeitsturnieren teilgenommen, und das sogar bis zur sogenannten schweren Klasse, also der Klasse mit den höchsten Anforderungen, in der sie sich auch gegen Warmblüter behaupten mussten.

„Wir hatten sehr gute Erfolge mit den Tieren, aber irgendwann stoßen sie in den Wettkämpfen an ihre Grenzen“, sagt Wintgens. Ein Kaltblüter sei eben nicht dazu geschaffen, schnell Tempo aufzunehmen. Ab einem bestimmten Punkt kommen sie an die Leistungen der Warmblüter nicht mehr heran.

2011 sind Andreas und Monika Wintgens daher im Fahrsport von den Kaltblütern auf Warmblüter umgestiegen. Aufgegeben haben sie die Kaltblüter aber nicht. Sie züchten nach wie vor und haben damit großen Erfolg: Erst im Juni wurde ihre dreijährige Stute Amelie Siegerstute der Euregio-Pferdeshow im Dressurstadion in der Soers. Amelie sowie Stute Nadja haben sich durch die erfolgreiche Teilnahme an dem Wettbewerb außerdem für die Elite-Stutenshow am 23. Juli auf Schloss Wickrath – der Zuchtorganisation für Pferdezüchter im Rheinland – qualifiziert.

Mit ihren Warmblütern nehmen die Wintgens an Wettbewerben mit einem Vierspänner in der Klasse der Großpferde teil. In der Vielseitigkeit treten sie dann in den Kategorien Dressur, Gelände und Hindernisfahren an. Gelände und Hindernis sind ihre Stärken, da sind sich die beiden einig. Beim Hindernisfahren gilt es, Hindernisse, die nur minimal breiter sind als das Gespann selbst, möglichst schnell zu durchfahren. Im Gelände muss – ebenfalls in möglichst kurzer Zeit – ein Geschicklichkeitsparcours bewältigt werden.

Die Aufgaben sind klar verteilt

Bei den Wettkämpfen ist vorgeschrieben, dass sich drei Fahrer auf dem Wagen befinden. Die Aufgaben sind dabei klar verteilt: Andreas Wintgens sitzt vorne und lenkt das Gespann, Monika Wintgens steht hinter ihm und hat den Parcours, also auch die bestmögliche Route, im Blick und assistiert ihm. Ganz hinten fährt Peter Evertz mit, ein Freund des Paares, der in den Kurven das Gewicht ausgleicht, damit der Wagen die Bodenhaftung behält.

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