Familie mit Pistole und Machete bedroht

Von: Stefan Reiners
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Der 25-Jährige muss sich vor dem Schöffengericht in Geilenkirchen verantworten. Ob der Angeklagte wirklich der Täter ist, wird noch geklärt. Symbolbild: Fotolia/Hans-Jörg Nisch

Geilenkirchen. Ein 25-Jähriger aus Heinsberg muss sich jetzt vor dem Geilenkirchener Schöffengericht verantworten, weil ihm ein Überfall auf eine Leiffarther Familie vorgeworfen wird. Die Anklage zeichnet ein erschreckendes Bild.

James soll zwei Tage vor Heiligabend des Jahres 2014, gemeinsam mit einem bislang nicht ermittelten Täter, in das Haus der Familie D. gewaltsam eingedrungen sein. Die dort zunächst angetroffenen Personen – das Ehepaar D. sowie ein Sohn – seien laut Staatsanwaltschaft mit einer Schreckschusspistole und einer Machete eingeschüchtert und bedroht worden. Die durch Skimasken unkenntlich gemachten Täter hätten „Wo ist der Roller? Ihr habt meinen Roller geklaut!“ geschrien und die mitgeführte Pistole der 57-jährigen Hausfrau unmittelbar an den Kopf gehalten. Es sei im weiteren Verlaufe zu einem Handgemenge gekommen, bei dem sich zwei Schüsse lösten. Hierdurch habe der 54-jährige Familienvater ein Knalltrauma erlitten. Der aus der oberen Etage von den Tätern herbeigeholte zweite Sohn soll mehrmals mit der Pistole geschlagen worden sein.

Dass es am 22. Dezember 2014 im Hause der Familie D. zu diesen Vorfällen tatsächlich gekommen ist, steht wohl fest. Die einzig aber entscheidende Frage ist, ob der Angeklagte dabei gewesen ist. Er selbst bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement. Hierzu vom Vorsitzenden Richter Thomas Schönig befragt, gab er an, er kenne die Familie D. überhaupt nicht, besitze keine Waffe und „haue auch niemandem auf die Fresse.“ „Ich habe doch selber erst im Februar 2015 von meiner Schwiegermutter erfahren, dass mein Roller geklaut war“, betonte er. „Ich hatte den bei der Familie B. untergestellt. Ich dachte, der wäre da sicher.“

Weder das Ehepaar noch einer der Söhne konnten tatsächlich bestätigen, dass der Angeklagte die ihm vorgeworfene Tat begangen hatte. Zwar war einem der Täter beim Kampf die Skimaske abgerissen worden. Dessen Gesicht hatte von diesen drei Zeugen jedoch niemand gesehen. Aufgefallen war allen bei diesem Täter allerdings die markante, lange, rote Lockenmähne, die dieser zu diesem Zeitpunkt trug und die zur Haarpracht des Angeklagten – wenn bei diesem auch deutlich kürzer – zu passen schien. „Ich habe immer noch Angst,“ räumte Gisela D. offen ein, um dann hinterherzuschicken: „Warum haben Sie den zweiten Täter noch nicht?“ Der Richter antwortete wahrheitsgemäß mit einer Gegenfrage: „Haben wir denn den ersten Täter?“

In diesem Punkt war sich der am Schluss vernommene Zeuge, der zweite im Haus befindliche Sohn, hingegen absolut sicher. „Ich kenne den Angeklagten, den habe ich vorher bei der Familie B. schon gesehen, als ich da gearbeitet habe. Auf den polizeilichen Fotos habe ich ihn dann wiedererkannt“, gab er sichtlich erregt zu Protokoll. „Ich habe mit ihm gekämpft und ihm die Maske heruntergerissen. Dabei habe ich ihn genau gesehen.“

Eben diese Maske, die am Tatort zurückgelassen wurde, ergab bei erster Untersuchung aber leider keine so eindeutigen Ergebnisse, wie vom Gericht erhofft.

Der Sachverständige Dr. Stefan Kuhlmann vom Landeskriminalamt erklärte, nach Auswertung der vorgefundenen DNA-Spuren in der Mütze habe sich ergeben, dass diese hauptsächlich von einer weiblichen Person stammen. Beigemengt seien zwar auch Spuren, die möglicherweise vom Angeklagten stammen könnten, sicher könne das jedoch keinesfalls gesagt werden.

Die vom Gericht angeforderte weitere Untersuchung der DNA-Spuren wurde bisher nicht vom Sachverständigen persönlich vorgenommen, was nun nachgeholt werden soll. Es wird daher nach Erstellung dieses Gutachtens einen neuen Verhandlungstermin geben, der allerdings noch nicht feststeht. Hier werden auch die Zeugen noch einmal gehört werden.

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