Falsch deklarierte Eier: Händler aus der Region setzen auf Qualität

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
5065775.jpg
Da staunt das Huhn von Hildegard Volles nicht schlecht: Beim Thema „falsch deklarierte Eier“ kann es nur munter gackern. Gemeinsam mit 449 Hähnen und Hennen lebt es in einem mobilen Hühnerstall mitten auf dem Feld, ernährt sich von ökologischem Futter und legt jeden Tag frische Bio-Eier. Foto: Laura Beemelmanns
5065796.jpg
Hier darf das Huhn noch Huhn sein: Hildegard Volles bei ihren 450 Hennen und Hähnen. Foto: Laura Beemelmanns
5065798.jpg
Aus der Region für die Region: Obst- und Gemüsehändler Stephan Klumpen bezieht seine Waren direkt vom Erzeuger. Foto: Laura Beemelmanns

Geilenkirchen. Kaum setzt Hildegard Volles einen Fuß in den Hofladen, wird sie auch gleich von einem neugierigen Kunden gefragt: „Wo kommen die Eier denn her?“ „Die sind von uns“, sagt sie voller Stolz. Da wurde nichts falsch deklariert. Zudem beschreibt sie noch den Weg zu den Hühnern, damit der Kunde sich bei der nächsten Radtour auch selbst überzeugen kann.

Aus Bio-Eiern werden Eier aus Bodenhaltung und zuguterletzt wurde ein Gastronomieversorger aus Eschweiler-Weisweiler mit Rinderhackfleischgranulat beliefert, in dem pferdespezifische DNA festgestellt wurde. Der sogenannte Lebensmittelskandal ist also längst bei uns angekommen.

Was kann man als Verbraucher eigentlich noch glauben und was nicht? Und wie schützt man sich davor? Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben sollen falsch deklariert in den Handel gelangt sein.

Regionale Händler

Der Lebensmittelskandal weitet sich aus und vorerst scheint kein Ende in Sicht. Als Verbraucher hat man wenig Chancen nachzuvollziehen, wo genau das Frühstücksei nun her kommt und ob in Lasagne, Burgern und Granulat wirklich das drin steckt, was auch drauf steht. Viele Bürger in Geilenkirchen setzen auf Händler, denen sie vertrauen, die sie kennen und von denen sie wissen, dass sie die Waren entweder selbst anbauen oder produzieren und genauestens überprüfen, wo sie herkommen. Eine von ihnen ist Hildegard Volles (50).

Seit September 2012 ist sie mit ihrem Hofladen „Hildes Grünzeug“ in Geilenkirchen vertreten. Zuvor verkaufte sie ihre Waren sieben Jahre lang auf dem Geilenkirchener Wochenmarkt und nun sogar auf Aachener Märkten. Und sie hält sich an vier ganz strenge und für sie wichtige Regeln: „1. Es muss ,Bio‘ sein, 2. aus eigenem Anbau stammen, 3. wenn das nicht möglich ist, dann zumindest aus der Region und 4. die Wege müssen nachvollziehbar sein“, sagt sie. „Das finde ich sehr wichtig. Je größer die Strukturen, desto undurchsichtiger wird es“, so Volles weiter. „Wir haben bis zu 40 Kulturen im Jahr, die wir selbst anbauen. Doch die Kunden freuen sich über ein Vollsortiment. Im Winter stammt der Kohlrabi dann auch schonmal aus Italien“, erklärt Volles.

Sie ist dem Bioland-Verband angeschlossen, dem führenden ökologischen Anbauverband in Deutschland. Heute arbeiten über 5719 Biobauern und 989 Lebensmittel-Hersteller wie Bäckereien, Metzgereien, Molkereien, Brauereien, Mühlen, Restaurants und Safthersteller nach den Bioland-Richtlinien. Und die seien wesentlich strenger als die der üblichen Kontrollstellen, weiß Volles.

Seit November 2012 gibt es in ihrem Hofladen auch Eier aus eigener Haltung. 450 putzmuntere Hennen und einige wenige Hähne lassen es sich in zwei mobilen Hühnerställen mit großem Auslauf auf dem Feld gut gehen. Und die legen rund 330 Eier am Tag, die unmittelbar danach in ihrem Laden landen.

„Jeden Tag sammelt unser Mitarbeiter Jonathan die Eier ein“, sagt sie. Dann werden sie mit einem Stempel versehen. Den haben sie vom Landesamt Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Daran können die Verbraucher erkennen, ob das Ei aus Biohaltung, Freiland-, Boden- oder Käfighaltung stammt, dass es – in ihrem Fall – aus NRW kommt und anhand der Betriebsnummer, dass es von Hildes Hühnern gelegt wurde. Und wer die Hühner sehen will, kann sie sich auch im Feld besuchen.

Das Ganze hat natürlich auch seinen Preis. „Bestimmte Qualitätsstandards sind bei Schnäppchenpreisen einfach nicht möglich“, sagt sie. „Mit dem Motto ,Geiz ist geil‘ kann man solche Standards einfach nicht halten.“ Dafür wisse der Kunde hier vor Ort jedoch ganz genau, wo die Eier wirklich her stammen.

Das wissen auch Obst- und Gemüsehändler Stephan Klumpen (49) und Würstchenverkäufer Uwe Wemheuer (56). „Viele Sachen wie Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Eier und Salate hole ich direkt beim Erzeuger“, sagt Klumpen, der seine Waren regelmäßig dienstags und freitags auf dem Geilenkirchener Wochenmarkt anbietet. Bei Blutorangen, Zitronen und Mandarinen steht das Herkunftsland mit auf dem Preisschild. Für ihn ist das ganz normal. Und auch ihn fragen die Kunden vermehrt nach der Herkunft – verständlich, wie er findet. „Der Skandal ist ein Betrug am Verbraucher. Das wäre so, als würde ich Käfigeier als Freilandeier verkaufen.“

„Ich achte schon mehr auf die Herkunft“, sagt ein Passant, „jetzt bin ich vorsichtiger geworden.“ „Ich gebe lieber mehr aus, aber die Ware sollte schon aus der Region kommen“, sagt eine andere Passantin. Uwe Wemheuer berichtet ganz selbstbewusst: „Bei mir fragt keiner nach, die Leute wissen, dass ich gute Ware habe. Der Pferdefleisch-Skandal wirkt sich bei mir nicht auf den Verkauf aus. Ich beziehe die Wurst aus der Region und weiß, was drin ist.“

In Geilenkirchen geht der Trend also in Richtung Bio und regionale Produkte. Hildegard Volles plant sogar einen dritten mobilen Hühnerstall mit nochmals 225 Hennen und Hähnen. Stephan Klumpen zeigt auf Nachfrage auch gerne seinen Betrieb. Und Uwe Wemheuer ist sich sicher, dass Qualität sich auf Dauer durchsetzen wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert