Geilenkirchen-Immendorf - Fair-Play statt Ellenbogen auf dem Rasenplatz

Fair-Play statt Ellenbogen auf dem Rasenplatz

Von: Sarah Sillius
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„Zusammen sind wir stark”: Nach dieser Devise handeln die Ubungsleiter Fritz Quadflieg (hinten r.) und Franz-Josef Alshut (hinten l. ) sowie ihre Fußball-Jungs beim Training und auf dem Foto: Sarah Sillius

Geilenkirchen-Immendorf. Franz-Josef Alshut und Fritz Quadflieg stehen am Spielfeldrand. Es regnet, doch das macht ihnen nichts aus. Fritz Quadflieg trägt trotzdem kurze Trainingshosen.

Die beiden blicken auf den Rasenplatz, auf dem „ihre Jungs” gerade zur Aufwärmung einige Runden drehen. Mindestens zweimal in der Woche stehen Alshut und Quadflieg hier. Hinzu kommen die Wochenenden, an denen die Heim- und Auswärtsspiele stattfinden.

Seit zehn Jahren sind Alshut und Quadflieg ehrenamtliche Fußballtrainer beim FC Rhenania Immendorf. „Es wurden damals dringend Trainer für die Bambini gesucht, da haben wir uns bereit erklärt”, erinnert sich Quadflieg, der seinen Trainerkollegen Alshut vorher noch nicht kannte. Und trotzdem: „In zehn Jahren ist nicht ein einziges böses Wort gefallen.”

Viele der damals maximal vierjährigen Fußballer werden heute immer noch von dem eingespielten Duo trainiert. Mittlerweile sind die Kicker zwölf bis 13 Jahre alt, („mitten in der Pubertät”, wie ihre Trainer sagen) und spielen in der C-Jugend. Auch die Trainersöhne Thomas Alshut und Christian Quadflieg spielen mit im Team, der 19-jährige Filius Florian Alshut unterstützt die beiden Männer beim Training. „Er hat manchmal einen besseren Draht zu den Jungs”, sagt sein Vater Franz-Josef.

„Wir haben schon einiges mit den Kindern erlebt”, blickt er zurück und wird nachdenklich: „Es ist schön zu sehen, wie sie heranwachsen, wie sie sich mit den Jahren weiterentwickeln und verändern.”

Die ehrenamtliche Tätigkeit von Alshut und Quadflieg geht weit über den sportlichen Aspekt hinaus. Eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen gehöre zum Trainersein dazu, meint Quadflieg: „Manchmal gibt es Probleme mit dem Sozialverhalten, die gelöst werden müssen. Viele der Kinder leiden unter Trennungen der Eltern oder haben Probleme in der Schule, das alles wirkt sich auf dem Spielfeld aus.”

Hinzu kommt für die Trainer die Organisation der Spielverlegungen, der Ausflüge oder Saisonabschlussfeiern. Vieles davon zahlen Alshut und Quadflieg aus eigener Tasche. „Wir sind quasi unsere eigenen Sponsoren”, sagen sie.

Als Gratwanderung beschreiben die beiden Trainer den Umgang mit den Eltern. Für jedes Elternteil sei das eigene Kind „ein kleiner Michael Ballack”, und deshalb sei es nicht immer leicht, allen Ansprüchen gerecht zu werden. „Es ist nun einmal nicht jedes Kind zum Fußballspielen geboren”, erklärt Quadflieg und betont gleichzeitig, dass dieses große Talent für den Mannschaftssport gar nicht das Entscheidende sei. „Es gibt Leistungsspieler und Ergänzungsspieler, doch die gehören genauso zum System dazu.”

Das Konzept von Alshut und Quadflieg lautet daher: Jedes Kind soll einbezogen werden und wenn möglich spielen dürfen. In den zehn Jahren als ehrenamtliche Fußballtrainer haben Alshut und Quadflieg gelernt: Sie können sich nicht von jedem in ihr Konzept reinreden lassen, sie können nicht immer alles richtig machen und sie müssen die Nerven bewahren.

Es gehe auch nicht nur darum, zu gewinnen. Wichtig sei, dass jeder sein Bestes gibt, dass die Trainer „den Schweiß auf den Gesichtern der Spieler sehen können”.

Warum der Mannschaftssport für die Entwicklung eines Kindes förderlich ist? „Es ist wichtig, sich in eine Gruppe einordnen zu können und zusammen stark zu sein”, erklärt Quadflieg. „Selbst wenn mal ein Eigentor geschossen wird, heißt es: Abklatschen. Man muss auch mit Niederlagen leben und nach vorne schauen können. In unserer Ellbogengesellschaft kommt ein solches Gemeinschaftsdenken viel zu kurz”, findet Quadflieg und erntet Zustimmung von seinem Trainerkollegen.

„Es ist eine ganz liebe Truppe, was auch daran liegt, dass sich die Spieler untereinander schon so lange kennen und viele von ihnen befreundet sind”, beschreibt Alshut das Phänomen, das es vielleicht nur noch in so kleinen Dörfern wie Immendorf gibt. Spieler, die schon in frühen Jahren durch den hohen Erfolgsdruck „mit Ehrgeiz und Hass geschürt sind”, gebe es in ihrer Mannschaft nicht. In Immendorf stehe der Fair-Play-Gedanke ganz oben.

Klar, der Erfolg spiele natürlich eine entscheidende Rolle. So war es für die Heranwachsenden niederschmetternd, als sie eine Zeit lang viele Niederlagen auf dem Fußballfeld einstecken mussten. Und es waren große Momente, als die Mannschaft wieder Turniere gewann, Gewinne beim Subway-Cup oder dem Turnier in Süggerath mit nachhause tragen konnten. Momente, die beflügelten und wieder motivierten. Auch für die kommende Saison, die am heutigen 11. September mit dem ersten Spiel beginnt.

Für diese Spielzeit, in der die jungen Kicker erstmals auf einem großen Platz spielen werden, haben sich die Trainer vor allem ein Ziel gesetzt: „Einen stabilen Kader zusammen zu bekommen, mit dem wir im Mittelfeld mithalten können.” Denn das ist das größte Problem des Vereins: „Wir kämpfen um jeden Spieler, werben Schulkameraden und bilden Fahrdienste für Kinder, die von außerhalb kommen.” Zur Zeit sind 14 Fußballer im Team. Sie kommen aus Immendorf, Prummern, Geilenkirchen-Stadt, Apweiler und Waurichen. Wenn nur drei von ihnen verhindert oder krank sind, gibt es keine Ersatzspieler mehr.

Manchmal wünschen sich Quadflieg und Alshut geschulte Trainer für die Mannschaft. „Das würde sich langfristig, für die zukünftige Seniorenmannschaft, auszahlen”, glauben sie. Bislang hatte der Verein dafür kein Geld. Doch die beiden Trainer geben nicht auf, stehen weiter hinter ihrem eingespielten Team. Sie blicken nach vorn. Denn so haben sie es auch ihren Fußballzöglingen beigebracht.
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