Übach-Palenberg - Fachvortrag über das „Monitoring“ im Kreis

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Fachvortrag über das „Monitoring“ im Kreis

Von: mh
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Übach-Palenberg. Als Etappe auf dem Weg zu einer mitmenschlicheren Gesellschaft könnte man das „Sozialmonitoring“ bezeichnen, für das sich der Kreis Heinsberg Anfang dieses Jahres entschieden hat. Über Ziele dieses Instrumentes moderner Sozialplanung, die auf die Gestaltung von Lebensräumen zielt, berichtete im Ausschuss für Soziales, Bildung und Kultur der Leiter der Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung beim Kreis, Volkhard Dörr.

Der Referent befand sich in Übach-Palenberg auf bekanntem Terrain; bis vor etwa einem Jahr leitete er das dortige Sozialamt. Den auf überschaubare Flächen – so genannten Sozialräumen – fokussierten Blick des Sozialmonitorings hat nach Dörrs Ausführung die demografische Entwicklung erforderlich gemacht. Auch im Kreis Heinsberg gibt es einen Bevölkerungsrückgang bei jährlich etwa 2000 Geburten und mehr als 2600 Sterbefällen. Gleichzeitig verändert sich der Altersaufbau durch die steigende Lebenserwartung. Die Statistik zeige, so Dörr, dass bei den jetzt 65-Jährigen die Männer eine weitere Lebenserwartung von mehr als 17 Jahren, die Frauen sogar von mehr als 20 Jahren haben.

Dem gegenüber steht neben dem Geburtenrückgang auch eine Verlängerung der Jugendphase. „Junge Menschen müssen heute länger lernen“, so Dörr. Auch werden die Haushalte zukünftig kleiner, was für die Wohnbauplanung ebenso Bedeutung habe wie die Schaffung von altengerechten Wohnungen. Ein besonderes Problem, das Dörr ansprach, liegt darin, dass mit der steigenden Lebenserwartung auch die Zahl der Pflegebedürftigen steigt: Die Pflegebedürftigkeit für 60-Jährige liegt bei 1,6 Prozent, bei 78-Jährigen bei 19,9 Prozent, bei 82-Jährigen bei 34,5 Prozent und bei 85-Jährigen schon bei mehr als 61 Prozent. Während die Zahl der Alten und Kranken sich bis zum Jahr 2050 verdoppeln werde, gehe die Pflegebereitschaft auf etwa Zweidrittel ihres jetzigen Wertes zurück. Für den Kreis und die Kommunen heiße das, sich auf immer mehr voll stationäre Pflegeplätze einzustellen. Der Kreis, so Dörr, müsse dazu bis 2030 mehr als neun Millionen Euro investieren.

Noch wichtiger sei jedoch der Blick auf eine Betreuung in den Familien. „Es geht um selbstbestimmtes Leben, die Menschen wollen in ihrer Häuslichkeit betreut werden“, sagte Volkhard Dörr. Diesem Ziel folge auch das Sozialmonitoring mit dem Blick auf möglichst kleinräumige Entwicklungszonen, Sozialräumen, die sich an einer Einwohnerzahl von 10.000 bis 15.000 Einwohner orientieren.

Um die Aussagen über demografische Entwicklungen und statistische Zukunftswerte noch belastbarer zu machen, würden innerhalb der Sozialräume noch so genannte Quartiere mit Mindesteinwohnerzahlen von 2500 bis 3500 Einwohnern betrachtet. Bei der Entwicklung dieser Quartiere gehe es um Fragen des Wohnens (altersgerecht und bezahlbar sowie Pflegemöglichkeiten), der Versorgung (Einkaufsmöglichkeiten) aber auch um das Gemeinschaftsleben. Auch hier müssten Möglichkeiten für ein Miteinander in den Quartieren geschaffen werden.

Die Ausführungen von Volkmar Dörr ergänzte der Leiter des Kreisjugendamtes, Hans-Jürgen Oehlschläger, mit Anmerkungen zu einer sich verändernden Jugendhilfeplanung. Auch bei weniger Kindern, steige die Zahl der zu betreuenden Fälle, sagte Oehlschläger. Das liege vor allem daran, dass viele Eltern in hohem Maße psychisch belastet seien. Neben Fragen der Wohnumfeldgestaltung und der Schaffung von Treffpunkten und Freizeitangeboten sei die Frage wichtig, wie man die Betreuung innerhalb der Familien verstärken könne. Eine an Sozialräumen orientierte Jugendhilfe müsse sich zum Beispiel fragen, weshalb sich in einem bestimmten Wohngebiet Betreuungsfälle häuften. Auch müsse sie präventiv arbeiten, wie dies im Kreis Heinsberg zum Beispiel mit dem „Familienhebammendienst“ geschehe.

Diese Punkte sollen im Kreis Heinsberg in insgesamt 20 Sozialräumen beobachtet und nach Möglichkeit umgesetzt werden, berichtete Volkhard Dörr. Für Übach-Palenberg bedeute das die Definition von zwei „Sozialräumen“ mit zusammen fünf „Quartieren“: Sozialraum 1 die Stadtteile Übach als Quartier 1, Palenberg und Rimburg als Quartier 2; der Sozialraum 2 umfasst die Stadtteile Boscheln und Holthausen als Quartier 1, Marienberg, Scherpenseel, Siepenbusch und Windhausen als Quartier 2, Frelenberg und Zweibrüggen als Quartier 3.

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