„Explosionen von Farben“: Xiaoshan Liang stellt aus

Von: rk
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Schon als Kind bekam sie Einzelunterricht von einem Kalligraphielehrer: Xiaoshan Liang (3. von links), hier zu sehen mit Ehemann Markus Mediger (dahinter) und Freunden. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. Mehr als 10.000 Kilometer beträgt die Entfernung zwischen Peking und Nürnberg, der neuen Heimat von Xiaoshan Liang. Wer sich danach erkundigt, ob sie manchmal Heimweh habe, bekommt zur Antwort: „Ja, fast jeden Tag!“ Doch ihr Ehemann Markus Mediger versichert: „Seitdem sie sich auch in Nürnberg künstlerisch betätigt, ist es sehr viel besser geworden.“

Einen Einblick in ihr Schaffen gewährt die 45-jährige Künstlerin in ihrer ersten Ausstellung in Deutschland mit dem Titel „Endlos Anfangend“, zu deren Vernissage die Vorsitzende des Geilenkirchener Kunst- und Kulturvereins „Kulturgut“, Henriette Echghi-Ghamsari, nun die zahlreich erschienenen Gäste willkommen hieß. „Wir knüpfen mit dieser Präsentation an die Ausstellungsreihe ‚China 8 – zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr‘ an und bieten chinesischen Künstlern eine Plattform“, erläuterte sie und dankte der Stadt Geilenkirchen für die gute Zusammenarbeit.

Bürgermeister Thomas Fiedler merkte an, dass dies das letzte Mal sei, dass er in offizieller Funktion an einer Ausstellungseröffnung teilnehme. Er habe sogar einen persönlichen Bezug dazu, da er den Ehemann der Künstlerin aus früheren Zeiten persönlich kenne. Nun habe man sich zufällig wieder getroffen – auch dies sei ein „Endloses Anfangen“. Der Titel sei für ihn als gelernter Sprachwissenschaftler geradezu angewandter Taoismus: „Sich in den Strom des Lebens begeben und im Kleinen das Große entdecken.“

Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke aus Aachen, Dozent an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und der Akademie für Handwerksdesign in Horbach, schloss sich an und führte aus, dass Xiaoshan Liang in ländlicher Umgebung in Südchina aufgewachsen und zum Studium der Radierungstechnik an die „Guangzhou Academy of Fine Arts“ in die Stadt gezogen sei, wo sie 1992 graduierte. Bei der Radierung müsse sie mit Kraft eine Art Griffel in eine Kupferplatte pressen, dann in ein Säurebad legen und nach beliebiger Zeit herausnehmen. Dies könne sie wiederholen – viele ihrer Arbeiten seien daher mehrschichtig.

Im Jahre 1995 habe die Künstlerin ihre Ausbildung in Peking an der „China Central Academy of Fine Arts“ vervollkommnet, wo sie die Tuschemalerei kennenlernte. Sie male beispielsweise eine Landschaft, die Struktur biete und setze selbst gewählte Elemente hinein – docke sozusagen ihre Fantasie daran an, wobei sich die Tusche unterschiedlich verhalte, je nach Papiersorte und Saugfähigkeit. Mit dieser Technik zu malen, erfordere wegen der überaus feinen Striche tägliche Übung.

Heute nutze Xiaoshan Liang auch Acrylfarben, und insgesamt seien ihre Werke farbiger und fröhlicher geworden. Für jemanden wie sie, die ständig den Ort wechseln müsse, sei die eigene Auseinandersetzung mit der Kunst sozusagen der private Raum, in dem sie sich sicher fühlen könne. „Diese zu Bildern gewordenen Erfahrungen stehen zu ihrer Verfügung“, lud Tölke die Gäste zur Besichtigung ein.

29 Gemälde, viele davon in China angefertigt, teils in Serien, wie zum Beispiel Blumen, gilt es für die Interessierten zu entdecken. Im Gespräch mit der Künstlerin erfahren sie, dass sie als Kind spät sprechen gelernt und sich daher in Bildern ausgedrückt hat. Bereits mit acht Jahren habe sie Unterricht zu Hause von einem alten Meister in Kalligraphie erhalten, später auch in klassischer Malerei, insgesamt zehn Jahre lang, ehe sie an der Akademie auch westliche Elemente kennenlernte.

Ihr Ehemann Markus Mediger, Diplom-Physiker, verriet, sie hätten sich 1998 in Peking kennengerlernt, wo er bei einer großen Firma beschäftigt war. Nach vielen Jahren hätten sie überlegt, wo sie in Zukunft leben möchten und seien vor dreieinhalb Jahren mit ihren beiden Töchtern Selena (10) und Samia (7) nach Nürnberg gezogen. Seine Frau liebe auch die Gartenarbeit – sie stehe sozusagen immer mit einem Bein im Garten und mit einem im Atelier – und lasse sich von der Natur inspirieren.

Udo Stibbe aus Aachen, Besucher der Vernissage, faszinierte „die Entwicklung und komplette Veränderung in den Werken der Künstlerin: Früher dunkel-filigran – jetzt frei mit Explosionen von Farben“, während Hannelore und Günther Zeus besonders schätzen, „dass unserer Fantasie überlassen wird, was wir darin sehen möchten“.

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