Übach-Palenberg - Evangelische Kirchengemeinde und Hephata stellen Hütte-Projekt vor

Evangelische Kirchengemeinde und Hephata stellen Hütte-Projekt vor

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:

Übach-Palenberg. Pfarrer Jens Sannig, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, warb in der Sondersitzung des Jugend- und Sozialausschusses am Dienstagabend für das Hütte-Projekt.

„Die Hütte der Begegnung könnte ein Haus werden für Jugendliche, die hier ein Stück Heimat finden.” Die Evangelische Kirchengemeinde Übach-Palenberg und die Evangelische Diakoniestiftung Hephata wollen das Projekt im Marienberger Kirchengebäude auf den Weg bringen.

Das gemeinsame Vorhaben, dort seelisch behinderte Jugendliche zu betreuen, allerdings stößt bei den Anwohnern auf heftigen Widerstand und hat nun gar die Kommunalpolitik auf den Plan gerufen - die CDU beantragte die jüngste Sondersitzung. Dort erläuterte Pfarrer Sannig und Dieter Köllner, Leiter der Hephata-Jugendhilfe, dem Ausschuss und den zahlreichen Zuhörern Gründe und Ziele des Betreuungsmodells.

„Die Jugendlichen haben ganz klar Defizite in ihren Verhaltensweisen”, betonte Sannig. „Sie haben in ihrem Leben etwa noch nie gesagt bekommen, dass man sie liebt. Wir wollen diesen jungen Menschen Geborgenheit bieten, und wir wollen sie aus der Randlage in die Mitte holen, sonst sind sie für die Gesellschaft verloren.”

Mit Befremden habe er zur Kenntnis genommen, dass man die Jugendlichen zuvorderst als Bedrohung wahrnehme und dabei die Aufgabe, sich dieser Hilfsbedürftigen anzunehmen, aus den Augen verliere. Er appellierte an das christliche Selbstverständnis, auf dem auch der „Tendenzbeschluss” des Presbyteriums fuße, ein Beschluss, der noch nicht die endgültige Zustimmung zum Projekt sei, aber durchaus richtungsweisenden Charakter habe. „Lasst es uns miteinander tragen”, appellierte Pfarrer Jens Sannig an die Runde.

Das Landesjugendamt, die zuständige Genehmigungsbehörde, habe bereits beim Begehungstermin vor zwei Wochen Räumlichkeiten und Konzept für gut befunden.

Wie kann die Politik auf den Entscheidungsprozess einwirken?, fragte Josef Fröschen, CDU. Die Antwort von Hans-Jürgen Oehlschläger, Leiter des Kreisjugendamtes, war deutlich: „Nichts. Der Träger hat einen Rechtsanspruch auf Betriebserlaubnis, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind.” Oehlschläger machte keinen Hehl daraus, dass auch der Kreis das Projekt goutiert: „Wir sind froh, dass wir diese Hilfe haben, die sich einer sehr schwierigen Klientel annimmt.”

Auch Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll stellte fest, dass die Stadt in puncto Mitwirkung „keine Aktien im Spiel hat”. Er forderte die Ausschussmitglieder auf, die Sondersitzung dazu zu nutzen, Farbe zu bekennen, sich zum Projekt politisch zu erklären: „Egal, ob dafür oder dagegen. Das erwarten die Bürger von Ihnen.” Ausschuss-Vorsitzender Georg Overländer konterte: „Das ist eine Informationsveranstaltung, hier geht nicht darum, einen Beschluss zu fassen.”

Und die weiteren Informationen hatte Dieter Köllner parat. Sechs Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren aus dem gesamten Rheinland würden im umzubauenden Teilbereich der „Hütte” betreut. Der Hephata-Mann widersprach den Aussagen, dass es sich um Kriminelle handelt: „Es sind hochtraumatisierte Jungen und Mädchen mit depressiven oder aggressiven Durchbrüchen. Aber die Gewalt richtet sich allenfalls gegen die Gruppe, Betreuer oder gar Nachbarn waren bisher nie betroffen”, stemmte sich Köllner gegen die Kritik.

Ein straff organisiertes Tagesprogramm mit Unterricht, Arbeits-, Sport- und Kreativangeboten würde die Jugendlichen fest einbinden. „Den Ausgang ohne Begleitung müssen sie sich verdienen”, skizzierte Köllner die Regeln des Projektes, das im Übrigen nicht als „Pilotprojekt” zu bezeichnen sei: „Denn wir bieten ein Konzept an, das bereits in anderen Hephata-Einrichtungen erfolgreich praktiziert wird - nur mit dem Unterschied, dass in Marienberg zusätzlich ein Schulungsraum und eine Werkstatt vorhanden sein würden.”

Womöglich neue Informationen zum Wohngruppen-Projekt gibt es beim Info-Abend der Evangelischen Kirchengemeinde am 16. Juni, 19.30 Uhr, in der Hütte der Begegnung.
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