Europa-Union spricht über Flüchtlingskrise und Aufgaben der EU

Von: Markus Bienwald
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Auf Einladung der Europa-Union Geilenkirchen mit ihrem Vorsitzenden Prof. Dr. Gerd Wassenberg (l.) referierte Dr. Pantaleon Giakoumis im Haus Basten zum Thema Flüchtlinge und Griechenland. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Beeindruckende Fotos und die Diskussion, warum es die EU nicht schafft, eine für alle Mitglieder akzeptable Lösung der aktuellen Flüchtlingskrise zu entwerfen, waren zwei herausragende Punkte beim jüngsten Vortragsabend der Europa-Union Geilenkirchen.

Im Haus Basten hatten sich dazu gut 30 Gäste versammelt, Vorsitzender Professor Gerd Wassenberg begrüßte mit Dr. Pantaleon Giakoumis den ehemaligen Landesgeschäftsführer der Europa-Union in NRW.

Dr. Giakoumis beleuchtete nicht nur die Lage in Griechenland, sondern auch die Zahl der Flüchtlinge insgesamt. „Sie stammen aus Afghanistan, dem Irak, Syrien und Pakistan, wobei gerade letztere in Folge des Krieges rapide zugenommen haben“, so der Referent. Zahlen belegten dies, so gab es 2011 noch 48.000 Flüchtlinge, die aus dem Norden der Türkei nach Griechenland kamen, während Schätzungen für 2015 von 850.000 Menschen sprechen, die diesen Weg wählten. „Das Ganze wurde trotz der Finanzkrise und der zunehmenden Bewachung des Grenzverlaufs durch die Europäische Agentur zur Grenzsicherung Frontex geschultert“, so Giakoumis.

Was dies beispielsweise für die griechischen Inseln Lesbos und Chios bedeutet, wurde nicht nur mit Worten und Zahlen, sondern auch mit eindrucksvollen Aufnahmen belegt. Da waren beispielsweise griechische Helfer zu sehen, wie sie immer wieder kleine Kinder aus den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingsbooten retteten. Am Strand türmen sich derweil Rettungswesten und anderes Material auf, und in den Ufergebieten wachsen überall, wo gerade Platz ist, kleine Zeltstädte.

Dass dies auch Auswirkungen auf den Tourismus im Lande hat, zeigte auch eine Bemerkung von Gerd Wassenberg: „Bevor die Flüchtlinge auf Lesbos ankamen, landeten pro Woche 35 Urlaubsflieger dort“, sagte er, „nach Ankunft der Flüchtlinge waren es nur noch acht.“ Dass dies wirtschaftliche Folgen für diese Tourismusregion hat, leuchte ein. „Abgesehen davon, dass der Müll im Zentrum der Hauptstadt und am Hafen Touristen abschreckt“, schloss Wassenberg.

Wie sich in diesem Zusammenhang eine Zwischenbilanz des EU-Türkei-Abkommens auswirkt, zeigte wiederum Referent Giakoumis auf. So ist die Zahl der pro Woche auf den griechischen Inseln ankommenden Flüchtlinge nach einer Studie des zuständigen griechischen Komitees stark gesunken. So sind seit dem 20. März insgesamt 6480 Flüchtlinge auf allen griechischen Inseln neu angekommen, während 326 Flüchtlinge von Griechenland in die Türkei zurückgebracht und im Gegenzug 79 Syrer von der EU aufgenommen wurden.

Was in dieser Gemengelage, in der nicht nur Griechenland, sondern auch Italien total überfordert ist, nun die EU tun kann, zeigte Giakoumis ebenfalls auf. Er setzte sich für Hilfe zur Selbsthilfe über die Entwicklungspolitik eines Landes ein: „Man kann nicht Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, sondern man muss Flüchtlingsströme durch gezielte Hilfe vor Ort verhindern.“

Und er wünschte sich auch, die Flüchtlinge nicht abwertend als „Humankapital“ einzuordnen, das beispielsweise zu einer langfristigen Lösung der demografischen Probleme in Europa beitragen kann. „Es geht darum, dass sich in Europa Bürokratie und nationale Egoismen so sehr verselbstständigt haben, dass wir einen Menschen nicht mehr als Menschen erkennen, sondern ihn ausschließlich als statistischen Faktor betrachten“, machte Giakoumis klar.

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