Eurolog im Schloss Zweibrüggen: „Ist Europa noch etwas wert?“

Von: mabie
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Beim vierten „Eurolog“ diskutierten Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, Domprobst Manfred von Holtum, Dr. Jürgen Linden, Moderator und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, und der niederländischen Senator René van der Linden (v.l.): „Ist Europa noch etwas wert?“ Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Der Zweck Europas und die Diskussion darüber entwickelt sich zum Dauerthema. So stellte auch der inzwischen vierte im Vorfeld der Karlspreisverleihung in Aachen veranstaltete „Eurolog“ der Stadt Übach-Palenberg mit dem Titel „Ist Europa noch etwas wert?“ wieder einmal die europäische Frage.

„Ich denke, dass die aktuellen Probleme erfolgreich bewältigt werden können“, meinte eingangs Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch mit Blick auf die hohen Werte der EU, die im Vertrag von Lissabon festgeschrieben sind. Moderator Dr. Jürgen Linden, Ex-Oberbürgermeister von Aachen und Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, führte in seinen Worten auch den Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz, ins Feld, der vor kurzem gesagt habe, dass die Risikofaktoren für Europa derzeit so groß seien, „dass uns der Laden um die Ohren fliegen kann“. René van der Linden, hochrangiger niederländischer Politiker der CDA (Christen Democratisch Appèl) und Senator, meinte, dass Europa auch ein Erfolgsmodell sein könne. „Aber die Leute werden keine Vereinigung unterstützen, wenn diese nicht in der Lage ist, eine Krise zu überstehen“, so van der Linden.

Für ihn war beispielsweise der „Brexit“, also der Austritt Großbritanniens aus der EU, kein Schreckensszenario. „Ich habe nicht erlebt, dass die Engländer uns viel geholfen haben“, so van der Linden offen, der die britische Haltung in der Tradition von Churchills Aussage „We are with Europe, but not in Europe“ sieht, was in etwa bedeutet, dass England zwar bei Europa steht, aber nicht in Europa ist. Den Erfolg sah van der Linden vor allem im Euro, der schon Mitte der 2000er-Jahre dafür gesorgt habe, dass es nicht zur Katastrophe kam.

Jürgen Linden richtete derweil den Blick auf Europa als Wertegemeinschaft, was Aachens Domprobst Manfred von Holtum bestätigte. Er sah insbesondere die Solidarität und die Kultur als gelebte Werte an. „Die konkreten Werte müssen erneut buchstabiert werden“, sagte von Holtum, der die Bereitschaft der christlichen Gemeinde zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen lobte. „Wir müssen Krisen lösen, um voranzukommen“, meinte auch Moderator Linden.

Dennoch stellte er die Frage, ob die derzeit grassierende Nationalisierung nicht im eklatanten Widerspruch zum Solidargedanken stehe. „Man hat derzeit den Eindruck, dass Europa wankelmütig geworden ist“, gab Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung, und damit der Vierte auf dem Podium im Schloss Zweibrüggen, zur Antwort. Man dürfe sich nicht der Tatsache verschließen, dass die nächste Krise bestimmt komme. Dabei drehe sich alles um die Frage, ob die europäische Antwort darauf gemeinsam oder einzeln erfolge. „Die europäischen Lösungen haben mehr Stabilität gebracht“, postulierte Krüger. „Es gilt, einen Verständigungsprozess anzustoßen, der beispielsweise die Meinungsfreiheit als gemeinsamen Wert herausstellt“, sagte er.

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