Es sind Sommerferien, also ab nach draußen!

Von: Ines Kubat
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Es müssen nicht immer Fernsehen und Computer sein: Auch mit einfachen Spielen können Kinder im Wald viel Spaß haben. Foto: Ines Kubat
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Die Erzieher Stefanie Altmann und Sebastian Hasse zeigen, wie viel Spaß Eltern und Kinder bei einem Nachmittag im Wald haben können.
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Bloß nicht wackeln beim Gehen! Ein bisschen erinnert diese Aufgabe an Eierlaufen mit einem Esslöffel. Allerdings finden die Kinder die Utensilien dieser Station nicht in der Küche, sondern im Wald: Zwei lange Stöcke und ein kurzer werden dafür benötigt.
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Für die erste Station, das Spinnennetz, muss man sich einen Ort im Wald suchen, an dem einige Bäume recht nah beieinander stehen. Außerdem braucht man ein langes Seil, an dem kleine Glöckchen befestigt sind. Das Seil wird kreuz und quer zwischen den Bäumen gespannt – und zwar in einer Höhe von etwa 30 Zentimetern. Dann heißt es: Aufpassen, wo man hintritt!
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Kleine Stöcke, große Äste und sogar ein paar Stämme tragen die Kinder in Windeseile zusammen und werfen sie auf einen großen Haufen in der Mitte. Und es dauert nicht viel länger als fünf Minuten, bis sich das Holz zu einem großen Berg auftürmt, der ein ordentliches Lagerfeuer ergeben würde. „Bei dieser Aufgabe geht es einerseits um Bewegung und Schnelligkeit, aber auch vor allem darum, als Team zusammenzuarbeiten, erklärt Altmann.
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Richtige kleine Kunstwerke entstehen an Station 6 zwischen den verzweigten Ästen mehrerer Bäume, wenn Eltern und Kinder gemeinsam ein buntes Spinnennetz knüpfen. Das geht besonders gut mit buntem Bast, „weil der biologisch abbaubar ist, und deshalb kein Müll im Wald zurückbleibt“, erklärt die Erzieherin Altmann.
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Nur nicht abspringen! Mit einem Stamm und einem stabilen langen Ast lässt sich im Wald sogar eine richtige Wippe bauen. Das zeigen Altmann und Hasse der Walderlebnis-Gruppe. „Es geht dabei darum, ein Gefühl des Gleichgewichts zu entwickeln und auch clever zu überlegen, wie man die Wippe am besten baut, damit sie funktioniert“, erklärt Altmann.
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Fleißig sammeln Eltern und Kinder körbeweise gemeinsam kleine Stöckchen, von denen jedes Kind drei Stück erhält. Dann bereiten Stefanie Altmann und Sebastian Hasse den Zielwurf vor: Ein kleiner Korb wird aufgestellt und in etwa einem Meter Entfernung mit einem langen Stock eine Linie markiert, die beim anschließenden Wurf nicht übertreten werden darf. Dann heißt es: zielen und werfen.

Geilenkirchen. Sechs Wochen Sommerferien – Dieser Ausblick lässt Kinderherzen höher schlagen, Eltern aber stellt es manchmal auf eine harte Probe, damit sich die Kinder nicht langweilen. So werden im Sommer viele Aktivitäten geboten: ein Gang ins Schwimmbad, Eis essen, Kinobesuche oder auch eine Runde Karussell-Fahren im Freizeitpark.

Doch all diese Aktivitäten kosten Geld – und nicht immer wenig. Doch das muss nicht sein, finden Sebastian Hasse und Stefanie Altmann, Erzieher der AWO-Kita Stadtmitte. Denn es gibt einen Ort, der gar nichts kostet, immer verfügbar ist und mit ein paar kleinen Ideen bei Kindern bestimmt keine Langeweile aufkommen lässt: der Wald. Die Erzieher kennen viele Spiele, die nicht nur einfach nachzumachen sind, sondern bei denen das Gelingen garantiert ist – und der Spaß sowieso.

Gemeinsam bieten sie in Geilenkirchen seit knapp anderthalb Jahren für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren und ihre Eltern den „Walderlebnis-Tag“ an. „Wir wollen dabei zeigen, dass es ganz viele Möglichkeiten gibt, sich im Wald die Zeit zu vertreiben. Und das ist weder aufwendig, noch kosten es etwas“, erklärt Stefanie Altmann.

Alle zwei Wochen treffen sich die Erzieher nach Kita-Schluss mit den kleinen und großen Waldabenteurern im Kitagarten. Dann werden Rucksäcke gepackt, Schuhe geschnürt und – ganz wichtig – die Schrittzähler verteilt. Die klemmen die Kinder einfach an ihren Hosenbund, und schon wird jeder einzelne Schritt erfasst, den die Mädchen und Jungen auf ihrem Weg zum und im Wald zurücklegen.

Und kaum sind die kleinen Geräte angelegt, vergleichen die Kinder schon ihre zurückgelegten Wege: „Ich habe schon zehn Schritte gemacht, und du?“ Für die Kinder sei es hauptsächlich ein nettes Spielzeug. Die Erzieher wissen aber, dass die Schrittzähler Motivation und Anreiz sein können, sich zu bewegen.

Und ein solcher Anreiz ist offenbar von Nöten: „Die meisten Kinder bewegen sich im Alltag einfach viel zu wenig“, sagt Stefanie Altmann, die selbst Mutter von drei Kindern ist. Doch beim „Walderlebnistag“ ist Motivation kein Problem: Hand in Hand machen sich Mamas, Papas, Omas und Opas mit den Kindern und Erziehern auf den Weg in Richtung Wald.

Mal sind es nur eine Handvoll Teilnehmer, mal kämen gleich 24 Kinder samt Eltern mit, erzählt Altmann. Im Wald angekommen, reißen sich die meisten Mädchen und Jungen ganz automatisch von den Händen ihrer Begleiter los und erkunden den großen Freiluftspielplatz auf eigene Faust.

Doch bevor es richtig losgehen kann, erklären die Erzieher die Spielregeln: Sechs Stationen haben sie vorbereitet, für jede absolvierte Aufgabe bekommen die Kids einen Stempel und – wenn sie alles erfüllt haben – eine Urkunde.

Eine richtige Ausrüstung für die einzelnen Spiele müssen Altmann und Hasse nicht einpacken, denn die allermeisten Utensilien findet die Gruppe zwischen Tannenzapfen, Blättern und dicken Bäumen.

Geschick, Konzentration, Fantasie und vieles mehr wird den Kindern dann bei den einzelnen Stationen abverlangt. Und selbst wenn sie nicht alle Aufgaben auf Anhieb schaffen, finden die beiden Erzieher immer aufmunternde Worte: „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt besser.“

Denn ihr Konzept besteht darin, die Kinder zu motivieren und sie für die Natur zu begeistern. Es ist ein Konzept, das auch den Eltern sichtlich gefällt. Kanista Scholz aus Teveren sagt beispielsweise: „Das Angebot ist toll, denn es macht Spaß und die Spiele sind sehr gut durchdacht.“

Doch mit Zuschauen und Rucksacktragen allein kommen die Erwachsenen beim Walderlebnistag nicht davon: Auch Eltern und Großeltern müssen mit anpacken, beispielsweise wenn es darum geht, geeignete Stämme für eine Wippe zu suchen oder ein Spinnennetz um die Bäume zu spannen.

Die Erwachsenen einzubinden, das gehört zum Konzept von Altmann und Hasse: Schließlich soll die Motivation, sich in der Natur zu bewegen, nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf die Eltern übertragen werden.

Stolz auf ihre Leistungen zeigen die ausgepowerten Mädchen und Jungen nach knapp anderthalb Stunden ihre Stempelkarten vor. „Wow, 5000 Schritte bist du heute gelaufen! Das ist ja richtig viel“, sagt Altmann und überreicht einem Kind die Urkunde. Die Augen des Jungen strahlen voll Stolz auf, als er sie entgegen nimmt und hüpfend davon läuft.

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