Es mangelt an Wohnraum für Flüchtlinge

Von: Udo Stüßer
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100 Plätze für Familien und Frauen mit Kindern bieten die Unterkünfte an der Friedensburg. Berücksichtigt werden zugewiesene, keine anerkannten Flüchtlinge. Mitte November werden sie belegt sein. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Aktuell sind der Stadt Geilenkirchen 287 Geflüchtete aus 35 Herkunftsländern zugewiesen. 160 besitzen eine Aufenthaltsgestattung, sie befinden sich also in einem laufenden Asylverfahren. Weitere 85 Personen, deren Asylverfahren negativ beschieden wurden, sind im Besitz einer Duldung.

42 weitere anerkannte Flüchtlinge leben als sogenannte Fehlbelegung in den städtischen Wohnheimen, da sie noch keinen Wohnraum auf dem privaten Wohnungsmarkt anmieten konnten. Diese und viele weitere Fakten hat die Geilenkirchener Verwaltung den Stadtverordneten vorgelegt. Vorausgegangen war eine Anfrage der Fraktion „Geilenkirchen bewegen! und FDP“ zur Entwicklung des Flüchtlingsaufkommens und zu den Erfolgen und Herausforderungen der Integration.

Laut Verwaltung befinden sich 33 Personen in einem Beschäftigungsverhältnis oder in Ausbildung. 22 Geflüchtete sind in den vergangenen beiden Jahren nach unbekannt abgemeldet worden, da sie sich nicht mehr in den Unterkünften aufhielten. Sie werden dann von der Ausländerbehörde bei Interpol gemeldet.

„Bei den aktuell 287 Geflüchteten handelt es sich um 73 Kinder und Jugendliche, 30 Familien, vier Ehepaare, neun Alleinerziehende und 122 Alleinreisende“, hat die Verwaltung aufgelistet.

Die Erfüllungsquote der Stadt Geilenkirchen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz (Flüchtlinge im laufenden Verfahren) liegt in Geilenkirchen bei 91,9 Prozent. Dies entspricht nach Berechnungen der Verwaltung einer weiteren Aufnahmeverpflichtung von 16 Geflüchteten. Dabei rechnet die Verwaltungsspitze mit einer steigenden Tendenz.

52 Prozent beträgt die vorläufige Erfüllungsquote im Bereich der anerkannten Flüchtlinge. Dies entspricht einer Unterdeckung von 113 Personen.

In einem ersten Schritt ist Geilenkirchen verpflichtet, ab November weitere 30 bis 40 anerkannte Geflüchtete aufzunehmen. Diese müssen für mindestens drei Jahre ihren Wohnsitz in Geilenkirchen nehmen. Die anerkannten Flüchtlinge müssen privaten Wohnraum anmieten. Das bedeutet, dass die Stadt Geilenkirchen in nächster Zeit weitere 129 Flüchtlinge aufnehmen muss.

Die Verwaltung bedauert, dass bedingt durch die große Anzahl an Alleinreisenden kaum geeigneter Wohnraum in Geilenkirchen zu finden ist. „Das Angebot zur Gründung von Wohngemeinschaften wird durch die Geflüchteten abgelehnt. Die Geflüchteten möchten ihren Wohnraum ausschließlich im Innenstadtgebiet anmieten und sind aufgrund der schlechten Infrastruktur in den Ortslagen nicht bereit, ihren Wohnsitz dort zu nehmen“, erklärt die Verwaltung, das Team Asyl stehe im engen Kontakt mit Wohnungsgesellschaften und Vermietern. „Da der Wohnungsmarkt in diesem Bereich aber sowieso sehr angespannt ist, ist es aktuell nicht möglich, entsprechenden Wohnraum anzubieten. Darüber hinaus wird die Lage durch die Zuweisung der anerkannten Geflüchteten mit Wohnsitzauflage nochmals verschärft.“

In ihrem Bericht weist die Verwaltung auch auf ein mangelndes Angebot an Integrationsmöglichkeiten hin. Für die fünf Länder Irak, Iran, Somalia, Eritrea und Syrien mit guter Bleibeperspektive würden bereits im laufenden Asylverfahren Integrationskurse durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angeboten. Alle anderen Personengruppen seien auf die Teilnahme an ehrenamtlich geführten Sprachkursen angewiesen. „Dies führt zur Überforderung des Ehrenamtes.“

Die Verwaltungsmitarbeiter kennen auch Gründe für eine Unzufriedenheit der Geflüchteten. „Die Unzufriedenheit bezieht sich auf die Wohnsituation, die Dauer bzw. den Ausgang des Asylverfahrens und falsche Erwartungshaltungen. Den Geflüchteten ist durch die Schleuser privates Eigentum (Häuser) versprochen worden. Weiter setzt die Erwartungshaltung der Familien im Heimatland die Geflüchteten unter einen enormen psychischen Druck.“ Diese hätten meist das Geld für die Flucht vorgestreckt und wollten dieses und noch mehr vom Geflüchteten erhalten. Konfliktpotenzial berge die Durchsetzung der Hausordnung, darüber hinaus spiele der Bereich Straffälligkeiten, Drogen- und Suchtproblematik eine große Rolle.

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