Es geht weiter: Automatensprenger schlagen wieder zu

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
11652546.jpg
Die Täter hinterließen in der Bankfiliale beträchtlichen Sachschaden. Foto: Ralf Roeger
11652550.jpg
Die Bankfiliale liegt an der Ecke Kirchberg/Talstraße. Durch die Explosion geriet sie in Brand, es entstand eine beträchtliche Rauchentwicklung. Die Feuerwehr musste eingreifen. Foto: cuh
11652549.jpg
Die Rückseite des Automaten ragte in den Raum, zu dem dieses Fenster gehörte. Die Scherben der Fenster wurden durch die Detonation meterweit über die Straße verteilt. Foto: Ralf Roeger

Übach-Palenberg. Um vier Uhr morgens ist Daniel Plum eigentlich der einzige weit und breit, der am Kirchberg in Übach-Palenberg schon arbeitet, doch am Mittwoch war das anders. Gleich neben der Bäckerei der Familie Plum liegt eine Filiale der Deutschen Bank, und dort, an der Ecke zur Talstraße, machte sich eine Bande Automatensprenger ans Werk.

Mit einem gewaltigen Knall flog schließlich gegen 4.30 Uhr ein Geldautomat in die Luft, Daniel Plum dachte sich zunächst nichts dabei – vielleicht ja ein verspäteter Silvesterböller. Zwischen der Backstube und dem Raum, in dem der Automat stand, liegen mehrere weitere Räume, und die milderten die Detonation offenbar stark ab.

Dabei ist das Maß der Zerstörung, das die Täter hinterließen, beträchtlich. Über mehrere Quadratmeter lagen noch am Vormittag die Scherben über die Straße verstreut, Ruß auf denjenigen Scheiben, die nicht zu Bruch gegangen waren, zeugten außerdem davon, dass die Bank auch in Brand geraten war. Die Rückseite des Automaten war durch die Explosion weit aufgerissen worden.

Was wirklich geschehen war, erfuhr Daniel Plum erst Minuten nach der Detonation. Ein Nachbar kam in die Backstube gerannt und rief „Es brennt, die Bank wurde gesprengt!“ Daniel Plum lief auf die Straße und versuchte, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen, doch vergebens. „Die Rauchentwicklung war extrem“, sagt er. Die Täter waren da schon verschwunden, schließlich traf die Feuerwehr ein und löschte.

Zeuge stand auf dem Balkon

Das Geschäft der Bäckerfamilie Plum liegt rechts von der Bank, der Eingang zur Backstube links. „Es brannte doch schon überall Licht. Dass die da trotzdem einfach sprengen – Hut ab!“, sagt Daniel Plum ironisch. Er musste nun einen reichlich stressigen Morgen hinter sich bringen. Denn Ruß war in das Ladenlokal und das Café eingedrungen, es musste geputzt werden und eine Abnahme durch das Ordnungsamt erfolgen, bevor – mit drei Stunden Verspätung – geöffnet werden konnte. „Und das noch zusätzlich zum normalen Programm in der Backstube“, stöhnt Plum. Trotzdem ist er froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Es wurde ja niemand verletzt.

Der Nachbar, der ihn aus der Backstube holte, heißt Lorenz Beckers, er wohnt schräg gegenüber in der Talstraße. In den frühen Morgenstunden war er auf den Balkon gegangen, um eine Zigarette zu rauchen, als er einen Motorroller hörte, der mit laufendem Motor in der Nähe der Bank stand. Auch zwei Männer hielten sich dort auf, einer sei dunkelhäutig gewesen, den anderen habe er aufgrund des Blickwinkels nicht genau erkennen können. Die beiden hätten sich in einer Fremdsprache unterhalten, die Lorenz Beckers nicht genau identifizieren konnte – eine europäische Sprache sei es wohl nicht gewesen, ganz sicher kein Niederländisch.

Einer der Männer bewegte sich schließlich in Richtung Bank und kam schnell wieder zurückgeflitzt. Dann kam es zur Detonation. Lorenz Beckers alarmierte sofort die Polizei, er blieb dabei ganz ruhig. „Mich kann das nicht schocken. Ich war Sprengbeauftragter im Bergbau. Ich habe an dem Knall auch sofort gehört, dass es eine Explosion war.“

Der Vorfall reiht sich ein in eine ganze Serie an Automatensprengungen in ganz NRW und in unserer Region. Am Vortag erst war wenige Kilometer weiter in Herzogenrath ein Automat gesprengt worden. Das Landeskriminalamt geht davon aus, es mit zwei verschiedenen Tätertypen zu tun zu haben: Mit einem, der sehr professionell vorgeht und genau weiß, was er tut. Und mit weiteren, aus Dilettanten bestehenden Gruppen, die stets ein gewaltiges Maß an Zerstörung hinterlassen und billigend in Kauf nehmen, dass es Verletzte oder gar Tote gibt.

Keine hohe Professionalität

Obgleich die Heinsberger Polizei sich am Mittwoch nicht in Spekulationen ergehen wollte, spricht die hinterlassene Verwüstung sehr dafür, dass der Tätertypus Dilettant zugeschlagen hat. Außerdem ließen die Täter in Form zweier Gasflaschen Teile ihrer Ausrüstung zurück, was ebenfalls nicht als Hinweis auf hohe Professionalität zu deuten ist.

Besonders bei der Flucht schließlich stellten die Täter sich ebenfalls alles andere als geschickt an: Die beiden Männer flohen auf ihrem Roller in Richtung Kirchberg und verloren dabei eine Geldkassette und mehrere Geldscheine. Dieser Teil der Beute konnte durch die Polizei nur teilweise sichergestellt werden. Zwei andere Personen von etwa 25 Jahren wurden nach dem Verschwinden des Motorrollers dabei beobachtet, wie sie Geldscheine aufsammelten. Auch nach ihnen sucht die Polizei, möglicherweise handele es sich um Mittäter, die Schmiere gestanden haben und dann sozusagen hinter ihren Komplizen herräumten.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert